Fördermittel für die älteste Feldsteinkirche der Prignitz

Riesenjubel in Wernikow

Die Dorfkirche in Wernikow (Prignitz) kann saniert werden. 225.000 Euro Leader-Fördermittel stehen bereit. Hinzu kommen 130.000 Euro Eigenmittel. Damit sollen Arbeiten an Dach und Fassade ausgeführt werden. Baubeginn ist voraussichtlich im Frühjahr.

Die Dorfkirche in Wernikow sieht einer rosigen Zukunft entgegen. Finanziell wird dieses Jahr einiges möglich.
Quelle: Björn Wagener

Wernikow. Die Dorfkirche in Wernikow kann saniert werden. Noch im Frühjahr sollen die Arbeiten an Dach, Fassade und Turm beginnen - und bereits im Oktober abgeschlossen werden.

Möglich macht das ein Fördermittelbescheid, der in Wernikow einen Riesenjubel auslöste: 225.000 Euro werden aus dem Leader-Programm zur Verfügung gestellt. Hinzu kommen weitere 130.000 Euro an Eigenmitteln, die zum größten Teil von der Gesamtkirchengemeinde Wittstock und der Verpächtergemeinschaft "Windpark Wernikow" aufgebracht wurden. Einen kleineren Teil steuerten die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Gemeinde Heiligengrabe und die "Initiative im Denkmalschutz engagierter Ärzte und Apotheker" (Idea) bei. Damit wird genau die Summe erreicht, die das Architekturbüro Kannenberg aus Wittstock als voraussichtliche Bausumme ermittelte: 355.000 Euro. Das teilte Klaus Mundt von der örtlichen Initiativgruppe des Heimatvereins "Alte Schule Wernikow" jüngst auf dem Neujahrstreff der Gemeinde Heiligengrabe mit.

Die Initiativgruppe hat damit ihren bisher größten Erfolg errungen. Sie gründete sich im Jahr 2009 und kämpft seither um die Sanierung der Dorfkirche in Wernikow. Denn schließlich gilt diese als die älteste Feldsteinkirche der historischen Prignitz. Gewonnen wurde diese Erkenntnis im Jahr 2011, als ein bauhistorisches Gutachten sensationelle Ergebnisse ans Tageslicht brachte. In einer Altar-Nische wurde ein Reliquiengrab mit wertvollem Inhalt entdeckt - dem datierten Originalweihesiegel des damaligen Havelberger Bischofs. "Dieser Fund ist im Land Brandenburg bisher einmalig", sagt Klaus Mundt. Außerdem ergab die dendrochronologische Untersuchung einer Sturzbohle im Altarblock, dass die Kirche um 1250 erbaut wurde.

Die Initiativgruppe verfügte seither über ein starkes Argument bei der Fördermittelbeschaffung. Dennoch war der Weg nicht leicht. Zwar hatten im Jahr 2012 Mitglieder der Jugendbauhütte Berlin-Brandenburg mit Sanierungsarbeiten an der baufälligen Apsis begonnen, aber die damals beantragten Fördermittel aus dem Leader-Programm wurden abgelehnt. "Das war natürlich eine große Enttäuschung", so Mundt.

Doch die Mitstreiter der Initiativgruppe ließen sich nicht entmutigen und beantragten im vergangenen Jahr abermals Fördermittel aus diesem Programm - diesmal mit Erfolg.

Damit wird ein wichtiger Grundstein für die weitere Entwicklung der Dorfkirche als kultureller Mittelpunkt in Wernikow gelegt. Schon jetzt werden dort immer wieder Veranstaltungen organisiert - dabei bringen sich viele Akteure aus den Dorf mit ein - der Verein "Alte Schule", die Landfrauen, die Freiwillige Feuerwehr, die Gesangsgruppe "Dompfaffen" oder Sänger Rob Wilson. Die Kirche ist aber auch ein Ort für Konzerte. Besucher sind dort vor allem auch zum Tag des offenen Denkmals willkommen. Im vergangenen Jahr wurde der besonders gelungene Kulturstopp an der Kirche während der Tour de Prignitz zudem mit 1000 Euro prämiert.

Langfristig möchte die Initiativgruppe erreichen, dass auch die vor mehr als 40 Jahren abgebrochene Kirchturmspitze neu errichtet wird. Damit wäre die historische Dorfsilhouette wieder hergestellt.

Die Dorfkirche Wernikow

Die Dorfkirche in Wernikow wurde zwischen 1245 und 1253 als Feldsteinbau errichtet. Sie gehört damit zu den ersten massiven ländlichen Sakralbauten im ehemaligen Bistum Havelberg.
1377 erhielt die Apsis ein neues Dach. 1608 wurde der Innenraum neu gestaltet. Das dreistufige barocke Altarretabel wurde um 1722 aufgestellt. Die hufeisenförmige Emporenanlage wurde um 1823 eingebaut. Damals wurden auch die Lanzettfenster zu Rundbogenfenstern erweitert.
Der 1746 erbaute hölzerne Glockenturm wurde 1848 Opfer eines Brandes und erst 1890 in massiver Bauweise wieder aufgebaut. Eine neue Orgel wurde 1902 eingeweiht. In den 1970er Jahren erhielt der Turmabschluss seine heutige Form.

Von Björn Wagener

Märkische Allgemeine vom 12. Januar 2015

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