Gotteshäuser benötigen 260.000 Euro

Zwei kleine Kirchen brauchen große Hilfe

Würde die Buchholzer Kirchenuhr nicht die Uhrzeit, sondern den Zustand des Gebäudes anzeigen, stünde sie derzeit wohl auf kurz vor zwölf. So jedenfalls kann man zusammenfassen, was Architekt Mike Enzmann bei einer Zusammenkunft zum Erhalt des Gotteshauses vortrug. Da es um das Pendant im Nachbarort Lühnsdorf genauso schlecht bestellt ist, wurden deren Bürger ebenfalls eingeladen.

Damit ihre Tochter Lilly noch lange etwas von der Buchholzer Kirche hat, setzt sich Sabrina Kienow für den Erhalt des Gebäudes ein.
Quelle: S. Specht

Buchholz/Lühnsdorf. Heraus kam, dass insgesamt rund 260000 Euro benötigt werden, um beide Kirchen zu retten.

„Das Problem bei uns sind die verfaulten Balken im Dach“, berichtet die Buchholzer Kirchenälteste Sabrina Kienow. „Die können das Dach nicht mehr richtig stützen. Folge ist, dass es nach unten drückt und die Außenmauern so regelrecht nach außen schiebt. Wenn wir das nicht stoppen, wird das Gebäude unweigerlich einstürzen.“ Laut Architekt Enzmann besteht dort ein akuter Sanierungsbedarf an Dacheindeckung und der Deckenbalkenkonstruktion. „Im Prinzip halten nur noch ein paar Nägel das Dach“, berichtet Mike Enzmann den Vertretern der evangelischen Kirche und der beiden Kirchengemeinden.

Nach ersten Schätzungen werden rund 150000 Euro benötigt, um das Gebäude zu schützen. „Dabei haben wir noch Glück, dass unser Turm im Gegensatz zu Lühnsdorf in einem guten Zustand ist. Ansonsten wäre es noch teurer“, so die Buchholzerin Sabrina Kienow.

Ihr verhältnismäßig hoher Turm ist dagegen das Sorgenkind der Lühnsdorfer Kirchengemeinde. Deren Mitglieder haben in den vergangenen Jahren bereits viel am Gebäude in Eigenleistung saniert. So wurden im Inneren der Sockel geputzt, die Elektrik neu verlegt und im Außenbereich die Friedhofsmauer neu gestaltet. „Aber nun sind wir am Ende unserer Möglichkeiten“, sagt Hans-Jürgen Bergholz. „Der Turm ist schief. Um ihn zu stabilisieren, sind 100000 Euro nötig.“ Laut Architekt Enzmann sind vor Jahrzehnten beim Versuch, den Turm zu stabilisieren, Fehler gemacht worden. So hätten die Ingenieure damals eine Stahlkonstruktion eingesetzt, das bereits modernde Holz aber vernachlässigt. Die Lastverteilung sei ebenfalls falsch gesetzt worden. Auch in Lühnsdorf droht im schlimmsten Fall der Einsturz des Gotteshauses.

Um die Mängel zu beseitigen und die Gebäude vor dem Verfall zu retten, sind nun die Buchholzer und Lühnsdorfer gefragt. Ihnen steht ein Antrags-Marathon bevor. „Ein Anfang ist gemacht. Bei der Zusammenkunft haben wir erfahren, wo wir die besten Aussichten auf Fördermittel für unsere offene Kirche haben“, sagte Hans-Jürgen Bergholz. Sabrina Kienow ergänzte: „Wir wollen uns mit den Garreyern zusammensetzen. Die haben das schon hinter sich und können uns sicher Tipps geben. Gemeinsam schaffen wir es.“

Von Stefan Specht

Märkische Allgemeine vom 18. November 2014

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