Der erste Kirchenförderverein rund um den Beetzsee feiert Jubiläum

Lünows Optimisten werden 20 Jahre alt

Rainer Gerhardt (75) dem das kleine Gotteshaus in Lünow seine Rettung zu verdanken hat, sitzt zufrieden auf einer Kirchenbank. Seine Augen sind auf den Altar gerichtet. Seit ein paar Tagen versperrt der über 400 Jahre alte Taufstein nicht mehr den Blick auf den Chorschluss. Er wurde restauriert und um zwei Meter zur Seite versetzt.

Vereinsvorsitzender Rainer Gerhardt vor der sanierten Kirche in Lünow.
Quelle: F. Bürstenbinder

Lünow. Immer wenn den Lünowern die Stunde schlägt, ist das Geläut bis auf die andere Seite des Beetzsees zu hören. „Wir haben Dankesbriefe von dort erhalten, weil der Glockenklang die Herzen der Menschen berührt“, erinnert sich Rainer Gerhardt (75).

Der Vorsitzende des Kulturfördervereins, dem das kleine Gotteshaus seine Rettung zu verdanken hat, sitzt zufrieden auf einer Kirchenbank. Seine Augen sind auf den Altar gerichtet. Seit ein paar Tagen versperrt der über 400 Jahre alte Taufstein nicht mehr den Blick auf den Chorschluss. Er wurde restauriert und um zwei Meter zur Seite versetzt – die jüngste Aktion des Fördervereins, der sein 20-jähriges Bestehen feiert.

Ein politisches Amt habe er als zugezogener Berliner nie angestrebt. Aber er sei froh, dass er dennoch etwas für die Gemeinde tun kann, meint Gerhardt. Der pensionierte Gesamtschuldirektor gehörte 1994 zu den 15 Gründungsmitgliedern, die sich zum kompliziert klingenden „Verein zur Förderung der Wiederherstellung und Unterhaltung der Dorfkirche zu Lünow“ zusammentaten.

Gerhardt wurde erster Vorsitzender einer Gruppe unverbesserlicher Optimisten. Übrigens der Ersten rund um den Beetzsee. Die Amtskirche hatte das wegen Baufälligkeit gesperrte Gemäuer bereits abgeschrieben. Die Vorstellungskraft reichte nicht, um einem Verein die Rettung der Kirche zuzutrauen. „Wir haben bewiesen, dass es möglich ist“, erinnert sich Gerhardt. Stück für Stück begann die Sanierung unter fachlicher Begleitung des Architekten Manfred Thon. Geld wurde eingesammelt, Sponsoren gesucht, Förderanträge auf den Weg gebracht, auch die damals noch eigenständige Kommune beteiligte sich. Baugerüste verhinderten weder Trauungen noch Taufen. Erste Konzerte fanden statt. Die Lünower restaurierten nicht nur, sondern nahmen ihre Kirche langsam wieder in Besitz. Nach Turm, Dach und Fenster wurde mit dem Innenraum ein vierter Bauabschnitt beendet. Erntedank 1998 läuteten endlich die Glocken wieder. Seither steht Lünow beispielgebend für andere Dorfkirchen, die von engagierten Bürgern dem drohenden Verfall entrissen wurden. Eine bewegte Zeit, an die Vereinsvorsitzender Gerhardt heute in seiner Festrede erinnern wird. Mit der glücklichen Sanierung und dem Bau der Dorfbegegnungsstätte wandelte sich der Kirchenförderverein zum Kulturförderverein. Für Gerhardt eine folgerichtige Entwicklung: „Wir widmen uns neuen Aufgaben. Zu einer intakten Kirche gehört ein lebendiges Dorf.“

Von Frank Bürstenbinder

Märkische Allgemeine vom 09. Mai 2014

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