Zimmerer saugen giftigen Staub ab

Steffen Göttmann

Neuenhagen (MOZ) Nur noch wenige verkohlte Balken erinnern an den schweren Brand im Februar 2013 in der Neuenhagener Kirche. Die Werneuchener Firma Telleis tauscht derzeit das Holz nach und nach aus.

Volle Schutzausrüstung; Thomas Telleis (l.) und Chris Wingert saugen durch giftiges Holschutzmittel kontaminierten Staub aus dem Dachstuhl der Neuenhagener Kirche.
© MOZ

Der Wiederaufbau der Neuenhagener Kirche nach dem Brand schreitet allmählich voran. Für die Architektin Barbara Anders aus Croustillier stellt diese Arbeit eine besondere Herausforderung dar. Nicht nur aus planerischer Sicht, sondern weil ständig Abstimmungen zwischen der Denkmalschutzbehörde, dem kirchlichen Bauamt und der evangelischen Kirchengemeinde erforderlich sind. Barbara Anders arbeitet als freie Mitarbeiterin beim Berliner Architekturbüro Heinrich Rauschning, das in Eberswalde das Gropius-Krankenhaus saniert hatte.

Zimmerermeister Thomas Telleis, Inhaber der gleichnamigen Zimmerei in Werneuchen, ein eingetragener Innungsbetrieb, und sein Mitarbeiter Chris Wingert saugen derzeit kontaminierten Staub aus dem Dachstuhl des Kirchenschiffs. Beide tragen blaue Schutzanzüge und Atemschutzmasken mit zwei großen Filtern und sehen daher aus wie Astronauten. Das Problem sei, dass das Feuer, das sich von der Winterkirche aus ins Dach gefressen hatte, einen tragenden Dachbalken so schwer beschädigt hat, dass er ausgewechselt werden müsse. Die Dachbalken seien zu DDR-Zeiten, vermutlich in den 1970er-Jahren, mit einem hochgiftigen Holzschutzmittel mit dem Wirkstoff DDT behandelt worden, sagte Barbara Anders.

Dazu müsse die Schüttung des Dachbodens und die Teerpappe darunter entfernt werden. "Dies war nur mit der extremen Schutzausrüstung möglich", sagte Thomas Telleis. Nach dem Absaugen des losen Staubes werden die Balken mit einem Maskierungsmittel gestrichen, das den Staub bindet, "sodass wir danach ganz normal arbeiten können", erläuterte Thomas Telleis.

Der betroffene Dachbodenbereich ist mit Staubschutzwänden vom anderen Dachboden abgeschottet. Die Schutzmaßnahmen gelten nur für den Arbeitsbereich. Da der Dachstuhl nicht öffentlich zugänglich ist, sei keine weitere Dekontaminierung erforderlich, so die Architektin. Aufgrund der aufwendigen Arbeiten werden die Zimmerer sechs bis acht Wochen im Gotteshaus arbeiten. Noch ist unklar, wie mit den Wandornamenten im Kirchenschiff umgegangen wird. Sie wurden entdeckt, als bei Reinigungsarbeiten nach dem Brand die oberste Farbschicht entfernt wurde. Vermutlich wurden die Wände in den siebziger Jahren überstrichen.

Das Geld von der Versicherung reiche nicht aus, um die Farbgestaltung der Wände wieder herzurichten, weiß Barbara Anders. Sie hoffe, dass die Kirche Ende des Jahres fertig wird, will sich aber wegen der vielen Unwägbarkeiten nicht festlegen lassen. Derzeit ist das Kirchenschiff von Gerüsten zugestellt, dass die völlig verkohlte Decke mit Blech schützt.

Das Feuer war im Februar 2013 auf noch ungeklärt er Ursache in der Winterkirche ausgebrochen. Feuer und Löschwasser richteten hohen Schaden an, auch die Orgel ist unbrauchbar geworden. Weil das Feuer auf den Dachstuhl übergriff, waren die Löscharbeiten als kompliziert.

Märkische Oderzeitung vom 22. Mai 2014

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