"Die Menschen lieben die Bricciuskirche"

Bad Belzig (MZV) Gottesdienste in der Bad Belziger Bricciuskirche gehören der Vergangenheit an - eine gute Zukunft scheint dem kleinen Kirchlein vor den Toren der Burg Eisenhardt aber dennoch beschieden. Mit der Entscheidung des Gemeindekirchenrates, die Sanierung und Nutzung der Bricciuskirche an den neu gegründeten Förderverein Bonte-Friedheim-Lochow e.V. zu übertragen, sind zumindest die Weichen dafür gestellt.

Lydia Junghanß und Gerd Pohl besichtigen die Außenhüller der sanierungsbedürftigen Kirche.
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Lydia Junghanß, Vorstandsmitglied des Fördervereins und Finanzwart Gerd Pohl.
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Dennoch stimmte die Entscheidung der Kirchengemeinde St. Marien Hoher Fläming, die bis zu diesem Zeitpunkt in vierwöchigem Abstand dort noch Gottesdienste feierte, einige Gläubige traurig. Ihr Kirchlein war, ob der immer kleiner werdenden Zahl der Gläubigen, schlicht überflüssig geworden. Tröstlich zu wissen, dass Trauungen, Taufen und Beerdigungen aber dennoch dort stattfinden können und auch in Zukunft werden. Nicht zu vergessen, dass mit Andachten, Konzerten und Ausstellungen die Kirche auf kulturellem Gebiet künftig mehr von sich reden machen wird, als bisher.

Am heutigen Sonntag wird der Anfang gemacht. Superintendent Siegfried-Thomas Wisch hält eine Andacht, das Fläming Quartett wird musizieren und der Förderverein Bonte-Friedheim-Lochow e.V. - er zeichnete unter dem ursprünglichen Namen Freundeskreis bereits für die Restaurierung der Dorfkirche von Lübnitz verantwortlich - sich den Belzigern und gleichzeitig das dringend notwendige Sanierungsprojekt St. Briccius vorstellen. "Die Bricciuskirche gehört untrennbar zur Burg Eisenhardt. Sie ist ein wichtiges Gebäude der Stadt Bad Belzig, dass es zu erhalten gilt", sagt Vorstandsmitglied Lydia Junghanß. Mit ihr zeichnen Thomas Kruse, Christian Bonte-Friedheim und Gerd Pohl für die Geschicke des 12 Köpfe zählenden Vereins - dem die Kirchengemeinde die Restaurierung als auch die Kirchennutzung anvertraut hat, verantwortlich.

In Zusammenarbeit mit dem Architekten Mike Enzmann ist bereits ein Sanierungskonzept erarbeitet worden. Danach sind 270.000 Euro für die dringende Sanierung der Kirche auf dem Burgberg erforderlich. Der sprichwörtliche Zahn der Zeit hat an ihr längst seine Spuren hinterlassen. Aufsteigende Nässe macht den Wänden zu schaffen. Der Dachboden ist durch die Verwendung eines Holzschutzmittels zu DDR-Zeiten konterminiert. Im Innern blättert die Farbe von den Wänden und gibt Puzzleteile einer früheren Ausmalung preis. Wie mag die Kirche vor Jahrhunderten ausgesehen haben? Welche Geheimnisse sind ihr zu entlocken? Diese und viele andere Fragen geistern gegenwärtig in den Köpfen der rührigen Vereinsmitglieder herum. Schließlich ist die geschichtliche Bedeutung der Bricciuskirche, wie der Bad Belziger Diplom-Restaurator Thomas Langer bestätigt, nicht unerheblich.

Dass die Kirche im Sanierungsgebiet der historischen Altstadt von Bad Belzig liegt, bezeichnet Lydia Junghanß als "glückliche Fügung". Deshalb hoffen die Akteure - um die gewaltige finanzielle Herausforderung stemmen zu können - auch auf die Bewilligung von Mitteln aus der Städtebauförderung. Mittlerweile ist dem Verein die Bauherrenpflicht übertragen, sodass die rechtlichen Bedingungen geregelt sind. Jetzt geht es um die finanzielle Absicherung des ehrgeizigen Sanierungsprojekts - bei dem auch bauliche Restaurierungsfehler der Vergangenheit wieder gut gemacht werden müssen.

Der behutsamen Restaurierung des Gotteshauses geht eine historische Bestandsaufnahme der Kirche voraus. "Wir müssen uns entscheiden, welcher Zustand wieder hergestellt werden soll", sagt Lydia Junghanß, zeigt auf die unter der abblätternden Farbe zu entdeckenden Strukturen und beginnt zu schwärmen. "Die Menschen lieben die Bricciuskirche", fügt Gerd Pohl, der Finanzwart des Vereins, hinzu. Ihn fasziniert die Geschichte des Kirchbaus. Draußen zeigt er auf schlecht behauene Feldsteine, erzählt, dass die Außenwände der Kirche einst komplett verputzt waren, und dass der für den Kirchbau nötige Kalk aus Rüdersdorf herangefahren wurde. Voller Spannung sehen die beiden der Bauforschung entgegen - und bündeln Ideen und Gedanken, wie die Bricciuskirche späterhin genutzt werden könnte. "Die Angebote in St. Briccius sollen sich nicht mit denen der Marienkirche doppeln. Wir wollen eigene Akzente setzen. Die Bricciuskirche soll eine Bereicherung für die Stadt sein. Sie mit Leben zu erfüllen, dass ist eine weitere Herausforderung", fasst Lydia Junghanß zusammen und hofft darauf, möglichst viele Belziger am Sonntag in der Bricciuskirche begrüßen zu können.

Terminhinweis: Sonntag, 2. November, 14.00 Uhr, Andacht in der Bricciuskirche mit Superintendent Siegfried-Thomas Wisch, musikalische Umrahmung durch das Fläming Quartett. Im Anschluss stellt der Förderverein Bonte-Friedheim-Lochow e.V. bei Kaffee und Kuchen das Projekt Bricciuskirche vor.

Märkische Onlinezeitung vom 31. Oktober 2014

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