Sammeln für den Taufstein

Oliver Schwers

Stendell (MOZ) Auf einer kleinen Video-Projektion in der Dorfkirche von Stendell zeigt Rüdiger Lüdtke Fotos aus vergangenen Jahren. Da liegt Schnee auf dem Pfarrhof. Ansonsten ähnelt sich die Kulisse: Feuerschale, Glühwein, Turmbläser, Orgelmusik. Der traditionelle Weihnachtsmarkt ist eher ein Weihnachtstreffen - klein und gemütlich. Nicht nur die älteren Leute, die im alten Pfarrhaus liebevoll mit einer Adventskaffeetafel versorgt werden, mögen das. Jeder kennt sich. Jeder hilft mit.

Silvia (r.) und Tochter Maria Feske schauen sich selbstgebastelten Baumschmuck an.
© Stefan Csevi

Rüdiger Lüdtke vom Freundeskreis Feldsteinkirche Stendell blickt zufrieden in den vollständig sanierten Raum. Kerzen flackern an weißer Wand. Von den früheren Schäden an Mauern und Dach ist nichts mehr zu sehen. Der kleine Kreis emsiger Mitstreiter sammelt derweil für die Restaurierung des Taufsteins. Der steht bereits in einer brandenburgischen Werkstatt. Von den vermuteten 2000 Euro an Kosten hat der Verein schon einen Großteil zusammen. Und auch der Wartungsvertrag für die Orgel, die an diesem Tag im Mittelpunkt steht, verlangt nach Spenden.

Der Freundeskreis hat mittlerweile seinen Aktionsradius ausgedehnt. Es geht nicht nur um die Kirche, sondern um das gesamte Ensemble drumherum. Dazu gehört das repräsentative Pfarrhaus mit einer kompletten Hofstelle. Überraschung in diesem Jahr: Aus eigenen Mitteln der Kirche konnte das Dach des Pfarrhauses saniert werden - ein erster Schritt zum Erhalt der Gesamtanlage. "Ich hätte nicht gedacht, dass wir das doch so schnell bewältigen können", sagt Rüdiger Lüdtke erfreut. Das Gebäude ist bewohnt, bringt Mieteinnahmen. Nächste Aufgabe: Die Fassade.

Doch mit weitaus größerer Sorge blickt der Freundeskreis auf Scheune und Stall. Hier ist in der Vergangenheit zu wenig repariert worden. Vor allem an den Dächern. Die Mittel bleiben knapp. Die Rückwand der sehenswerten Pfarrscheune hat die größten Schäden. Doch wenn erst die Dächer in Ordnung gebracht sind, ist der Bestand der Bausubstanz nicht mehr so stark gefährdet. Dann hofft der Verein auf weitere Spenden, denn aus eigener Kraft kann die Kirchgemeinde nicht alles bezahlen. Also wird unermüdlich gesammelt bei Konzerten, bei kleinen Feiern und Einladungen. "Wir wollen aber nicht betteln gehen", sagt Rüdiger Lüdtke. Stattdessen sollen Kulturveranstaltungen und neue Ideen den Zusammenhalt des Dorfes und den Pfarrhof unterstützten.

Märkische Onlinezeitung vom 21. Dezember 2014

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