Klingendes Herz soll wieder schlagen

Benefizkonzert am Sonntag: Für die Sanierung der Ahlsdorfer Orgel werden Paten gesucht

AHLSDORF Musikalischer Glanz schmückt am Sonntag die Ahlsdorfer Barockkirche. Das sanierte Gotteshaus wird erstmals zum Konzertraum. Neun Musikstudenten der Hochschule Leipzig freuen sich auf diese Premiere. Die festliche Einstimmung in den Advent, zu der Gäste willkommen sind, gibt auch den Auftakt zu einer Spendenaktion zur Sanierung der Orgel.

Im weichen Licht des Kronleuchters mutet die barocke Orgel im sanierten Ahlsdorfer Gotteshaus wunderschön an. Seit Jahren ist sie jedoch nicht bespielbar. Deshalb wird am Sonntag im Rahmen des Adventskonzertes eine bundesweite Spendenaktion zur Sanierung gestartet.
Foto: gzn1

Viele Instrumente werden am Sonntag in der Kirche spielen, nur eines nicht: Die große "Königin" schweigt. "Ich weiß nicht mehr, wann die Orgel zum letzten Mal erklungen ist. Die Kinder und Jugendlichen in Ahlsdorf haben sie noch nie gehört", bedauert Dorit Zaffky. Die Kirchenälteste gehört zum "Förderkreis Orgel", der sich kürzlich aus der Interessengemeinschaft "Kranichgrund" heraus gegründet hat. Unabhängig vom religiösen Hintergrund wollen deren Mitglieder helfen, wertvolle Kulturgüter des Dorfes zu erhalten und bundesweit auf sie aufmerksam zu machen.

"Von außen schaut das Instrument prächtig und gesund aus. Das Gehäuse wurde bereits saniert. Doch innen ist alles marode und erstarrt", beschreibt Hans Werner Unger den Zustand der Orgel. Damit das "klingende Herz der Kirche" wieder pulsieren kann, wurden Ideen gesammelt und Kontakte zu Institutionen und Fachleuten geknüpft, auch zu Orgelbaumeister Voigt aus Bad Liebenwerda. Unger weiter: "Wir haben teils kontrovers diskutiert. Letztlich ergab das aber ein Konzept, hinter dem alle stehen: Wir starten eine attraktive Spendenaktion und wollen um Orgel-Paten werben."

Pfarrer Volkmar Homa erklärt: "Für die Sanierung sind 55 000 Euro Eigenmittel notwendig. Ein geringer Teil wurde seit 2010 bei acht Benefizkonzerten gesammelt. Nach dem Einsturz der Kirchendecke im Sommer 2011 gab es jedoch andere Prioritäten. Jetzt, nach der Wiedereinweihung des Gotteshauses, drängt der Zustand der Orgel umso mehr zum Handeln."

Dr. Martin Wehner erläutert den Plan: "Im 19. Jahrhundert hatte die einst barocke Orgel einen romantischen Klang erhalten. Die Kirchengemeinde hat sich nun für den Rückbau zum ursprünglichen Charakter entschieden. Künftig wird es zwei Manuale mit acht Registern und jeweils 54 Tönen sowie zwei Pedale mit zwei Registern und jeweils 27 Tönen geben. Zusammen sind das 486 Pfeifen oder Pfeifengruppen. Sie bestehen entweder aus einer Metalllegierung oder aus Holz. Orgel-Paten können zwischen drei Pfeifengrößen wählen: Für die Kleinsten sind 50 Euro nötig. Diese Töne werden zugeteilt. Für 250 Euro gibt es einen Wunschton aus den größeren Pfeifen, für 1000 Euro eine der größten Pfeifen. Damit die Paten ihre Töne wiederfinden, installieren wir im Kirchturm eine Tafel. Darauf wird der Name dem gesponserten Ton in Form einer ringförmigen Plakette symbolisch zugeordnet. Diese entspricht dem Querschnitt der Pfeife."

Hans Werner Unger ergänzt: "Selbstverständlich sind auch alle anderen Spendenbeträge möglich. Wir hatten schon Anfragen, ob Patenschaften verschenkt werden können. Das ist eine tolle Idee etwa zu Weihnachten oder zu Hochzeiten, Ehejubiläen, Konfirmationen und Taufen. Auch zum Andenken an einen lieben Verstorbenen kann ein Ton erworben werden." Der Eintritt zum Konzert ist frei. Es ist eine Benefizveranstaltung, betont Unger: "Die Gäste können die Musik genießen, und jeder gibt so viel er kann und möchte."

Zum Thema:

Für ihren Auftritt in Ahlsdorf üben die Musiker der renommierten Leipziger Hochschule unter Leitung von Johannes Bogoslawski und betreut von der Dozentin Ursula Schönhals seit Wochen. Sie werden Vokal- und Instrumentalkompositionen aus alter und neuer Zeit spielen und singen, darunter eine von Christian Ludwig Boxberg (1670 - 1729). Der frühere Thomaner überschrieb sie mit dem Titel "Machet die Tore weit". Hans Werner Unger kommentiert: "Das tun wir und wünschen uns, dass viele Menschen in unsere Patronatskirche kommen." Nach dem Konzert serviert die Feuerwehr den ersten Adventsglühwein. gzn1

Gabi Zahn / gzn1 gzn1

Lausitzer Rundschau vom 28. November 2014

   Zur Artikelübersicht