Sanierung der Wansdorfer Kirche geht voran

Nicht schön, aber selten

Seit Mai wird saniert, gemauert, verputzt und gestrichen. Von außen zeigt die Wansdorfer Kirche schon einen ganz neuen Charakter. In zukunft können sich hier auch Vereine treffen, es können Konzerte stattfinden oder Kulturveranstaltungen.

Die Fördervereinsmitglieder Manfred Heß, Christian Mechler und Siegfried Spallek (v.l.) mit der eingerüsteten Wansdorfer Kirche.
Quelle: Oliver Fischer

Wansdorf. Eine Schönheit ist sie nicht gerade, das sagen sogar die, die sich seit Jahren für sie einsetzen. Außen eher schlicht gehalten, keine übertriebene Anmut. Und innen: In den frühen 70er-Jahren gab es einen Pfarrer in Wansdorf, der eine Abneigung gegen alles Barocke hatte, gegen den Kirchenaltar und die Verzierungen. Er ließ einmal kräftig durchrenovieren und schmiss alles aus dem Gotteshaus, was ihm schnörkelig ins Auge stach. Sogar die Patronatsloge wurde abgerissen. Was der Wansdorfer Kirchengemeinde blieb, war ein karger Kirchenraum mit gelblichen Wänden, einem grauem Teppich, einem Holzkreuz, fünf unterschiedlichen Stuhlsorten und einer demolierten Orgel. Nüchterner als die Wansdorfer Dorfkirche kann ein sakrales Bauwerk kaum sein.

Nüchterner kann ein sakrales Bauwerk kaum sein

Und trotzdem, sagt Ortsvorsteher Siegfried Spallek, sei die Kirche nun mal ortsprägend für Wansdorf, so wie jede Kirche für ihren Ort. Deshalb habe man 2005 einen Förderverein für das baufällige Gebäude gegründet, Geld für die Sanierung gesammelt, sich jahrelang durch die stetig wechselnden Förderbestimmungen gequält bis jetzt schließlich und endlich die Baugerüste stehen.

Seit Mai wird saniert, gemauert, verputzt und gestrichen. Von außen zeigt die Kirche schon einen ganz neuen Charakter. Zuletzt war sie unansehnlich geworden, sagt der Vorsitzende des Fördervereins, Christian Mechler. Überall war der Putz abgebröckelt, darunter blitzte rissiges Mauerwerk hervor. Selbst am Glockenturm, der in den Neunzigerjahren schon einmal saniert worden war, gab es Handlungsbedarf.

Dringender Handlungsbedarf

Vieles ist jetzt schon geschafft. Die Risse sind gestopft, neuer Putz ist aufgebracht, Wände trockengelegt, ein hölzernes Gesims, das Dachdecker vor einigen Jahren ohne Genehmigung der Denkmalbehörde angebracht haben, ist wieder entfernt. Statt der einfach verglasten Fenster sind Thermofenster eingebaut. Und neben dem Kirchenschiff wurde ein würfelförmiger Anbau hochgezogen, der in seiner Schlichtheit zur Kirche passt, der in Wansdorf aber, wie Christian Mechler grinsend erzählt, durchaus kontrovers diskutiert wird.

Der Anbau, der genau dort angesetzt wurde, wo sich früher die Patronatsloge befand, mag etwas funktional für ein Kirchenumfeld wirken, vielleicht sogar unwürdig. Er ist aber ungemein wichtig für die Kirche, sagt Christian Mechler, denn er verkörpert ein neues Nutzungskonzept. Er wird eine Küche enthalten, eine Toilette und eine Heizungsanlage. Damit kann die Kirche ganzjährig genutzt werden. Außerdem ist sie dann auch offiziell nicht mehr nur der sakralen Nutzung vorbehalten. Sie wird eine Art Gemeinschaftshaus für das ganze Dorf.

Wansdorfer Multifunktions-Konzept

Wenn keine Gottesdienste gefeiert werden, können sich dort auch Vereine treffen, es können Konzerte stattfinden oder Kulturveranstaltungen. „Das war der Förderstelle wichtig“, sagt Mechler. „Man hat uns dort explizit gesagt, es werden keine Kirchen gefördert, die sich nur ihre Barockaltäre vergolden wollen.“ Weil das Wansdorfer Multifunktions-Konzept überzeugte, schoss das Land aus Leader-Mitteln rund 230.000 Euro dazu. 35.000 Euro hat der Förderverein selbst gesammelt, vor allem mit Benefizveranstaltungen. Und für die dann immer noch fehlenden 120.000 Euro gewährte die Gemeinde Schönwalde-Glien dem Verein ein zinsloses Darlehen über 20 Jahre.

Ganz raus ist der Druck damit aber noch nicht, denn beim Umbau kam es immer wieder zu Verzögerungen. „Eigentlich müssten wir Ende des Jahres fertig sein, aber wir werden es vor dem Frühjahr nicht schaffen“, sagt Mechler. Der Förderverein muss deshalb eine Verlängerung beantragen, sonst droht eine Strafe.

Wansdorf und seine Kirche

Wansdorf wurde erstmals im Jahr 1313 urkundlich erwähnt. Ein paar Jahre später wurde der erste Kirchenbau errichtet.
Beim großen Dorfbrand im Jahr 1716 brannte neben vielen Höfen auch das Gotteshaus bis auf die Feldsteinmauern nieder. Eine neue Barockkirche wurde erst am Ende des 18. Jahrhunderts wieder errichtet.
Die Kirchengemeinde mit ihren 180 Mitgliedern hatte zuletzt einen häufigen Pfarrerwechsel zu verkraften, zudem gab es sechs Jahre lang keinen Gemeindekirchenrat. Gottesdienste sind häufig schwach besucht.
Zum Kirchenensemble gehört auch ein Pfarrhaus. Dieses soll in absehbarer Zeit verkauft werden, um die Kirchensanierung zu refinanzieren.

Die Gründe für den Verzug waren vielfältig. Mal ging es um Genehmigungen, mal um Auflagen. Das meiste war ärgerlich. Ein Grund aber macht die Mitglieder des Fördervereins auch stolz: Als der Putz von der Rückseite des Kirchenschiffs entfernt wurde, kamen zugemauerte Reste alter Bogenfenster zum Vorschein, die in ihrer Bauweise auf das Spätmittelalter hinweisen. „Im Brandenburger Dom hat man solche Fenster vermutet aber nicht gefunden, bei uns sind sie jetzt aufgetaucht“, sagt Siegfried Spallek. Das überraschte umso mehr, weil die Wansdorfer Kirche eigentlich Mitte des 18. Jahrhunderts bei einem Brand zerstört und anschließend wieder aufgebaut wurde.

Spätmittelalterliche Bogenfenster kamen zum Vorschein

Der Fund, der den Denkmalschützern Rätsel aufgibt, sorgte nun für eine Planänderung. Die bislang unbekannten Fenster werden nun geöffnet, die umliegende Außenwand wird unverputzt konserviert. „Man wird immer die historische Struktur sehen“, sagt Christian Mechler.

Innen dagegen wird auf andere Dinge Wert gelegt. Die Fußbodenheizung etwa. Oder eine neue Bestuhlung, für die noch das Geld fehlt. Schön fänden es die Fördervereinsmitglieder auch, wenn die kaputte Orgel verschwände. „Wir können sie nicht gebrauchen, sie nimmt nur Platz auf der Empore weg“, sagt Mechler. Aber an dieser Stelle sperrt sich der Denkmalschutz noch.

Von Oliver Fischer

Märkische Allgemeine vom 18. November 2014

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