Turm der Buskower Kirche muss für Sanierung völlig zerlegt werden

Zerfressen bis ins Mauerwerk

Der Pilz hat ganze Arbeit geleistet. Frank Fischer vom Ingenieurbüro für Baustatik und Sanierungsplanung in Hoppegarten hat schon einige historische Bauten gesehen, die heruntergekommen waren. Doch die Kirche von Buskow ist selbst für den erfahrenen Bauingenieur eine Ausnahme.

Hausschwamm hat die Balken des Fachwerks völlig zerfressen. Von manchen Teilen der Holzkonstruktion existieren nicht einmal mehr Reste.
Quelle: Peter Geisler

Buskow. "Das sind hier wirklich sehr starke Schäden", sagt Denkmalfachmann Frank Fischer. "Dass man einen Turm regelrecht in seine Einzelteile zerlegen muss, das kommt nicht so oft vor." In Buskow ist es die einzige Möglichkeit, den Turm der mittelalterlichen Feldsteinkirche zu retten.

Dass der Turm überhaupt noch steht, grenzt an ein Wunder

Dass es um ihre Kirche nicht gut steht, wissen die Buskower schon lange. Seit Jahren versucht die Gemeinde, den markanten Bau mitten im Dorf zu sanieren. Doch nie war genug Geld da. Jetzt endlich hat es wenigstens für einen ersten Bauabschnitt gereicht - für den Turm. Der ist am stärksten beschädigt.

"Man hatte schon vor Jahren fast den Eindruck, dass er sich leicht zur Seite neigt", erinnert sich Pfarrerin Ute Feuerstack. Wie schlimm es um den Kirchturm wirklich steht, war erst zu sehen, als die Bauarbeiter loslegten. Hausschwamm hat den tragenden Teilen des Kirchturms nicht nur zugesetzt. Der Pilz hatte selbst dicke Balken völlig zerfressen. "Einige Teile des Holzes waren überhaupt nicht mehr da", sagt Ute Feuerstack. Manchmal war nur noch am verfärbten Mauerwerk zu erkennen, wo sich einmal Holzbalken befunden haben. Dass das Dach des Kirchturms nicht längst zusammengebrochen ist, grenzt an ein Wunder.

Kirchenschiff stammt aus dem 13. Jahrhundert

Die Buskower Kirche stammt aus dem späten Mittelalter. Vermutlich wurde das Kirchenschiff in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gebaut. Der Turm ist längst nicht so alt. Er stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde später mehrfach saniert und erneuert.

Auf den ersten Blick scheint er massiv gemauert. Doch das täuscht, weiß Frank Fischer: "Das ist eigentlich eine Fachwerkkonstruktion." Die wesentlichen Teile bestehen aus Holz, vor die später eine Wand aus Steinen gesetzt wurde. Das Mauerwerk hält noch, die Balken dazwischen sind völlig marode.

Der Hausschwamm ernährt sich von Holz, sitzt aber auch im Mauerwerk

Für die Sanierung mussten die Baufirmen den Turm regelrecht auseinandernehmen. Das Dach wurde in einem Stück per Kran von der Turmkrone gehoben. Inzwischen steht die Spitze schon Monate neben dem Kirchenschiff. Im Turm mussten Fachleute das Mauerwerk teilweise abtragen. Der Hausschwamm ernährt sich zwar von Holz. Doch selbst wenn die zerstörten Balken entfernt werden, sitzt der aggressive Pilz noch im Mauerwerk und würde neue Balken wieder befallen. Es wäre nur eine Frage der Zeit, bis auch die zerfressen sind.

Ein chemischer Zusatz im Mörtel und eine Imprägnierung des Mauerwerks sollen verhindern, dass sich der Schwamm nach der Sanierung erneut ausbreitet.

Das Dach des Turmes ist bereits rundum saniert. Die angefressenen Balken wurden durch neue ersetzt und die Schindeln aus Schiefer ebenfalls erneuert. Zurzeit sind die Bauleute dabei, die Fachwerkkonstruktion des Turmes neu aufzubauen. Sobald das geschafft ist, kann das Dach wieder per Kran aufgesetzt werden. Dann wird der Turm verputzt. Denn bei genaueren Untersuchungen hatten Restauratoren Reste von altem Putz und von Farbe entdeckt, die einst das Ziegelmauerwerk bedeckt haben müssen.

Geld für Arbeiten aus vielen Töpfen

Das Geld für alle diese Arbeiten kommt aus vielen Töpfen: von der Landeskirche, vom Kirchenkreis, aus der Kirchengemeinde Protzen-Wustrau-Radensleben, von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Aber auch das Land ist beteiligt. Über den sogenannten Staatskirchenvertrag unterstützt es wichtige Sanierungsvorhaben. Längst nicht alle Gemeinden können davon profitieren. Ute Feuerstack ist deshalb froh, dass das Buskower Haus in dieses Programm aufgenommen wurde. Ohne dieses Geld wäre aus der Sanierung wohl nichts geworden. Genauso froh ist die Pfarrerin aber auch, dass sich die Stadt Neuruppin über ihre Soziale Stiftung an der Sanierung beteiligt. "Das ist ein wichtiges Zeichen", sagt Ute Feuerstack: "Die Kirchen sind Kulturgüter, die uns alle betreffen."

Bis zum Jahresende soll der Turm fertig saniert sein. Eigentlich müsste es dann gleich weitergehen. Auch das Dach des Kirchenschiffs und die Fassade müssen dringend saniert werden. Das würde noch einmal wenigstens eine halbe Million Euro kosten, schätzt Frank Fischer. "Ohne viele Unterstützer kann die Kirchengemeinde das nicht stemmen."

Von Reyk Grunow

Märkische Allgemeine vom 22. August 2014

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