Sorgenkind Kirche

Bärbel Kraemer

Lühnsdorf (MZV) 2016 steht in Lühnsdorf ein Jubiläum bevor - den Anlass dafür liefert die 1616 von Heinrich Borstelmann zu Magdeburg gegossene Glocke im Turm der Dorfkirche. Mit dem bevorstehenden Ehrentag verknüpfen die Lühnsdorfer eine große Hoffnung. Voller Zuversicht wollen sie daran glauben, bis dahin ihr Sorgenkind - die Kirche - fit für die Zukunft gemacht zu haben.

Das Lühnsdorfer Gotteshaus muss dringend saniert werden.
© MZV

Elke Thiele, Heidrun Tietz und Hans-Jürgen Bergholz, sie bilden den Lühnsdorfer Gemeindekirchenrat, sowie Fritz Moritz haben deshalb alle Hände voll zu tun. Sie knüpfen Kontakte, beschäftigten sich mit Baugutachten und mit Fördermittelanträgen. Denn die 1897/98 erbaute Kirche braucht dringend Hilfe. Eine Turminstandsetzung ist unabdingbar - ansonsten droht die Turmhaube herabzustürzen - obwohl in den letzten Jahren mehrere Notsicherungen vorgenommen wurden. Diese Konstruktionen, die die Lasten von den zerstörten Holzbauteilen auf andere umleiten sollten, zeigten keine optimalen Erfolge und führten zusätzlich zu Rissen im Mauerwerk. Der Bad Belziger Architekt Mike Enzmann hat unlängst bereits dringenden Handlungsbedarf bestätigt. Knapp 100.000 Euro sind für das Projekt Kirchenrettung erforderlich - und genau deshalb ist die Lühnsdorfer Gemeinde auf Unterstützung beziehungsweise Fördergelder angewiesen. Erste Gespräche um das Sorgnkind Kirche sind zwischenzeitlich bereits erledigt. Viele weitere müssen noch folgen. Dessen ungeachtete hoffen Fritz Moritz und der dreiköpfige Gemeindekirchenrat darauf, in der aktuellen Förderperiode (2014 bis 2020) aus dem Fördertopf der Integrierten Ländlichen Entwicklung, kurz ILE genannt, bedacht zu werden. Doch um in den Genuss der erhofften Finanzspritze zu kommen, muss der Blick geschärft, muss Lühnsdorf touristisch intensiver erschlossen werden - nur so kann der Traum von der Lühnsdorfer "Hochzeitskirche" Wirklichkeit werden. Die ersten Schritte in diese Richtung sind getan. Geführte Wanderungen von Lühnsdorf nach Raben sind fixiert und die Burgenbuslinie stoppt bereits im Dorf. Lühnsdorf rückt damit unweigerlich in das Blickfeld von Touristen. Und mit geschärftem Profil als "Hochzeitskirche" soll der Sakralbau mit der eindrucksvollen Innenausmalung späterhin sogar zur touristischen Erschließung der Umgebung beitragen. Während bislang dort nur kirchliche Trauungen stattfinden können, sollen es künftig auch so genannte "freie" Eheschließungen sein - das zuvor vor einem Standesbeamten geschlossene Ehegelübde wird dabei in feierlicher Form vor einem Redner in der kirchlichen Atmosphäre wiederholt. Pfarrer Matthias Stephan haben die Lühnsdorfer bei der Umsetzung dieser Idee bereits auf ihrer Seite. Und mehr noch. Sie schmieden bereits die ersten Pläne, wie die Idee umgesetzt werden kann. Damit Hochzeitsgesellschaften in dem kleinen Kirchlein Platz finden, soll eine zu DDR-Zeiten installierte Trennwand verändert werden. In den kommenden Tagen findet diesbezüglich bereits ein Vorort-Termin statt. Um zu klären, mit welchem Aufwand dieselbe vorübergehend entfernt und wieder installiert werden kann.

Märkische Onlinezeitung vom 08. Februar 2015

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