Lukasgemeinde feiert 100. Geburtstag in ihrer Niederlehmer Kirche

Ein Turm zum Jubiläum

Die Lukaskirchengemeinde feiert ihren 100. Geburtstag ab dem Wochenende mit einer Festwoche. Im Mittelpunkt steht die bewegte Geschichte der Gemeinde. Der Pfarrer hat sich aber auch vorgenommen, die Mitglieder näher zusammen zu bringen. Außerdem wird eine lange Arbeit beendet.

„Mir liegt am Herzen, dass sich die Gemeindeteile als Ganzes verstehen.“ Gottfried Hülsen, Pfarrer der Gemeinde zu sehen vor der Lukaskirche.
 
Diese Innenaufnahme entstand um 1928 und ist erst kürzlich mit den Tagebüchern des ersten Niederlehmer Pfarrers wieder aufgetaucht

Niederlehme. Ein Sturm riss die alte Holzkirche von Niederlehme im Jahr 1693 hinfort und mehr als 200 Jahre lang pilgerten die Einwohner nun über den Kirchsteig zur Kreuzkirche nach Königs Wusterhausen. Vor genau 100 Jahren aber, am Palmsonntag 1914, konnten die Niederlehmer wieder ein eigenes Gotteshaus weihen – dieses Jubiläum feiert die evangelische Lukaskirchengemeinde ab kommenden Samstag mit einer ganzen Festwoche.

Pfarrer Gottfried Hülsen will dabei vor allem die etwa 1000-köpfige Gemeinde zusammenführen, die über Niederlehme, Senzig und Zernsdorf verteilt ist. „Mir liegt am Herzen, dass sich die Gemeindeteile als Ganzes verstehen“, sagt Hülsen, der dort seit 2008 Pfarrer ist.

Tatsächlich stand die Frage des Zusammenhalts bereits ganz am Anfang der Gemeinde. Die beiden erst 25-jährigen Gemeindekirchenräte und Vorsitzenden des Fördervereins der Kirche, Maximilian Schirrmacher und Alexander Güttler, haben zum Jubiläum recherchiert und die Tagebücher des ersten Pfarrers, Hans Rehfeldt, von dessen Enkel erhalten. Trotz des neuen Baus mit Elementen des Jugendstils und des Neobarocks von Baurat Otto Hetzel, der von einer Industriellenwitwe gestiftet wurde, und obwohl 2100 von 2300 Einwohnern Niederlehmes 1914 in der evangelischen Gemeinde waren, hatte Rehfeldt es nicht leicht. Viele Arbeiter im Ort waren keine überzeugten Kirchgänger. „Man hätte statt der Kirche aus diesen Steinen lieber eine Brücke über die Dahme nach Wildau gebaut“, sagten gehässige Zungen damals, wie in den Tagebüchern Rehfeldts nachzulesen ist.

Höhepunkte der Festwoche

Zu Beginn der Feiern wird bei einem Gottesdienst mit Posaunenchor am Sonnabend um 14 Uhr das Turmkreuz auf die Spitze gesetzt.
Zu einem „Gesprächskonzert“ mit Erläuterungen und Auszügen aus Mendelssohn-Bartholdys „Elias“ lädt der Zeuthener Kantatenchor für den kommenden Montag, 19.30 Uhr, ein.
Einen Bildvortrag durch 100 Jahre Gemeindegeschichte halten die Vorsitzenden des Fördervereins, Maximilian Schirrmacher und Alexander Gütter, am 21. Mai um 19 Uhr.
Stücke aus Barock, Klassik und moderner Folklore spielt das Wildauer Zupforchester am 22. Mai ab 19 Uhr.
Ein Festgottesdienst am Sonntag, dem 25. Mai, ab 15 Uhr mit der Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein und eine Nachfeier auf der Pfarrwiese beenden die Festwoche.

Güttler und Schirrmacher werden die Anfänge der Gemeinde bis in die Gegenwart in einem bebilderten Vortrag am kommenden Mittwoch vorstellen und dabei auch ganz neue Ansichten präsentieren, welche Pfarrer Rehfeldt in den 1920er Jahren fertigen ließ. Sie möchten auch die nichtreligiösen Bürger des Ortes für den Bau begeistern und gründeten 2007 den Förderverein, der in den vergangenen Jahren zumindest die Turmsanierung stemmen konnte. Am Sonnabend wird mit dem Aufsetzen des Kreuzes dieser Abschnitt vollendet. Mehr als 300.000 Euro benötigten sie für die vollständige Sanierung, die mit dem Dach beginnen und irgendwann bei der spätromantischen Dinse-Orgel enden soll. So sind die Festkonzerte und der bebilderte Vortrag für Besucher kostenfrei – doch es wird um Spenden gebeten.

Von Peter Degener

Märkische Allgemeine vom 15. Mai 2014

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