Ein Bauwerk, das über Jahrhunderte verbindet

Gabriele Rataj

Wegendorf (MOZ) Am Freitag ist an der Wegendorfer Kirche Richtfest gefeiert worden. Damit wurde gewartet, bis auch der Letzte der insgesamt drei Dachstühle - Schiff, Chor und Apsis - aus stabilem Holz wieder hergerichtet war.

Richtkranz vor gedecktem Dach: Nach den Dachstühlen des Kirchenschiffs und des Chores ist nun auch der der Apsis (links, nicht im Bild) an der Wegendorfer Kirche fertig gestellt
© MOZ Gerd Markert

Schlag zwei Uhr am Freitag erklingt die Glocke dreimal - Absicht? Drei freuen sich auch über das gelungene Werk, wenn dem Richtspruch - verlesen von Zimmermann Thomas Schmechel - Glauben geschenkt werden darf: "der Architekt, der Polier und ich".

Anteil an dieser Freude nehmen jedoch viele mehr. Wegendorfer und Altlandsberger Christen, der Förderverein Kirche Wegendorf, der mit seinen Akteuren über konfessionelle Grenzen hinweg die Sanierung des ältesten Bauwerks im Ort kühn ins Auge fasste, Pfarrer Johannes Menard und Bürgermeister Arno Jaeschke.

Die Vertreter der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Märkische Seen, die für dieses schöne Gemeinschaftsvorhaben von Christen und Nichtchristen in der Dorfmitte EU-Geld aus dem Leader-Programm von gut 200 000 Euro nach Wegendorf zur Kirche und zum benachbarten Gemeinschaftstreffpunkt Küsterhaus lenkten.

Und nicht zuletzt Planer und Handwerker, die an dem gut 750 Jahre alten Bau ihr Können bewiesen und noch beweisen.Letztere haben der Freude über den erreichten Stand seit Sommer 2013 den baufachlichen Vorschub geleistet. Davon zeugt der fast vollständig erneuerte Dachstuhl des Kirchenschiffs, von dem nur zwei Teilstücke erhalten werden konnten, weil der alte bereits einsturzgefährdet war, gab Planerin Jana Prüfer vom Hoppegartener Büro ibs Auskunft.

Sie begleitet das zu gut zwei Dritteln geförderte 320 000-Euro-Sanierungsvorhaben. Sie weiß um die hohe Kunst der Zimmerleute von der Müncheberger Baugesellschaft, die in Abstimmung mit den Denkmalschützern die komplizierte Statik sicherten, die erhaltenswerten mit neuen Hölzern auf alte Art verbanden oder die Decke im Kirchenschiff in ursprünglicher Weise sichtbar machten: mit dreizehn Querbalken.

Neben aufwendigen Arbeiten berichtet Jana Prüfer auch von Überraschendem. So, als beim Entfernen der nun überflüssig gewordenen Holz-Deckenstützen im Kirchenraum Hausschwamm an der Empore zutage trat und Teile zusätzlich ausgewechselt werden mussten. Oder als beim Aufmauern der Ziergiebel links und rechts vom Glockenturm die Abmaße alter Ziegel nicht mit bereitgestelltem Altmaterial übereinstimmten. Da mussten Neue in richtigen Abmaßen geordert werden.

Denn viele haben in mehr als 700 Jahren am Gotteshaus gewirkt. Das verbindet mit den heute Agierenden, betont der Pfarrer, bevor das Gebet beginnt.

Und während im Küsterhaus Bauleute Eisbein und Sauerkraut genießen, wird an den letzten Dachflächen schon weiter gewirkt. Nächste Woche wollen die Dachdecker von der Firma Stregel Fürstenwalde die rund 480 Quadratmeter geschafft haben. Dann steht nur noch die Elektrik aus.

Märkische Oderzeitung vom 13. April 2014

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