Trebitzer investieren in den Erhalt ihres Gotteshauses

In Eigenregie zum neuen Dach

Zeit, Geld und Energie investieren die Trebitzer demnächst in den Erhalt ihrer Kirche. Gemeinsam wollen sie das Dach des Gotteshauses neu decken. Schon vor drei Jahren hatte die Dorfgemeinschaft einen Teil der Friedhofsmauer saniert. Ziel ist es, das letzte Gemeinschaftszentrum des Ortes zu erhalten.

Beate Fuhrmann (l.) und Margrid Brilka möchten, dass das Kirchendach so schön wird wie die Friedhofsmauer.
Quelle: S. Specht

Brück. "Achtung, Steinschlag!" heißt es demnächst rund um die Trebitzer Kirche. Der ganze Ort wird versammelt sein, um das Dach des Gotteshauses gemeinsam abzudecken. Mit einem Rundbrief werden dafür mutige Männer gesucht, die am Baugerüst ganz nach oben klettern und die mehr als 40 Jahre alten Doppelrömer nach unten werfen. Anschließend werden von der Firma Beuster aus Cammer die Planen angebracht und die neuen Biberschwänze befestigt. Rund 65.000 Euro kostet das Ganze.

Die Trebitzer sind traditionell kreativ, wenn es um den Erhalt ihres Gotteshauses geht. Vor drei Jahren war das ganze Dorf auf den Beinen, um rund 50 Meter Friedhofsmauer zu erneuern. „Die war eingestürzt und musste schnell wieder aufgerichtet werden“, erinnert sich Margrid Brilka vom Gemeindekirchenrat. Besonders knifflig: Zum Wiederaufbau durften nur Steine eines ganz besonderen Formats verwendet werden. „Darum sind wir überall umhergefahren und haben nach Steinen im Reichsformat gesucht“, berichtet Margrid Brilka. Fünf Wochenenden arbeiteten die Trebitzer damals durch.

"Das letzte vorhandene Gemeinschaftszentrum"

Vor einem Jahr machten sie sich gemeinsam an die Erschaffung einer Gemeinschafts-Urnenanlage. Nun steht das große Kirchendach auf dem Programm. Doch warum investieren die Trebitzer so viel Zeit, Geld und Energie in den Erhalt ihrer Kirche? „Wir haben keinen Kindergarten, keine Post und keinen Konsum mehr. Die Kirche ist das letzte vorhandene Gemeinschaftszentrum. Darum engagieren wir uns so sehr“, erklärt Beate Fuhrmann, ebenfalls Mitglied im Gemeindekirchenrat. Wie sehr die Trebitzer an ihrer Kirche hängen, zeigt ein Blick in die Spenden-kasse. Mehr als 5000 Euro haben die 180 Einwohner des Ortes selbst gegeben. Dazu kommen bereits vorhandene Eigenmittel, ein zinsloses Darlehen von der Kirche, sowie Zuschüsse der Denkmalbehörde des Landkreises und von der Bank für Kirche und Diakonie. Die Jugend-, Kultur-, Sport- und Sozialstiftung der Mittelbrandenburgischen Sparkasse unterstützte das Projekt ebenfalls mit einer Spende. „Beim Erhalt ihrer Kirche engagieren sich die Trebitzer unabhängig von der Glaubensrichtung. Man arbeitet zusammen und feiert anschließend zusammen. Das schweißt den ganzen Ort zusammen“, sagt Andreas Schulz, Vorstandsvorsitzender der Sparkassenstiftung.

Wenn das Dach auf ihrem Gotteshaus fertig ist, haben Beate Fuhrmann und Margrid Brilka schon die nächsten Pläne. Gemeinsam mit Pfarrer Helmut Kautz und den anderen Mitgliedern des Gemeindekirchenrates sind sie bereits dabei, Ideen für eine komplette Sanierung des Gebäudes zu entwerfen. „Das wird schwierig, aber vielleicht schaffen wir es“, blickt Beate Fuhrmann nach vorne. Ihr Ziel ist es, die originale Schuke-Orgel in der Kirche zu erhalten. Die ist zwar momentan defekt, soll aber eines Tages wieder erklingen. „Doch das macht nur Sinn, wenn die Kirche Schutz vor Wind, Regen und Schnee bietet“, sagt Margrid Brilka. „Daran arbeiten wir.“

Von Stefan Specht

Märkische Allgemeine vom 06. August 2014

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