Pinnows Kirche putzt sich für Kultur

Heike Weißapfel

Borgsdorf (MZV) Zwei der Gipsfiguren fehlen in der Kanzlei. Zwei Leitern stehen bereit. Auf den Stufen des Altars liegen Werkzeuge und Pinsel. Es sieht nach Arbeit aus in der Pinnower Kirche - wie so oft. Zum Wochenende wird aber aufgeräumt. Dann beginnen wieder die Kultursonntage.

Wieder ein Stück restauriert: Diesmal war die Decke an der Reihe. Aber auch die rechte Wand wird inzwischen weiter quadriert und nach und nach ausgemalt. Klaus Sokol ist als Vorsitzender des Fördervereins mit dem Fortgang der Arbeiten zufrieden.
© Heike Weißapfel

Die Kirchenwände haben Jugendliche des Hennigsdorfer Alexander-Puschkin-Gymnasiums mit Bildern geschmückt. "(Kunst!?)-Stücke" nennen sie ihre sehenswerte Schau aus sehr unterschiedlichen Ansätzen. Zeichnungen und Gemälde sind darunter, Collagen sowie Skulpturen und Arrangements.

Aber Klaus Sokol schaut erst einmal zur Decke. Die ist frisch gestrichen und hellt den großen Kirchenraum deutlich auf. "Sumpfweiß", sagt der Vorsitzende des Kirchenfördervereins. Ganz gleichmäßig wirkt die Fläche nicht. Vielleicht haben aber die elf Grad Celsius, die in der Kirche herrschen, die Decke noch nicht vollständig trocknen lassen. Für Ulrich Schneiders Restaurierungsarbeiten an der Kanzel reicht die Temperatur aber aus. Nachdem nun gestrichen wurde, hat er auch die rechte Wand in Angriff genommen und die künftige Quadrierung vorgezeichnet. Nach und nach soll sich die zart-grüne Marmor-Optik im gesamten Kirchenschiff ausbreiten.

Eigene Vereinseinnahmen und Spenden aus der Sparkassen-Stiftung sowie eine Unterstützung der Stadt Hohen Neuendorf in Höhe von 5 000 Euro sorgen dafür, dass die Pinnower Kirche Stück für Stück ihr Aussehen verändert. Einerseits geht eine gewisse Buntheit verloren. Denn die Kanzel soll laut Denkmalpflege einen ähnlichen Beige-Ton erhalten wie das Epitaph von Caspar von Klitzing und der Altar, weil der Originalton eben so war. Licht- und Schattenwirkung müssen dann reichen, um den Apostel-Figuren Tiefe zu verleihen. Andererseits könnten die Holzbalken der Empore eines Tages ihre graue Einheitlichkeit abgeben. Denn darunter hat Ulrich Schneider kleine Stücke freigelegt, die das frühere Muster erkennen lassen. Mittels Schablone ließe es sich auf die Balken neu auftragen.

Ab Sonntag werden wieder viele Besucher in die Kirche kommen. Konzerte, Ausstellungen und eine Lesung hat der Musiker Klaus Sokol für dieses Jahr wieder organisiert und darunter sogar mit den Schwestern Cornelia und Julia Gartemann erneut Mitglieder der Berliner Philharmoniker gewinnen können. Es wird eine musikalische Reise um die Welt mit Annika Krump am Akkordeon geben. Der Borgsdorfer Gemeindekirchenchor ist ebenfalls dabei.

Der erste Kultursonntag wird von musikalischen und künstlerischen Nachwuchstalenten aus der Region gestaltet. "Musikschulen öffnen Kirche" - das Motto des Landesmusikschulverbands hat sich die Jazz- und Popband der Oranienburger Kreismusikschule zu eigen gemacht. Sie umrahmt die Ausstellung der Puschkin-Gymnasiasten.

Deren Werke sind im Kirchenschiff zu sehen, aber auch auf der Empore. An der Wand wird Schulalltag verdeutlicht. "Habt Ihr das nun verstanden, oder nicht?", hofft der junge Lehrer auf dem Bild auf eine Antwort. Denn es sind eben nicht alle aufmerksam. Dort zeigen einige Barbie-Puppenmodels den letzten Schrei aus Papiermode - oder sind es Brautkleider? Die Interpretation bleibt hoffentlich den Betrachtern überlassen.

Vernissage und Konzert finden am Sonntag, 13. April, um 16 Uhr in der Pinnower Kirche statt. Der Eintritt ist frei. Es gibt Kaffee und Kuchen. Spenden für die weitere Restaurierung werden gerne genommen.

Märkische Oderzeitung vom 10. April 2014

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