Dorfkirche mit Rätseln

Olav Schröder

Die Figuren entstammen wahrscheinlich unterschiedlichen Epochen, wie Klaus Ulrich vom Förderverein Dorfkirche Schwanebeck erläutert.
© MOZ/Sergej Scheibe

Schwanebeck (MOZ) Das einzige Gebäude, das in Schwanebeck unter Denkmalschutz steht, ist die Dorfkirche. Nicht nur Schmuckstücke wie ein holzgeschnitzter Flügelalter kann in dem Gotteshaus bewundert werden. Es gibt auch Rätsel auf, wie zum Beispiel hebräische Inschriften an der Rückseite des Altars.

Um 1240 ist die Kirche - damals ohne Turm - als massiver Feldsteinbau errichtet worden. Schon Verwendung von komplett behauenen Feldsteinen ist etwas Besonderes, berichtet Klaus Ulrich, Vorsitzender des Fördervereins: "So wurde nur in einem Zeitraum von 80 bis 100 Jahren gebaut." Über viele Jahrhunderte gab es lediglich einen Holzturm. Erst 1889 wurde ein massiver Turm errichtet, der allerdings nicht mit dem Gotteshaus verzahnt wurde, um Rissbildungen zu vermeiden.

Etliche Sanierungsarbeiten wurden seit 1992 durchgeführt. Dazu gehören wiederholt Arbeiten zur Trockenlegung der Kirche sowie die Sanierung der Kirchhofsmauer, des Kirchturms und von Fenstern im Kirchenschiff, Putz- und Malerarbeiten. Dachstuhl und Dach erfordern jetzt ein Eingreifen: Das Gebälk stammt zum Teil noch aus dem 14. Jahrhundert, sagt Klaus Ulrich.

In den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden das morsche Kirchengestühl und die Kanzel entfernt. Der Schwane-becker Schmied August Mettler fertigte damals neue Sitzbänke an, so wie auch das Ziffernblatt der Uhr von ihm stammt. Eine Kanzel konnte bis heute nicht aufgestellt werden. Er würde gern wieder eine haben, sagt Ulrich und hält nach historischen Sammlerstücken Ausschuss.

Beim Ersatz der ausgedienten Orgel hatte die Kirchengemeinde erst vor zwei Jahren Erfolg. Aus der Nachbargemeinde Berlin-Weißensee hatte sie ein gebrauchtes Werk erhalten und verfügt nunmehr wieder über ein konzertfähiges Instrument. Die Veranstaltung von Konzerten unterschiedlichen Zuschnitts gehört zu den Aufgaben, die der Förderverein wahrnimmt. Für die alte Orgel wird noch ein Abnehmer gesucht.

Überhaupt gibt es in der Kirche noch viel zu entdecken. An den Wänden sind an einigen wenigen Stellen Teile von Wandfriesen zu entdecken. Klaus Ulrich vermutet, dass unter Farbe und Putz weitaus größere Friese erhalten geblieben sind.

Die denkmalgerechte Restaurierung des Flügelaltars wurde 2013 abgeschlossen. "Die Figuren stammen wahrscheinlich aus drei Epochen", sagt Klaus Ulrich. "Das ist an den unterschiedlichen Kopfformen zu erkennen." Werden die Flügel des Altars geschlossen, erscheinen naive Bilder der Evangelisten Lukas und Markus.

Rästel geben drei hebräische Inschriften auf der Rückseite des Altars auf. "Wir wissen weder von wem noch wann und aus welchem Anlass diese Schriften angebracht wurden", sagt Klaus Ulrich. Übersetzt wurden die Bibelstellen von einer Mitarbeiterin des Jüdischen Museums in Berlin. "Gott ist eine Macht und mein Schild" wird beispielsweise ein Psalm zitiert. Und an anderer Stelle heißt es: "Stellen sich deine Worte ein, so verschlang ich sie, Gott Zebaoth." Hebräische Schriftzeichen werden auch in den erhabenen Abschnitten unter einem verputzten weißen Mauerbogen vermutet.

Auch ein Epitaph an der Innenwand der Kirche gibt Rätsel auf. Die Grabinschrift nennt den 1693 gestorbenen Pfarrer Johannes Henrici. Wo er aber tatsächlich beigesetzt wurde, ist unbekannt.

Bekannt ist dagegen, dass im Jahr 1732 "heimliche Lutheraner", also Protestanten auf der Flucht, von Salzburg nach Ostpreußen durch Schwanebeck zogen, wie der Prediger J.M.Wilken 1731 berichtete. Am 30. Juni und am 5. Juli hätten insgesamt 1300 Protestanten, die in ihrer Heimat "Päbstische ceremonien" nur äußerlich eingehalten hatten, Schwanebeck passiert.

Märkische Oderzeitung vom 29. Juni 2014

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