Heilandskapelle in neuem Glanz

Jörg Kotterba

Frankfurt (MOZ) Die Heilandskapelle am Klingetaler Eichenweg - 1915/16 von meist russischen Kriegsgefangenen erbaut - wird nach fast einjähriger Restaurierung am Sonntag, 10 Uhr, mit einem Festgottesdienst wiedereröffnet. Anschließend wird in den Kirchgarten zu Speis' und Trank eingeladen.

Die letzten Pinselstriche: Malermeister Andreas Herrendorf (vorn) und Restaurator Bernhard Klemm haben in der Heilandskapelle ganze Arbeit geleistet.
© Winfried Mausolf

Letzte Pinselstriche durch Malermeister Andreas Herrendorf und Restaurator Bernhard Klemm. Kurz danach kommt die 18-köpfige Putzkolonne, angeführt von Rüdiger Hund-Göschel, Chef des Fördervereins. Die Heilandskapelle in der Heimkehrsiedlung - mehrheitlich von russischen Kriegsgefangenen des Ersten Weltkriegs 1915/16 aus skandinavischer Fichte in traditioneller Blockbauweise und mit reichem Schnitzwerk errichtet - bekommt den allerletzten Schliff. Fast ein Jahr lang wurden Dach und Kirchensaal von Fachfirmen aus Frankfurt und der Region aufwändig saniert. "Dank Verbündeter, Spendengelder, Stiftungen, Lottomittel und mit Hilfe der evangelischen Kirchengemeinde kamen fast 300 000 Euro für diese Arbeiten zusammen - eine gewaltige Summe für unseren Verein, der nicht einmal 50 Mitglieder zählt", berichtet Hund-Göschel am Dienstag stolz.

Die Russische Kirche am Eichenweg hatte durch den Zweiten Weltkrieg und in vier Jahrzehnten DDR sehr gelitten und wurde damals nur notdürftig repariert. Doch seit 2001 kümmert sich der Förderverein um die Sanierung der Kirche und um die Reparatur der Glocken. Die spätgotische wurde im Jahre 1481, die kleinere Barockglocke 1605 gegossen. Sie wie auch der Kirchenturm sind inzwischen saniert.

Mit der Einrichtung einer Heimatstube, in der die Geschichte des Gefangenenlagers und der Siedlung dargestellt ist, schufen die "Siedler" einen neuen Anziehungspunkt für Besucher. Historische Hefte wurden herausgegeben. Seit mehreren Jahren gibt es die Veranstaltungsreihe "Sommer in der Heilandskapelle" mit Konzerten, Lesungen und Theateraufführungen. Sie sind mittlerweile fester Bestandteil der Frankfurter Kulturszene.

Der Förderverein hat jetzt, in Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde, Sonntag, 10 Uhr, zum Festgottesdienst zur Wiedereröffnung der Heilandskapelle eingeladen. Anschließend wird im Kirchgarten für ein Mittagsimbiss und für Kaffee und Kuchen gesorgt.

Der Festtag beginnt aber schon um 9 Uhr mit einer ökumenischen Andacht mit Totengedenken auf dem ehemaligen Friedhof des Kriegsgefangenenlagers Erster Weltkrieg, kurz Russenfriedhof genannt. Das Waldstück befindet sich zwischen Heimkehrsiedlung und SMC. Dort liegen neben den Gebeinen von 537 Soldaten der Zaren-Armee auch jene mitkämpfender Serben, eines Amerikaners und mehrerer Briten.

Trotz des verkürzten "Sommer in der Heilandskapelle" wird es bis Ende September noch sechs dieser Kult-Veranstaltungen mit Konzerten und Vorträgen geben.

Mehr Infos im Internet: www.heilandskapelle-ffo.de

Märkische Onlinezeitung vom 31. Juli 2014

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