Gemeinde feiert Ende der Kirchensanierung

Pessiner Dorfkirche in barockem Glanz

Das barocke Bauwerk gilt als eine der größten und ältesten Kirchen des Havellandes - und jetzt auch als baulich gesichert. Nach fünf Jahren Sanierung ist die Pessiner Dorfkirche am Sonnabend mit einem großen Festakt wiedereröffnet worden.

Volles Haus: Viele Pessiner feierten das vorläufige Ende der Kirchensanierung.
Quelle: Annett Lahn

Pessin. Es gibt Anlässe, da darf man als Pfarrer schon mal in die Pathos-Kiste greifen. Für Michael Jurk war der Sonnabend so einer. "Welch ein Festtag für die Kirche, für die christliche Gemeinde und für die Region", rief er ins Mikrofon, bevor er eine ergreifende Andacht zur Wiedereröffnung der Pessiner Dorfkirche hielt.

Das barocke Bauwerk gilt als eine der größten und ältesten Kirchen des Havellandes - und jetzt auch als baulich gesichert. Daran war vor fünf Jahren kaum zu denken. Die Kirche befand sich damals in bedauernswertem Zustand - und das, obwohl zu Beginn der Neunziger schon die komplexe Dachkonstruktion erneuert worden war. Seither haben die Verantwortlichen viel Arbeit und auch viel Geld in die Bausubstanz gesteckt (siehe Interview).

Sanitäranlagen und Orgel fehlen

Um am Sonnabend die Rettung des Gebäudes gebührend zu zelebrieren, hatte die Pessinerin Iris Ahrens mit Musikern des Rundfunksinfonieorchesters Berlin ein festliches Konzertprogramm einstudiert. Mit einer Ouvertüre von Georg Philipp Telemann, großen Konzertstücken von Francesco Geminiani und von Wolfgang Amadeus Mozart geriet das Fest zum zweistündigen Hochgenuss für Ohren und Augen. Unter betörenden Klängen fielen die Blicke der Besucher in der vollen Kirche auf das von Engeln umrandete Bredowsche Wappen. Angesichts der weißen Barockfiguren wurde deutlich, was in mühevoller Arbeit erreicht wurde.

Alle Redner würdigten schließlich die Arbeit der engagierten Spendensammler und fanden stets besondere Worte des Lobes für den Vereinsvorsitzenden Andreas Flender, der von Beginn an den langwierigen Prozess dirigiert hatte. So sagte Friesacks Amtsdirektor Christian Pust: "Sie haben die Kirche im Dorf gelassen. Ich zolle ihnen meinen Respekt, Sie haben große Arbeit geleistet."

Gabriele Metzner, die Frau des ehemaligen Pfarrers verwies darauf, dass Mitte der Neunzigerjahre viele Kirchen vor dem Aus standen. Sie bezeichnete es als "Wunder, dass die Kirche wieder von innen und außen strahlt." Pfarrer Andreas Buchholz, stellvertretender Superintendent des Kirchenkreises Nauen/Rathenow überreichte als Geschenk einen großen Keramik-Kelch. Er riet dazu den Krug mit Wein zu füllen, wenn Kirchenkreis, Gemeinde und Denkmalschutz mal nicht einer Meinung sind. Und Pessins Bürgermeister Christian Mayer tat seine Zukunftsvision kund: "In zwei Jahren können sich die Radtouristen hier die Hände waschen und gehen an der neuen Orgel vorbei auf die Toilette." Damit verwies er darauf, dass Sanitäranlagen sowie eine passende Orgel noch fehlen - und dass weiter gespendet werden kann.

INTERVIEW: ,Wir haben so viel gemacht'

Andreas Flender ist Vorsitzender des Fördervereins Dorfkirche Pessin und hat die Sanierung von Beginn an begleitet.

MAZ: Vor fünf Jahren war die Pessiner Kirche ungemein baufällig. Wo fängt man da an?

Andreas Flender: Wir haben so viel gemacht! Begonnen wurde an der schwammverseuchten Nordseite. Dann haben wir das Gestühl und eine Emporentreppe ausgebaut. Dann kam die Fassade an die Reihe. Das Kirchenschiff musste verputzt werden. Wir haben die alte barocke Form wiederhergestellt und durften schließlich, nach 20 Jahren vergeblicher Mühen, auch Dachrinnen anbringen. Am Kirchturm wurde auch viel getan, dann waren die Fenster mit 700 Einzelscheiben, darunter Barockoriginale, dran ...

Und innen?

Flender: Die Decke hat einen neuen Putzaufbau bekommen und wurde wieder mit Putten und dem Bredowschen Wappen verziert. Der Kanzelaltar erhielt hölzerne Aufbauten. Einige Skulpturen mussten neu geschnitzt werden.

Sie sammeln immer noch weiter Spenden. Wofür?

Flender: Der Altar ist noch in Bearbeitung. Bänke und Holzemporen brauchen noch einen Farbanstrich. An den Arkadenbögen fehlen noch die Trauben. Dort wurden mittelalterliche Malereien gefunden, die noch freigelegt werden müssen. Und die fehlende Orgel lässt uns auch keine Ruhe. Zudem gibt es weder Toilette noch Küche. Auch die Winterkirche muss isoliert werden. Der Kirchturm bietet eine herrliche Aussicht, ist aber nicht begehbar.

Interview: Annett Lahn

Märkische Allgemeine vom 18. Mai 2014

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