Klein Muckrower Kirche wird zum Kleinod

Gotteshaus bei Lieberose dem Verfall entrissen / Besonderheit: Altar aus Stahl wird stilvoll nachempfunden

KLEIN MUCKROW Wo sich Wolf und Elch gute Nacht sagen das könnte durchaus in Klein Muckrow sein. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass es in dem Dorf östlich von Lieberose keine Gemeinschaft gäbe. Der Beweis wird mit einer fast unmöglichen Kirchensanierung erbracht.

Von außen sieht die Klein Muckrower Kirche frisch und neu aus. Innen ist noch viel zu tun.
Foto: I. Schirling

Von außen wirkt das Gotteshaus in Klein Muckrow so gut wie fertig. Doch im Inneren sieht es anders aus. Die Fundamente der Grundmauern liegen frei, der Fußboden aus roten Ziegelsteinen ist zu drei Vierteln fertig. Wo der Altar einmal "schweben" wird, deuten grobe Steine das historische Vorgänger-Gebäude an. Es riecht intensiv nach Farbe. Bis zum Sommerkonzert am 23. August bleibt noch einiges zu tun.

Doch der Reihe nach. Erbaut wurde die kleine Fachwerkkirche im Jahr 1777. Aus dieser Zeit stammen noch genau zwei barocke Leuchter, die in dem runderneuerten Gebäude wieder Einzug halten sollen. Knapp zweihundert Jahre später schritten Dorfschmied und Pfarrer zu einer dringend notwendigen Sanierung. Ergebnis: Dorfschmied Appelt stellte 1964 Altartisch, Kreuz, Standleuchter und Lesepult in einer einfachen Stahlausführung her. Doch 44 Jahre später stand die Kirche vor dem Abriss, hätten Eberhard Grünberg und seine vielen Helfer aus dem Dorf nicht eingegriffen. Das Gebäude war an einer Seite abgesackt, die Holzbalken zeigten tiefe Risse.

Doch die Klein Muckrower gaben nicht auf. Im August 2008 gründete Grünberg einen Förderverein, dem bald der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Oder-Spree Bedeutung und Unterstützung gab. An seinem 70. Geburtstag bat Grünberg um Spenden für die Kirche statt um Blumen, Sparkassen-Chef Friedrich Hesse tat es ihm wenig später zum 60. nach. Insgesamt kamen 5500 Euro zusammen. Der finanzielle Grundstock war gelegt.

Über das ILE-Programm wurden 190 000 Euro Fördermittel bewilligt. Die Kirchengemeinde Lieberose, der Förderverein, der Kirchenkreis und die Landeskirche legten weitere 100 000 Euro als Landesmittel dazu. Mit knapp 300 000 Euro begann im August 2012 die Sanierung Schritt für Schritt und Fachung für Fachung, unter strengster Aufsicht der Denkmalbehörde. Mit ihrem Einverständnis kam ein moderner Vorbau dazu.

Nun geht es an die Innengestaltung. Die aktuelle Renovierung nutzt die Vorlage von 1964, um der Kirche ein zeitgemäßes, geschmackvolles Innenleben zu geben, ohne die Tradition zu vernachlässigen. Architekt und Künstler Uwe Mücklausch aus Berlin, in der Region von anderen Projekten bekannt, entwarf Ideen auf der Basis der eigenwilligen Stahl-Altargestaltung durch den Dorfschmied und auf Grundlage des "Sämanns" aus Markus IV. Die zweiflüglige Kirchentür soll drei der vier Elemente dieses Gleichnisses enthalten wenn die Saat in die Dornbüsche fällt, auf felsigen Boden oder von Vögeln gefressen wird. Das vierte Element, wenn die Saat auf fruchtbaren Boden fällt und aufgeht, soll zentrales Bild des Altars werden. Er entsteht in einer schwebenden Stufenausführung in Cortenstahl. Das ist eine sehr robuste Edelrost-Variante. Unter der Altarplatte mit ihren Maßen von rund 1,80 mal drei Metern wird das Fundament des historischen Vorgänger-Gebäudes noch zu sehen sein, abgedeckt mit Glas. Darüber wird ein ebenso schwerelos erscheinendes Lesepult errichtet. Die Wand dahinter ziert eine Sonne als Symbol für den Sämann.

Dass all dies bis zum Sommerkonzert am 23. August fertig sein wird, erscheint eher unwahrscheinlich. Doch die Klein Muckrower treffen sich fast jeden Abend in der Kirche, um Hand anzulegen vom Fußboden bis zu den Fenstern. Vom Engagement im Dorf vom Förderverein bis zur Eigenleistung ist Eberhard Grünberg als Organisator nach wie vor begeistert: "Es gibt viele Bürger, die mitmachen und zur Verfügung stehen, wenn man sie braucht."

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Das fünfte Sommerkonzert in Klein Muckrow beginnt am 23. August um 14.30 Uhr. Zu dem Benefizkonzert werden rund 120 bis 150 Gäste erwartet. Der Erlös wird in die weitere Innensanierung der Kirche gesteckt. Zunächst wartet eine Kaffeetafel auf die Besucher. Ab 16 Uhr sind der Männerchor Beeskow, der kleine Männerchor Fürstenberg/Oder und das Blechbläserquintett Brandenburg zu hören.

Ingvil Schirling

Lausitzer Rundschau vom 08. August 2014

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