Arbeiten an Heilandskapelle gehen voran

Wiebke Stelzer

Dach nahe am Original von 1928: Dachdecker Sebastian Schalau beim Aufnageln der neuen Holzschindeln. Auf der anderen Seite der Heilandskapelle sind die Arbeiten bereits abgeschlossen.
© MOZ/Wiebke Stelzer

Frankfurt (MOZ) Seit September wird die Heilandskapelle im Klingetal saniert. Durch die strengen Auflagen zum Denkmalschutz kam es seitdem immer wieder zu Verzögerungen. Doch nun gehen die Bauarbeiten in großen Schritten voran. Anfang August soll das neue Kirchenschiff fertig sein.

Heute vor einem Jahr war der Zustand der 1915/16 errichteten Holzkirche besorgniserregend. Mit der Zeit hat die Witterung dem Gebäude sehr zugesetzt. "Die Schäden waren sogar schlimmer als erwartet", berichtet Rüdiger Hund-Göschel, Vorsitzender des vor zwölf Jahren gegründeten Fördervereins der Heilandskapelle, der die Sanierung initiiert hatte. Tragende Balken waren marode und zum Teil von Schwamm befallen.

Um das alte Kirchenschiff wieder zu stabilisieren, wurden im Innenraum erst einmal die umlaufenden Balken, auch Rähme genannt, erneuert. Auch die Stützbalken wurden ausgetauscht. Wesentlich aufwendiger und zeitintensiver sind die künstlerischen Feinarbeiten. Bei einer denkmalschutzgerechten Sanierung muss das Ergebnis dem Originalzustand so ähnlich wie möglich sein. Eines dieser Details ist das rot-braune geschwungene Muster, mit dem die Stützbalken im Innenraum verziert sind.

Nahe am Original soll nun auch das Dach wieder werden. 1928 erhielt die Kirche ein Holzschindeldach. In den 70er-Jahren wurde es durch Pappschindeln ersetzt. Nun hat die Kapelle bald wieder Schindeln aus Lärchenholz. Auf der einen Seite sind die Dachdecker schon fertig, die andere Seite ist zur Hälfte gedeckt. Außerdem fehlt noch der Dachfirst, die oberste Linie eines Gebäudes. Die Schindeln sind zwischen sechs und 18 Zentimeter breit, 40 Zentimeter lang und in der Mitte einen Zentimeter dick. "Oben und unten sind die Schindeln etwas dünner, da sie sich überlappen", erklärt Dachdecker Sven Rüdiger. Mit seinem Kollegen Sebastian Schalau arbeitet er sich flächenweise von unten nach oben in Richtung First.

Seit sechs Wochen ist die Firma Haase damit beschäftigt. Vorher musste das alte Dach Schritt für Schritt abgerissen werden. Noch sind die Holzschindeln, die mit je zwei Nägeln an der Lattung befestigt werden, ganz hell. "In ein bis zwei Jahren werden sie aber genauso dunkel sein wie der Turm", sagt Rüdiger Hund-Göschel. Anfang Juni sollen die Arbeiten am Dach beendet sein. Dann kann die Konstruktion bis zu 50 Jahre halten. Von der Restaurierung ausgeklammert ist das Dach über dem Altar, der als Anbau aus dem Gebäude herausragt. In einigen Jahren soll aber auch dieser Gebäudeteil saniert werden.

280 000 Euro soll die Restaurierung des Kirchenschiffs insgesamt kosten. Die Gelder kommen zum Teil von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Stiftung KiBa und der Landeskirche. 24 000 Euro steuert der Förderverein der Kirche bei. Das Geld ist bei den vielen Kulturveranstaltungen zusammen gekommen, bei denen Musiker ohne Gage auftreten.

Wegen der Bauarbeiten gibt es in diesem Jahr nur einen verkürzten "Sommer in der Heilandskapelle" - so der Titel einer beliebten Kulturserie, die von Eberhard Stoll, Musiker im Brandenburgischen Staatsorchester, organisiert wird. 970 Euro Spendengelder flossen schon in die Kollekte. 500 Euro kamen durch Kirchen-Führungen und in die von Rolf Haak und Karl-Heinz Krüger gestaltete Heimatstube hinzu. Alle sind Bewohner der Heimkehrsiedlung, in der die Kapelle mit einem geschnitzten Altar, den hölzernen Relieffiguren der zwölf Apostel und zahlreichen Drachenfiguren optischer Mittelpunkt ist.

Im Ersten Weltkrieg, der von 1914 bis 1918 dauerte, wurde auf diesem Gebiet ein Kriegsgefangenenlager errichtet. Zeitweise waren dort 23 000 Soldaten gefangen, die meisten kamen aus Russland.

Märkische Oderzeitung vom 16. Mai 2014

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