Sanierung der Wuster Dorfkirche ist abgeschlossen

Kulturwustler sind obenauf

Viele Köpfe haben geraucht, viele Hände angepackt, viele Geldbörsen ihren guten Inhalt beigesteuert. Die Beendigung der Bauarbeiten in der Wuster Dorfkirche wurde am Sonntag groß gefeiert. „Viele haben geholfen, Schutt zu karren, Dreckarbeit zu leisten, ehe das Erneuern beginnen konnte.“

Die Sanierung der Wuster Kirche ist eine stolze Dorfgemeinschaftsleistung des Vereins Kulturwust. Da kam auch Hilfe von außen.
Quelle: V. Maloszyk

Brandenburg an der Havel. Für den kleinen Ortsteil Wust war die Sanierung der Dorfkirche von 1883 fast so etwas wie ein Jahrhundertprojekt. Viele Köpfe haben geraucht, viele Hände angepackt, viele Geldbörsen ihren guten Inhalt beigesteuert. Am Sonntag haben die Wuster in ihrer Kirche den Abschluss der Kirchturmsanierung gefeiert und damit das Ende des 120.000 Euro teuren, geförderten Projekts.

Gerhard Schneider erinnerte an den oft mühsamen Weg, den der Verein Kulturwust gegangen ist, und den Mut, das Projekt überhaupt anzugehen. „Am Anfang stand nur noch eine Ruine da, ohne Dach und ohne Fenster“, berichtete der Vereinsvorsitzende. „Viele haben geholfen, Schutt zu karren, Dreckarbeit zu leisten, ehe das Erneuern beginnen konnte.“

Nachdem die Kirche mit Fenstern und Dach trocken war, wurde sie gestrichen, eingerichtet und schließlich ihrer Bestimmung übergeben. Doch nur wenige Originalteile der alten Kirche konnte der „Verein zum Erhalt denkmalgeschützter Bauten und zur Entwicklung des Dorfes“, der Vorläufer von Kulturwust“ war, wiederbeschaffen. Vollständig geblieben war nur der gusseiserne Ofen.

Auch wenn die Kanzel nur noch in Fragmenten erhalten war, hatte der Verein den Ehrgeiz, sie wieder aufzubauen. Damit die Kirche aber nicht einfach nur herumsteht, sondern auch genutzt wird, änderte der Verein sein Profil in Richtung Kultur. Die Kulturwustler veranstalten seither Konzerte, Lesungen, Dia-Vorträge, Ausstellungen und erzielen mit Hilfe von Spenden Einnahmen, die in die Sanierung geflossen sind. Auch für die Kleinen im Dorf finden Veranstaltungen statt, vom Zirkus bis zum Kunstprojekt und Kindertag.

Alles schien auf einem guten Weg, als die Nachricht in den Wuster Alltag platzte, dass die Kirchturmspitze brüchig und damit akut gefährdet ist. Das für den Aufbau der Kanzel gedachte Geld wurde als Eigenanteil in den Turm umgeleitet, um damit Fördermittel beanspruchen zu können.

„Die Turmsanierung war der bisherige Höhepunkt der Zusammenarbeit des Vereins Kulturwust mit dem Gemeinderat“, sagte Gerhard Schneider und erwähnte dabei besonders Pfarrer Rasmus Gramsch – aber auch die Bürger von Wust und die Konzertbesucher mit ihren Spenden, die Kirchengemeinde Schmerzke/Neuschmerzke sowie mehrere Unternehmen.

Schneider: „Selbst ein Kochbuch der Vereinsfrauen und die Silberhochzeit des Pfarrerehepaares trugen zur Finanzierung bei“. Bestritten wurde diese vornehmlich aus Landesmitteln der Integrierten ländlichen Entwicklung (ILE).

Populärer Verein

Der Turm gehört zur im 13. Jahrhundert errichteten Feldsteinkirche, die 1881 eine neogotische Hülle erhielt.
Der Mittwoch soll „Tag der offenen Kirche“ werden mit Lesungen, Musik und Gesprächsrunden.
Jeder zehnte Wuster Bürger ist inzwischen Mitglied im Verein Kulturwust.

Inzwischen ist nicht nur der Turm saniert, sondern steht auch die Kanzel. Remo Gierke hatte nur eine Schwarz-Weiß-Fotografie als Vorbild, um sie aus 310 Einzelteilen aufzubauen. Laut Schneider „zu einem Preis, für den man die Kanzel eigentlich nicht bauen konnte“. Zum Erntedankgottesdienst an diesem Sonntag wird sie der Bestimmung übergeben in der Kirche, die ein „Treffpunkt für Gott und die Welt“ sein soll, sakral und vor allem kulturell genutzt.

Von Jürgen Lauterbach

Märkische Allgemeine vom 30. September 2014

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