Der Traum vom Dach rückt näher

Inga Dreyer

Wriezen (MOZ) Gute Aussichten für die Wriezener Marienkirche: Wenn die Stadtverordneten zustimmen, ist der Eigenanteil für den nächsten großen Schritt gesichert. Damit könnte ein großes Ziel erreicht werden - einen abgetrennten, überdachten Raum zu schaffen, in dem kirchliche und weltliche Veranstaltungen stattfinden können.

Beispiel Altfriedland: Die Klosterschänke wird von einem sogenannten Zollingerdach überspannt, erkennbar an den verschränkten Dachbalken. Auch das Schiff der Wriezener Marienkirche soll durch ein solches Dach geschlossen werden.
© Johann Müller

Zum Greifen nah scheint die Chance, das nächste große Ziel beim Aufbau der Wriezener Marienkirche zu verwirklichen. Die Unterstützung sei noch größer als erhofft, berichtet Friedhelm Zapf, der für die Kirchengemeinde den Wiederaufbau organisiert. Denn am Dienstag saßen die potenziellen Unterstützer beisammen: Vertreter des Konsistoriums der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Frank Schürer-Behrmann, neuer Superintendent des Kirchenkreises Oderland-Spree, der Förderverein der Kirche, Gewerbetreibende, Wriezens Bürgermeister Uwe Siebert (parteilos) und der Gemeindekirchenrat.

Geplant ist, die Kirchenruine mit einem sogenannten Zollingerdach zu schließen. Diese Idee hatte der Architekt Rainhardt Pavlitschek bereits im Herbst dem Bauausschuss vorgestellt. Es handelt sich dabei um eine flach gewölbte Dachkonstruktion, die sich von innen als rautenförmiges Muster aus verschränkten Dachbalken präsentiert. Zu sehen ist ein solches Dach beispielsweise bei der Klosterschänke in Altfriedland. Der Vorteil gegenüber einem originalgetreuen Satteldach liege in den geringeren Kosten des Aufbaus und der Unterhaltung, hatte der Architekt damals erklärt.

Der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Friedhelm Zapf (SPD) betonte beim jüngsten Bauausschuss, dass sich das Dach außerdem leicht wieder entfernen lasse, wenn sich zukünftige Generationen für einen historischen Dachaufbau entscheiden würden und diesen finanzieren könnten.

Beim geplanten Bauabschnitt soll nicht nur das Kirchenschiff geschlossen werden. Eingebaut werden soll auch der Fußboden, die Fenster, eine Heizung und die Stahl-Glas-Konstruktion, die einen Teil des Kirchenschiffes abtrennen soll. Auf diese Weise würde ein geschlossener Raum entstehen, den die Kirchengemeinde, aber auch die Stadt Wriezen, für Veranstaltungen nutzen kann. Damit wäre eine Wriezener Kriegswunde geschlossen - was auch praktische Vorteile hat: Konzerte unterm Regenschirm gehörten dann der Vergangenheit an.

Sowohl der neue Superintendent als auch das Konsistorium würden die Idee unterstützen, berichtet Friedhelm Zapf nach der nichtöffentlichen Gesprächsrunde. Voraussetzung für die Unterstützung sei das finanzielle Engagement der Stadt. Beim jüngsten Bauausschuss hatte Zapf bereits um eine Unterstützung von insgesamt 260000 Euro gebeten - verteilt auf zwei Jahre. Die ersten Reaktionen der Ausschussmitglieder waren positiv, ein bindender Beschluss der Stadtverordnetenversammlung steht indes noch aus.

Knapp 500000 Euro Eigenmittel werden für den nächsten Bauabschnitt gebraucht. Diese setzten sich nach dem aktuellen Planungsstand aus der Unterstützung der Stadt, 120000 Euro von der Kirchengemeinde, 20000 Euro vom Förderverein, 25000 Euro vom Kirchenkreis und 40000 Euro von der Landeskirche zusammen. Hinzu kommt eine Heizungsförderung der Landeskirche in Höhe von 32000 Euro. Das Konsistorium habe zudem Mittel für die Planung bewilligt, denn mit dem Fördermittelantrag müsse bereits eine Baugenehmigung vorliegen, erklärt Friedhelm Zapf.

Wenn die Stadtverordnetenversammlung zustimmt, sind die Eigenmittel gesichert, unterstreicht er. Dann können Fördermittel beantragt werden.

Die Kirchengemeinde hofft auf Fördermittel aus dem Leader-Programm, die 75 Prozent der Baukosten abdecken sollen. Diese werden sich insgesamt auf rund 2,6 Millionen Euro belaufen.

Wenn der Förderantrag im Frühjahr gestellt wird, könnte die Bewilligung im Spätsommer oder Herbst auf dem Tisch liegen, lauten die Überlegungen. Dann könnte in diesem Jahr noch mit den Planungen, 2016 m

Märkische Onlinezeitung vom 23. Januar 2015

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