Förderverein will die Kirche wieder mit Leben füllen

Sorge um Sankt Briccius am Bad Belziger Sandberg

Seit die Kirchengemeinde St. Marien Bad Belzig/Hoher Fläming beschlossen hat, in der St.-Briccius-Kirche keine Gottesdienste mehr abzuhalten, ist eine Reihe von Sandbergern darum besorgt, dass ihr Gotteshaus in Vergessenheit gerät. Die Bürger fänden es schade wenn die Kirche nun ihrem eigenen Schicksal überlassen werden würde.

Viel Farbe: Leonore Mergner stellt Arbeiten in der Bricciuskirche aus.
Quelle: M. Karth

Bad Belzig. Mit dem Ende der vierwöchentlichen Gottesdienste gehe „der letzte Bezug zum Leben verloren“, sagt Thomas Kruse. Er lebt ganz in der Nähe der Kirche, „nur die Burg liegt dazwischen“. Für den geborenen Bad Belziger ist das Schicksal des Gotteshauses eine Herzensangelegenheit. „Ich kenne die Kirche, seit ich denken kann“, sagt er. „Wir sind hier mit dem Posaunenchor aufgetreten. Ostergottesdienste wurden in der St.-Briccius-Kirche abgehalten und zu Weihnachten fand 15 Uhr das Krippenspiel statt“, erinnert sich Kruse.

Er habe Verständnis für die Pläne der Kirchengemeinde, die Arbeit in der Marienkirche zu konzentrieren. „Für die Gemeinde ist es ein Vorteil.“ Doch bei so vielen Erinnerungen sei es vor allem für alle Sandberger schade, wenn die Kirche nun ihrem eigenen Schicksal überlassen werden würde. Nicht nur inhaltlich, auch baulich müsse der Briccius-Kirche unter die Arme gegriffen werden, sagt Kruse. Zusammen mit den Mitstreitern des Fördervereins „Bonte-Friedheim-Lochow“ will er genau dies tun. Der Verein, der zuvor noch als Freundeskreis agiert hat und sich für die Restaurierung der Lübnitzer Kirche verantwortlich zeigt, hat bereits ein Gutachten beim Architeken Mike Enzmann in Auftrag gegeben. Er sei zu dem Schluss gekommen, dass alles in allem rund 270000 Euro nötig seien, um die Kirche zu sichern, erklärt Kruse. Er hat den Vorsitz des Fördervereins inne. „Dann hätten wir 40, 50, vielleicht 60 Jahre Ruhe.“ Das kirchliche Bauamt habe bereits in den 1960er-Jahren Handlungsbedarf signalisiert.

Der Förderverein will bei seinem Anliegen Tempo machen. „Die Kirche liegt im förmlich festgelegten Sanierungsgebiet der historischen Altstadt von Bad Belzig“, sagt Kruse. Da die Sanierung im Stadtkern weitestgehend abgeschlossen sei, liefen jedoch die Fördermöglichkeiten bald aus. „Wir haben einen Antrag auf Städtebaufördermittel für die Hüllensanierung gestellt“, sagt der Vereinschef. Bis zu 50 Prozent der anerkannten Kosten könnten durch Bund, Land und Kommune übernommen werden. Das Konsistorium in Berlin müsse ebenfalls noch grünes Licht geben, immerhin ist eine Bauherrenübertragung nötig. Auch dafür ist Kruse optimistisch. Die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen sind das eine, das Engagement der Kirchenliebhaber das andere. Kirchendienstliche Betreuung von Hochzeiten habe es bereits gegeben, auch Beerdigungen sollen wieder auf dem kirchlichen Friedhof stattfinden. Konzerte sind ein weiterer Eckpunkt, ebenso geistliche Angebote. „Das müssen nicht unbedingt sonntägliche Gottesdienste sein“, sagt Thomas Kruse. „Aber es wäre schön, wenn hier zum Beispiel abendliche Andachten stattfänden.“

Einer von Kruses Mitstreitern ist Gerd Pohl. Der Sandberger ist Finanzwart des Vereins und besonders von der Geschichte des Gotteshauses fasziniert. „Unsere Briccius-Kirche ist eine von 40, die deutschlandweit diesen Namen tragen. Um 1500 herum wurde die Kirche im Ensemble mit der Burg aufgewertet“, erzählt Pohl. Friedrich der Weise habe karrenweise Kalk aus Rüdersdorf besorgen lassen. „Die Außenmauern waren mal komplett verputzt“, erzählt der Kassenwart.

Bilder und Mode

Eine kleine Ausstellung ist derzeit in der St.-Briccius-Kirche in Bad Belzig zu sehen.
Unter dem Titel „Textilgestaltung – Bilder und Mode“ hat die Beelitzer Künstlerin Leonore Mergner mehrere farbenfrohe Arbeiten ausgestellt. Dabei hat sie Applikationen, Hand- und Maschinen-Stickereien miteinander kombiniert.
Die Ausstellung kann noch bis zum 5. Oktober freitags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr betrachtet werden.

Zunächst gelte es, die nötigsten Arbeiten zu verrichten. So ist das Dach marode, das Mauerwerk angegriffen und im Innern bröckelt der Putz. Die Mitglieder des Fördervereins stehen in den Startlöchern. Sie hoffen, dass die Restaurierung mit der Dekontaminierung des Dachgeschosses noch dieses Jahr ihren Auftakt nehmen wird. Schließlich seien all dies Schritte, damit die Kirche „von dem Hügel runter ein Stück weit in die Mitte der Leute kommt“, glaubt Thomas Kruse.

Von Mischa Karth

Märkische Allgemeine vom 27. September 2014

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