Schiefe Ruine wird zum Juwel

Jörg Kühl

Klein Muckrow (MOZ) Das Klein Muckrower Gotteshaus ist vom Förderkreis Alte Dorfkirchen Berlin-Brandenburg zur Dorfkirche des Monats gegekürt worden. Ein Förderverein vor Ort kümmert sich seit sechs Jahren um die Fachwerkimmobilie.

Einziges Zeugnis aus dem Barock: Eberhard Grünberg zeigt einen Leuchter aus dem Jahr 1778.
© MOZ/Jörg Kühl

Der Fachwerkkirche in Klein Muckrow sieht man nicht mehr an, dass sie vor zwei Jahren kurz vor dem Einsturz stand. Damals war das Kirchenschiff nach Südosten rund 30 Zentimeter tief abgekippt, sodass man schon von außen sah, dass etwas nicht stimmte. Inzwischen ist viel passiert mit der Immobilie, die im Jahr 1777 an der Stelle eines Vorgängerbaus errichtet wurde: Die gesamte Holzkonstruktion wurde mit Hydraulikzylindern angehoben und auf neuen Fundamenten wieder im Lot abgesetzt. Die Gefache wurden erneuert, das Dach neu eingedeckt. Ein moderner Vorbau bildet nun den Eingangsbereich. Die ganze Kirche wurde innen und außen gemalert, die Empore nach dem Vorbild eines Fotos aus dem Jahr 1930 rekonstruiert.

Die Sanierung maßgeblich vorangetrieben hat der Förderverein Dorfkirche Klein Muckrow mit ihrem Vorsitzenden Eberhard Grünberg. Gegründet wurde der Verein 2008 und hat seitdem viel Geld für die Sanierung des Gotteshauses gesammelt und aquiriert. Insgesamt 305 000 Euro sind bisher zusammengekommen. Der größte Anteil ist eine Finanzspritze aus dem Topf zur Förderung der Ländlichen Entwicklung (ILE) in Höhe von 190 000 Euro. Kirchenkreis, Kirchengemeinde, Landeskirche und der Förderverein haben rund 105 000 Euro beigesteuert.

Nicht in Zahlen zu fassen ist das Engagement der Mitglieder des Fördervereins und der handwerklich begabten Bürger von Klein Muckrow. Wie Grünberg mitteilt, haben die Einwohner die baufällige Kirche entkernt, den Fußboden aus Ziegelsteine angefertigt, die Granitplatten im Vorbau verlegt, dort auch die Decke eingezogen, die Kirchenbänke geschliffen und anschließend gemalert und viele andere Tätigkeiten mehr.

Nach der kompletten Sanierung der Hülle und der teilweise erfolgten Wiedereinrichtung des Innenraums stehen noch wichtige Arbeiten aus, die Grünberg mit besonderem Stolz ankündigt: Der Altar wird als schwebende Konstruktion aus Korrosionsträgerstahl ausgeführt. Die Materialwahl sei eine Reminiszenz an den Dorfschmied Heinz Appelt, der im Zuge der Teilinstandsetzung der Kirche 1964 wichtige Gestaltungselemente des Innenraums aus Stahl ausgeführt hatte. An der Ostseite der Kirche ist das Feldstein- Fundament des alten Altars freigelegt worden. Dieses soll künftig unter einer Glasplatte sichtbar gemacht werden.

Die Glaselemente der mittleren Kirchentüre wird mit den Motiven der biblischen Erzählung vom Sämann aus Markus IV geschmückt. Der Sämann soll auch das zentrale Bildmotiv des Altars werden. Als Architekt konnte Uwe Mücklausch aus Berlin gewonnen werden. Er hat auch den in moderner Form gehaltenen Vorbau gezeichnet.

Nun hat der Förderkreis Alte Dorfkirchen Berlin-Brandenburg die Klein Muckrower Kirche zur Dorfkirche des Monats September bestimmt. Wie der Geschäftsführer Bernd Janowski erläutert, sei das Engagement der Bürger, insbesondere des Fördervereins, und die ambitionierte architektonisch-künstlerische Gestaltung für die Wahl ausschlaggebend gewesen. Der Förderkreis unterstütze die Gestaltung der Glastüre finanziell, kündigt Janowski an.

Neben der Wahl des Klein Muckrower Gotteshauses zur Dorfkirche des Monats wird es eine weitere Anerkennung geben: Am 14. September wird in Klein Muckrow der Auftakt zum Tag des offenen Denkmals durchgeführt. Damit Besucher einen Eindruck des künftigen Altars erhalten können, will Grünberg mit Bürgern ab kommender Woche ein Altarmodell anfertigen.

Märkische Onlinezeitung vom 03. September 2014

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