Gollwitz: Förderverein forciert Hüllensanierung

Dorfkirche erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Die kleine Gollwitzer Kirche im 68-Seelen-Dorf bei Warchau erwacht aus dem Dornröschenschlaf. Der Förderverein mit einem Dutzend Mitgliedern, der sich ihren Erhalt auf die Fahne schreibt, existiert erst knapp ein Jahr. „Wir sind mit dem Erreichten in dieser kurzen Zeit sehr zufrieden“, sagt Vorsitzender Werner Fräßdorf.

Die vielen fleißigen Hände bringen die Dorfkirche Schritt für Schritt voran.
Quelle: C. Nack

Gollwitz. Er hebt die Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Fleege + Oeser, Gemeindekirchenrat und Amt Wusterwitz hervor. Ohne Startkapital, aber mit großem Willen und handwerklich begabten Leuten in den eigenen Reihen geht es der Verein an.

„245 Arbeitsstunden haben wir bisher in die denkmalgeschützte Dorfkirche investiert“, überschlägt Fräßdorf, selbst freiberuflicher Bauingenieur. „Vom Entrümpeln des Turms, über Handwerksarbeiten bis zum Großreinemachen.“ Leistungen im Wert von rund 4500 Euro seien erbracht worden. Dazu gehören zwei große Aktionen noch vor Gründung im Oktober 2013 und im Juni vorigen Jahres zur Notreparatur von Turm und Dach. „98 Prozent sind dicht, doch es ist nur eine Übergangslösung bis zur Sanierung.“ Seit gestern baut er mit Klaus Kühn, Erhard Rahn und Dieter Herzog eine Notkonstruktion für die Turmspitze ein, damit sie den nächsten Sturm übersteht. „Denn das tragende Holz ist teils verfault und der Turm steht 20 Zentimeter aus dem Lot“, erklärt der Vorsitzende.

Die nächste Aktion zur Ertüchtigung des Glockenstuhls ist auch schon geplant. Ab Sommer soll die Stahlglocke aus dem Ersten Weltkrieg wieder läuten, was aus statischen Gründen seit Monaten nicht möglich ist. „Heiligabend gab’s für zwei Minuten eine Ausnahmegenehmigung, die nächste folgt Ostern“, erklärt Fräßdorf.

Die ersten Sponsoren waren die Brandenburger Firma Böhm, die für beide Großeinsätze die Hebebühne sponserte, und Dachdecker Reiner Lahn aus Warchau, der sich als Fachmann einbrachte. „Inzwischen ist das Spendenkonto auf eine niedrige fünfstellige Summe angewachsen“, freut sich der Vereinschef. „Das brauchen wir als Eigenkapital.“ Derzeit aktualisiere Architektin Heidrun Fleege die Unterlagen, um bis Sommer EU-Fördermittel aus dem Leader-Topf zu beantragen. Während eine ältere Kostenschätzung für die Hüllensanierung, woran sich die Kirche finanziell beteiligt, bei 285.000 Euro lag, rechnet Fräßdorf mit rund 385.000 Euro.

Die Sanierung soll in mehreren Jahresschritten erfolgen. Los geht es mit dem Turm. In dem Zuge will man das alte Stahlgeläut, das dann nur noch als Uhrenglocke dienen soll, durch zwei neue kleinere Bronzeglocken ersetzen. „Danach ist der Innenbereich dran“, blickt der 62-jährige Wusterwitzer voraus. Unter der Empore soll zudem eine Winterkirche entstehen und eine behindertengerechte Tür eingebaut werden. Die etwa 150 Jahre alte Eichentür wird dank einer großzügigen Spende eines Berliner Professors demnächst aufgearbeitet. Neben Tischlerei und Farbrestauration will die Spema aus Kirchmöser das historische Kastenschloss unentgeltlich überholen, um Lehrlingen alte Technik vorzuführen. „Außerdem hat uns die Flakowski-Stiftung vor Weihnachten 1500 Euro für die Dorfkirche fest zugesagt“, berichtet Fräßdorf.

Um die Werbetrommel für den Erhalt der aus dem 13. Jahrhundert stammenden kleinen, aber feinen Feldsteinkirche zu rühren, lässt der Verein 5000 Flyer drucken, um sie ab März in den Touristen-Infos in Brandenburg, Wusterwitz, Genthin sowie in der Kader Hochzeitskirche zu verteilen. Die Gollwitzer will man als Radfahrer-Kirche publik machen. Auf dem Bunte-Dörfer-Weg bis Sachsen-Anhalt radelnde Gäste sollen auf einem noch zu schaffenden Rastplatz halten und sich das Bauwerk auch von innen ansehen können.

Von Claudia Nack

Märkische Allgemeine vom 08. Januar 2015

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