Multifunktionshaus aus der Zeit des Alten Fritz

Nadja Voigt

Wuschewier (MOZ) Mit einem Festgottesdienst haben der Förderverein Schul- und Bethaus Wuschewier sowie zahlreiche Partner am Sonntag die Festwoche zum 250. Jubiläum des Gotteshauses eröffnet. In seinem Festvortrag würdigte Oderlandmuseumsdirektor Reinhard Schmook das Schul- und Bethaus Wuschewier als einen der wenigen noch bewahrten Schul- und Kirchenbauten aus friderizianischer Zeit. Mit seiner ablesbar gebliebenen einstigen Doppelnutzung repräsentiere es den Typ eines Funktionsgebäudes, das hier im 18. und 19. Jahrhundert häufig anzutreffen war und von dem es heute nur noch wenige erhaltene Beispiele gibt. Er erinnerte an den Johanniter-Herrenmeister Markgraf Carl von Brandenburg-Sonnenburg, der am 22. Januar 1757 den Befehl zum Aufbau des Dorfes Wuschewier gab. "Dort wurden insgesamt 68 Kolonisten angesiedelt. Sie hatten es viel schwerer als diejenigen in der königlichen Kolonie Neutrebbin. Ihre Hofstellen mussten sie selbst beräumen und auch die Häuser selbst aufbauen."

Dankeschön an der Kaffeetafel. Der Förderverein des Schul- und Bethauses konnte zahlreiche Gäste begrüßen. Darunter auch viele Förderer des denkmalgeschützten Kirchleins.
© Simone Winkler

Schmook bezeichnete die 1873 begonnene Schulchronik als hervorragende Quelle zum Alltagsleben im Wuschewier des 19. Jahrhundert und benannte Stationen der Historie: "Das Gotteshaus wurde nur sieben Jahre nach der Ortsgründung fertig gestellt. 1947 richtete das Oderhochwasser am Schul- und Bethaus schwere Schäden an. 1958 musste die schadhafte Rohrdeckung erneuert werden. Gleichzeitig wurden die Emporenbrüstungen neben der Orgel durch Brettbaluster, ähnlich wie über dem Altar, ersetzt. Auch die 1850 von Georg Mickley in Freienwalde gebaute Orgel wurde 1959 von dem Cottbuser Orgelbauer Reinhold Klenke repariert. Zur Vermeidung größerer Schäden renovierten Gemeindeglieder 1975 die Außenhülle und das Rohrdach. 1982 erneuerten Fachleute das Dach und den Außenanstrich. 1987/88 wurde der weggesackte Turm gehoben und instand gesetzt. In den 1990er Jahren befand sich das Gebäude erneut in einem schlechten baulichen Zustand." Schmook würdigte die Arbeit des 1995 gegründeten "Fördervereins Schul- und Bethaus Wuschewier", der die Sanierung des Gebäudes und seiner Orgel erreichte.

Am Mittwoch wird die Festwoche um 14 Uhr mit dem "Grünen Klassenzimmer" fortgesetzt. Um 19 Uhr beginnt ein Fachvortrags zum Denkmalschutz.

Märkische Onlinezeitung vom 09. September 2014

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