Gosener feiern ihr Gotteshaus

Joachim Eggers

Gosen (MOZ) Mit einem Konzert und einem Festgottesdienst feiern die Gosener am Wochenende das 100. Weihejubiläum ihrer Kirche. Damals war zu wenig Platz für die Gläubigen - heute beleben vorwiegend nichtkirchliche Veranstaltungen das Gotteshaus.

"Gosener Gemeindemitglieder waren 850, aber nur 100 Plätze in der Kirche Neu Zittau. Die Kirche Neu Zittau hat für die Gemeindemitglieder in Neu Zittau schon nicht genügend Plätze". So notierte es das königliche Konsistorium der Provinz Brandenburg schon 1896; nachzulesen ist das in der Festschrift zum Kirchenjubiläum. Im Gosener Nachbarort wurde schon 1767 ein Gotteshaus eingeweiht.

In das Anliegen, Gosen eine eigene Kirche zu geben, kam erst 1908 neue Bewegung. Die politische Gemeinde bewilligte 10 000 Mark für einen Kirchen-Neubau. 1910 fielen dann weitere Entscheidungen, am 7. August 1912 wurde feierlich der Grundstein für das neue Gotteshaus gelegt.

Knapp zwei Jahre später, am 26. April 1914, war es dann soweit. Die Gosener Kirche wurde mit einem Festgottesdienst um vier Uhr nachmittags feierlich geweiht. Historische Bilder zeigen eine große Menschenmenge vor dem Gotteshaus. Im Bericht des Lehrers Lochfeld in der Dorfchronik heißt es unter anderem. "Dann vollzog der Herr Generalsuperintendent der Kurmark D. Koehler die Weihe des Gotteshauses und flocht in seine schlichte, aber doch überzeugungskräftige Weihrede die Bitte ein, dass die Kirche doch auch in Zukunft so stark besucht sein möchte, wie an diesem Tage."

Dieser Bitte würden sich die Evangelische Kirchengemeinde und der Förderverein Dorfkirche Gosen sicher auch heute noch vorbehaltlos anschließen, sagt Thomas Schölzchen, der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins. Doch die Dinge haben sich anders entwickelt. Am 31.10.2013 betrug die Gemeindegliederzahl noch 616 Personen.

Unter anderem vor diesem Hintergrund gründete sich 2008 der Förderverein. Zuvor gab es Überlegungen, die soweit gingen, die Kirche aufzugeben, sagt Schölzchen. Doch die rührigen Fördervereinsmitglieder gingen, in enger Abstimung mit der Kirchengemeinde, den entgegengesetzten Weg und bemühten sich mit einigem Erfolg, die Kirche als kulturellen Treffpunkt interessant zu machen - mit Konzerten, Theateraufführungen, Lesungen und anderem mehr. Eintritt wird dabei nie genommen - weil niemand des Geldes wegen von der Teilnahme ausgeschlossen werden soll, aber auch, weil die Erfahrung zeigt, so Schölzchen, dass auf diese Weise mehr Geld hereinkommt.

Das wird auch weiter bitter benötigt. Denn auch wenn schon einiges geschehen ist, stehen große Sanierungsmaßnahmen weiter aus. Die Vorarbeiten, mit denen die Aufgaben genau beschrieben werden, sind geleistet, demnächst soll eine genauere Planung mit Kostenschätzung erstellt werden. Damit sollen Förderanträge gestellt werden. Als erstes soll der Kirchturm in Ordnung gebracht werden.

Märkische Oderzeitung vom 29. April 2014

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