Dem Holzwurm wird zu Leibe gerückt - Einwohner spendeten

Wagenitzer Dorfkirche gasdicht eingepackt

30 bis 40 Mal im Jahr hilft die Firma Groli Eigentümern, dem Holzwurm den Gar aus zu machen. Auch in der Wagenitzer Kirche sind Bänke, Empore und die Kanzel, die Treppen im Turm und das Dachgebälk befallen. Jetzt haben die Vorbereitungen für die Holzwurmbekämpfung begonnen.

Bevor die Folie über das Kirchenschiff gezogen werden konnte, musste das Gebäude eingerüstet werden.
Quelle: Andreas Kaatz

Wagenitz. Irgendwie sieht das Wagenitzer Gotteshaus jetzt etwas anders aus als sonst. Dach und Fassade des Kirchenschiffes sind plötzlich weiß. Ursache ist aber nicht etwa ein vorzeitiger Wintereinbruch. Vielmehr sorgen Folien für diesen Wandel, die sorgfältig miteinander verklebt worden sind. Alles Vorbereitungen, um den Holzwürmern im Inneren der Kirche zu Leibe zu rücken. Denn der Nagekäfer hat dort schon erhebliche Schäden angerichtet.

Mitarbeiter der Dresdner Firma Groli packten deshalb die Kirche ab Montag luftdicht ein, bevor sie gestern ein spezielles Gas gegen Schädlinge in den Innenraum leiteten. Bis Freitag soll es dafür sorgen, dass alle Holzteile frei sind von den unangenehmen Bewohnern. Befallen sind laut Gutachten unter anderem Bänke, Empore und die Kanzel, die Treppen im Turm und das Dachgebälk.

Initiiert wurde die Holzwurmbekämpfung vom Förderverein Dorfkirche Wagenitz. Vorsitzende Sabine Heinrich ist froh, dass es mehr als zwei Jahre nach Vereinsgründung endlich mit Aktionen zum Erhalt der Kirche losgehen konnte. „Wir haben große Unterstützung aus dem Dorf erhalten, um die nötigen 28.000 Euro zusammenzubekommen“, sagt sie. So gab es viele Spenden – beispielsweise die Kollekte von einer goldenen Hochzeit sowie von einer Beerdigung, aber auch der Erlös aus Weihnachtsmärkten. Zudem kam Geld von der Sparkassenstiftung und der Stiftung Maßwerk. „Ich habe mindestens 150 Bettelbriefe verfasst“, so Sabine Heinrich über den schwierigen Weg.

30 bis 40 Mal im Jahr hilft die Firma Groli Eigentümern, den Holz zerstörenden Insekten den Gar aus zu machen. Manchmal wird das Gebäude dazu komplett eingepackt, was an das Werk des Verpackungskünstlers Christo erinnert. Manchmal aber verhüllt die gasdichte Folie das Gebäude auch nur teilweise wie in Wagenitz. Der Turm bleibt frei, wird nur von innen abgedichtet, wie Marco Müller, einer der Geschäftsführer, sagt. Die gewählte Variante hänge davon ab, wo genau der Befall ist.

Bis Freitag begleitet ein Mitarbeiter die Aktion vor Ort. „Der Kollege misst regelmäßig die Gaskonzentration und leitet gebenenfalls noch mehr Gas ein“, sagt Müller. Ab Freitagmittag wird die Kirche ausgiebig gelüftet, anschließend kommen die Folien wieder ab.

Kirchen-Förderverein

Der Förderverein Dorfkirche Wagenitz wurde Anfang 2012 gegründet. Damals gehörten ihm sieben Mitglieder an, heute sind es 13.
Mit einem mittelalterlichen Gottesdienst soll der Abschluss der Schädlingsbekämpfung gefeiert werden. Dieser findet am Sonnabend, dem 27. September, ab 14 Uhr statt. Gespielt wird unter anderem mittelalterliche Musik.
Wer den Förderverein weiterhin unterstützen möchte, kann sich dazu an die Vorsitzende Sabine Heinrich wenden, die unter (033237) 85841 erreichbar ist. ak

In Vorbereitung der Schädlingsaktion hatte der Förderverein aus der Kirche alles herausgeräumt, was nicht aus Holz ist wie Polster-stühle, Geschirr oder Tischdecken. Außerdem wurde das bekannte Motivgemälde so eingewickelt, so dass es vom Gas nicht beschädigt werden kann. Damit sich die ganze Sache richtig lohnt, konnte jedermann gegen eine Spende holzwurmbefallenes Mobiliar in das Kirchenschiff stellen.

Die Holzwurmbekämpfung ist zwar der dringendste, aber auch nur der erste Schritt auf dem Weg zur Kirchenrettung. „Als nächstes muss die Trockenlegung erfolgen“, sagt Sabine Heinrich. Zudem ist der Putz an der Turmfassade zu erneuern, sind Risse zu beseitigen und Fenster aufzuarbeiten. Auch die Restauratoren haben noch viel zu tun. „Alles zusammen kostet rund 245.000 Euro“, sagt die Vereinsvorsitzende.

Von Andreas Kaatz

Märkische Allgemeine vom 17. September 2014

   Zur Artikelübersicht