"Jetzt haben wir unsere Legende"

Experten haben Fundstück analysiert / Historische Tür gehört zur Stadt- und Hauptkirche

GUBEN/GUBIN Es ist eine kleine Sensation: Die bei den Aufräumarbeiten in der ehemaligen Stadt- und Hauptkirche in Gubin gefundene Holztür stammt tatsächlich aus der Kirche. Das haben Experten jetzt bestätigt. Darüber informiert Anna Dziadek, Leiterin der Bauhütte "Fara gubinska" (Kirche Gubin).

Anna Dziadek und Bürgerarbeiter Karol-Heinz Bursian freuen sich über das historische Fundstück.
Foto: Silke Halpick

"Daran hatte ich ehrlich gesagt nicht geglaubt", gesteht sie. "Jetzt haben wir unsere Legende", betont Anna Dziadek.

Die ehemalige Stadt- und Hauptkirche ist Ende des Zweiten Weltkrieges vollständig ausgebrannt. Eine Woche lang loderten darin die Flammen. "Dass eine Tür aus Holz so viel Feuer überlebt hat, ist wirklich erstaunlich", betont Dziadek. Im Innern des Gotteshauses herrschten Temperaturen von teilweise bis zu 1200 Grad. "Die Mütter wickelten ihre Kinder damals in nasse Tücher, wenn sie nur an der Kirche vorbei gehen mussten", erzählt auch Günter Quiel, Vorsitzender des Fördervereins zum Wiederaufbau der Kirche.

Mehr als 2500 Tonnen Schutt und Geröll sind in den vergangenen Jahren aus dem Innern der Kirchruine geräumt worden. Bei diesen Arbeiten wurde auch die Holztür gefunden. Die konservatorische Untersuchung bestätigt, dass es sich tatsächlich um ein historisches Fundstück handelt. Es ist allerdings nicht die Tür des Haupteinganges, sondern die eines Seitenportales in der Nähe der Sakristei, so Dziadek.

Für die Restaurierung stehen 4000 Euro bereit. Anschließend soll die Tür wieder an ihren ehemaligen Standort eingebaut werden. "Aus Unterlagen wissen wir, dass auch die Haupttür der Kirche überlebt hat", berichtet Dziadek. Allerdings sei nicht mehr nachvollziehbar, wohin sie in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand. Für die möglichst detailgetreue Sanierung des Gotteshauses sucht der Förderverein historische Fotos. Gubener, die noch alte Bilder mit den Original-Fenstern und -Türen haben, sollten sich im Infozentrum in der Berliner Straße melden.

Bis Ende April soll auch der vollständige Bauantrag zur Sanierung der ehemaligen Kirche beim Denkmalamt in Krosno Odrzanskie (Woiwoidschaft Lubuskie) eingereicht werden. Die Planung hat das deutsch-polnische Architekturbüro Heinle, Wischer und Partner mit Sitz in Berlin und Wroclaw (Breslau) übernommen, das im September 2013 auch den ausgeschriebenen Architekturpreis gewann. Ende Mai wird die Genehmigung erwartet, so Dziadek. Das Dach der Kirche soll mit einem neuartigen, lichtdurchlässigen Material aus der Nanotechnologieschmiede gedeckt werden.

In der Ruine der ehemaligen Stadt- und Hauptkirche wird ein deutsch-polnisches Kulturzentrum entstehen. Mehr als drei Millionen Euro sind bisher investiert worden, davon 1,4 Millionen für die Sanierung des Kirchturmes. Weitere sicherheitstechnische Maßnahmen am Turm sind geplant, damit künftig auch ein Rundgang um den Turmkranz ermöglicht werden kann, so Quiel.

Das traditionelle Benefizkonzert zugunsten des Wiederaufbaus der Stadt- und Hauptkirche findet am heutigen Samstag ab 16 Uhr in der Gubener Klosterkirche statt.

Silke Halpick

Lausitzer Rundschau vom 26. April 2014

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