Die Kirche im Dorf gelassen

Ulf Grieger

Wuschewier (MOZ) 510 investive Vorhaben wurden zwischen 2007 und 2013 mit Hilfe der Leader-Förderung in der Region umgesetzt. 68,5 Millionen Euro wurden über die Lokalen Aktionsgruppen Oderland und Märkische Seen bewilligt. Einige Projekte stellt die MOZ vor. Heute: Das Schul- und Bethaus Wuschewier.

Am Schul- und Bethaus Wuschewier: Burkhard Baer, Hannelore Urbat und Pfarrer Arno Leye (von links) freuen sich, dass das 250 Jahre alte Baudenkmal noch immer gut genutzt und besucht wird. Erst kürzlich gab es dort die Pflanzenbörse. Am 7. September findet um 14 Uhr ein Festgottesdienst statt
© Ulf Grieger

In seinem 250. Jahr erfreut sich das Schul- und Bethaus in Wuschewier eines sehr guten Zustandes. Verantwortlich dafür sind in erster Linie die 14 Mitglieder des Fördervereins mit Pfarrer Arno Leye, Stefanie Wagner, Burkhard Baer und Hannelore Urbat an der Spitze. Vor zwei Jahren konnte der Verein dank der Förderung über die Lokale Aktionsgruppe das bereits in der Vor-Wende-Zeit von Altpfarrer Friedrich Hanke begonnene Rettungsprogramm für das Kirchlein fortsetzen. Für rund 30 000 Euro waren ein Giebel und die Innenfenster restauriert sowie der Anstrich erneuert worden.

Pfarrer Hanke hatte in seiner Vakanzvertretungszeit vor 25 Jahren dafür gesorgt, dass der 1855 errichtete Glockenturm gerettet wurde. "1990 befand sich das Gebäude in einem sehr schlechten Zustand. Gottesdienste wurden zumeist in der kleinen Notkirche abgehalten", erzählt Burkhard Baer, der in Wuschewier aufgewachsen ist und nach der Wende dort Kirchenältester und Bürgermeister war. In dieser Zeit hatten Kirchgemeinde und Kommune eine Nutzungsvereinbarung geschlossen, um auch kulturelle Veranstaltung und Versammlungen in dem Gebäude abzuhalten. Um das möglich zu machen, musste aber die Sanierung erfolgen. Dafür bildete sich 1995 auf Anregung von Bürgermeister Hans Merkel der Förderverein mit Pfarrerin Heidi Enseleit an der Spitze. Baer nennt Heinz Trostmann und Bruno Kutowski als besonders rührige Mitglieder dieser Zeit. Ursula Hinz, eine pensionierte Lehrerin aus Neufahrland, die regelmäßig Besuchergruppen nach Wuschewier geführt hatte, stellte den Kontakt zur Hamburger Hermann Reemtsma-Stiftung her, die 400 000 Mark spendete. Insgesamt hatte die Sanierung bis zur Wiederindienstnahme am 27. September 1997 rund 950 000 Mark gekostet. Als ein Jahr später auch die Orgel wieder in Betrieb genommen werden konnte, gab es häufiger Konzerte und Lesungen, organisiert zumeist von Sabine Ziegler, die dort eine ABM-Stelle hatte. Bis heute kommen Besuchergruppen in das Schul- und Bethaus, von denen es im Oderbruch nur noch wenige, wie in Altlangsow oder Alttrebbin, gibt. Das Wuschewierer ist das einzige mit aktivem Kirchgemeindeleben, sagt Burkhard Baer. Es stellt für viele Wuschewierer, egal ob Alteingesessene oder Zugezogene wie Hannelore Urbat, ein Beharrendes im raschen Wandel der Ereignisse dar, das Sicherheit und Geborgenheit vermittelt, sieht es Pfarrer Arno Leye.

Tatsächlich sind mit diesem Haus viele Geschichten verbunden, die auch in der Schulchronik von 1873 nachzulesen sind. Zu lesen ist vom "Klappbrett" mit dem die Wuschewierer zum Kirchgang gerufen wurden. Von der Zweckentfremdung durch die Rote Armee nach dem Krieg, die daraus Lazarett und Pferdestall gemacht hatten. Und von der schweren Zerstörung durch das Winterhochwasser 1947.

An all das wird in der Festwoche vom 7. bis 13. September erinnert. Der Festgottesdienst findet am 7. September um 14 Uhr statt. Geplant sind Konzerte, Projekttage und vieles mehr.

Märkische Oderzeitung vom 04. Mai 2014

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