Der Turm glänzt, im Hermsdorfer Kirchenschiff bröckelt es

Geldsammlung für Innensanierung des Gotteshauses

HERMSDORF Ende Oktober jährt es sich bereits zum zweiten Mal, dass der wiederaufgebaute Hermsdorfer Kirchturm eingeweiht wurde. Das Bauwerk, dessen Vorgänger vor gut einem Vierteljahrhundert wegen massiver Schäden abgebrochen werden musste, glänzt noch immer wie am ersten Tag.

Die Ortrander Heimatfreunde unter Führung von Reinhard Kißro (2. v. l.) besichtigten die Hermsdorfer Kirche. Mit dabei waren auch Reinhard Noack (2. v. r., vorn) und Christine Bergmann (3. v. l.) vom örtlichen Kirchbauverein.
Foto: T. Richter/trt1

Ganz anders sieht es im Kirchenschiff aus. Lange und kurze Risse durchziehen die Decke. Hier und da bröckelt es von den Wänden, und in den Holzbänken frisst der Wurm.

"Wir wollen endlich das Kircheninnere sanieren", erzählt Reinhard Noack, Vorsitzender des örtlichen Kirchbauvereins, den 15 Gästen vom Ortrander Heimatverein, die das Bauwerk anlässlich des ersten Tages der Oberlausitz besuchen. Unter anderem seien Putz- und Malerarbeiten vonnöten, ebenso die Sanierung der beiden Logen. Noack veranschlagt dafür eine Summe von mindestens 150 000 Euro. 20 000 Euro habe bereits die eigene Kirchgemeinde Hermsdorf-Lipsa-Zeisholz gesammelt. Darüber hinaus hofft der gebürtige Essener, dass es nach der Landtagswahl entsprechende Förderprogramme geben könnte, von denen die Oberlausitzer profitieren.

Allerdings seien in der Summe die Arbeiten an Orgel und Altar noch nicht inbegriffen. Das Instrument eigne sich geradeso für den Sonntagsgottesdienst, nicht aber für Konzerte. Es müsse neu gestimmt werden. Und der Altar sei vor langer Zeit mit Farbe gestrichen worden, sodass vorhandene Motive verschwanden. Zudem sei auch der über dem Altar einstmals vorhandene Sternenhimmel mit weißer Farbe übertüncht worden.

Doch tatenlos waren die Mitglieder des Kirchbauvereins auch im laufenden Jahr nicht. Stolz präsentiert Reinhard Noack mehrere gereinigte Grabsteine, darunter drei Exemplare der Familie von Gersdorff, die bereits im Mittelalter viel in die Kirchen der Region investierte. "Schön wäre es natürlich, wenn es uns gelänge, auch die Inschrift wieder deutlich lesbar zu gestalten", sagt Noack. Um weiteres Geld für die bevorstehenden Arbeiten zu akquirieren, finde anlässlich des Tages des offenen Denkmals am 14. September ein Konzert mit dem Ruhlander Männergesangsvereins 1846 statt.

Reinhard Kißro vom Ortrander Heimatverein "1912" hat anlässlich des Besuchs gleich eine kleine Spende mitgebracht. Und mannigfaltige persönliche Erinnerungen an das Hermsdorfer Gotteshaus. So habe vor nunmehr 30 Jahren die "Forschungsgemeinschaft" zwischen ihm und dem Ortrander Naturwissenschaftler Dr. Dietrich Hanspach begonnen. Erstes Projekt seien die Jannowitzer Kunstwiesen, fast in Sichtweite des Hermsdorfer Kirchturms, gewesen. Zudem weiß Kißro von einem kleinen Loch in der Wand des Kirchenschiffs zu berichten, das heute nicht mehr existiert. Durch dieses soll in früherer Zeit ein Draht geführt worden sein, an dessen Ende ein Glöckchen angebracht war. Falls jemand von den in der Kirche aufgebahrten Verstorbenen doch noch leben sollte, hatte dieser die Möglichkeit, mit einem Läuten auf sich aufmerksam zu machen.

Die Hermsdorfer Kirche wurde im Mittelalter errichtet. Ihr heutiges Aussehen stammt vorwiegend aus dem 17. Jahrhundert. 1987 wurde der baufällige Turm abgerissen und 2012 wieder aufgebaut.

Torsten Richter/trt1

Lausitzer Rundschau vom 23. August 2014

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