Leuchtende Spiralen in Pinnows Kirche

Heike Weißapfel

Borgsdorf (MZV) Ob obstiges Stillleben oder einzelne Rose, blinkende Planeten, eine dynamische Spirale oder Fantasielandschaften unter weitem Himmelsdach - eines haben Kerstin Lassahns Gemälde stets gemeinsam: Sie leuchten vor Farbe.

Fantasie mit Farben: Die Sonne geht über einer kahlen Ebene auf. Frei schwebende begrünte Inseln im Raum mit Bananen, Äpfeln und Birmen als Untergrund sorgen für Nahrung. Kringel winden sich um Kugeln und eine imaginäre Mitte.
© MZV

Als picklig-grauer Untergrund sind die tristen Längswände im Pinnower Gotteshaus gut geeignet, die farbstarken Bilder der Berliner Hobbymalerin umso mehr strahlen zu lassen. Auf Ölmalerei hat sich Kerstin Lassahn spezialisiert, weil die langsam trocknende Farbe Zeit für Änderungen (und Abschweifungen zu anderen Bildern) lässt -und eben wegen dieser tiefen Farbigkeit.

"Was Buntes, Fröhliches ist meine Art", sagt Kerstin Lassahn denn auch lachend. Landschaften wechseln mit kubistischem Stil, Figürliches mit flächig-bunten Strukturen. Kontraste entstehen aber genauso in den Bildern mit bewusst geringer Farbenauswahl. Die klare Form spricht den Betrachter direkt an: Wellen, Strudel und Kreise scheinen in dauernder Bewegung zu sein, klötzchenhaft schweben Planeten in einem gar nicht nur schwarzen Raum. Ein Gemälde mit luftigen Seifenblasen vor hellblauem Hintergrund ist als Symbol von Freiheit und Leichtigkeit ihr Lieblingsbild, und unter all den leuchtenden Farben ist das Türkis das Schönste, wie sich an einigen Bildern auch deutlich zeigt. Inspirieren lässt sie sich von ihrer Umgebung. "Ich sehe was, und dann habe ich das Bild im Kopf." Das kann dann schon mal ganz anders als naturalistisch aussehen.

Kerstin Lassahn hat die Malerei schon als Kind für sich entdeckt. "Früher habe ich mit Bleistift oder Kohle gezeichnet. An die Ölfarben habe ich mich aber erst in den letzten Jahren herangetraut", sagt die 49-jährige Buchhalterin.

Etwa 40 Besucher haben sich am Sonntag zur Vernissage in der angenehm kühlen Kirche eingefunden. Klaus Sokol, Vorsitzender des Fördervereins der Pinnower Kirche und Organisator der Kultursonntage, hat die Spandauerin Kerstin Lassahn für diese Ausstellung gewonnen, weil er ihren Vater noch aus Musiker-Studientagen kennt. Auch andere Studienkollegen sind an diesem Sonntag mit dabei. Musikalisch begleitet wird der Nachmittag aber von jungen Musikern, die sich dem Jazz ihrer Vorväter wie der Neuzeit verschrieben haben. "Jazztonic" sind aus einer Schülerband an der Martin-Buber-Oberschule entstanden, einer der Gitarristen ist Kerstin Lassahns Sohn.

Bossa- und Jazzklänge von Klarinette, Gitarren sowie einem provisorischen, aber stilvollen Schlagzeugersatz zaubern einen lauschigen Nachmittag unter das vor der Hitze schützende Kirchendach. Bei Leonard Cohens "Hallelujah", dem einzigen Stück mit Gesang, darf jeder den Refrain mitsingen, der sich traut. Nach einer guten halben Stunde ist aber Schluss. "Das ist nun mal heute kein Konzert, sondern eine Vernissage", erklärt Klaus Sokol den Gästen, die es wohl noch eine gute Weile in den Kirchenbänken ausgehalten hätten. Dafür darf die Hobbymalerin nach Motiven und Werdegang befragt werden. "Auf weitere Werke sind wir gespannt", sagt Klaus Sokol und meint damit sowohl die Malerin als auch die Musiker.

Die Pinnower Kirche ist an den Wochenenden von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Die Bilder, die gekauft werden können, sind bis zum Ende der Kultursonntage-Saison am 21. September zu sehen.

Märkische Onlinezeitung vom 22. Juli 2014

   Zur Artikelübersicht