Wertvoller Fund

Silberschatz im Kirchengebälk

Eigentlich sollte nur der Zustand der Kirche begutachtet werden, als zwischen losen Dielen ein echter Schatz auftauchte. Ein Sensationsfund in der Prenzlauer Sabinenkirche - Experten sind begeistert.

Jürgen Stier steht die Freude über den unvermutet gefunden Schatz noch immer ins Gesicht geschrieben. Auf den Tag genau vor 160 Jahren, am 9. April 1854 hatte ein F. Börger zu seinem eigenen Andenken diesen Kanne gewidmet.
Monika Strehlow

Davon träumt wohl jeder irgendwann einmal: beim Stöbern auf dem Dachboden einen Schatz zu finden. Falko Kargut ist genau das passiert. Nicht zu Hause, sondern in der Prenzlauer Kirche St. Sabinen. Dort fertigt er ein Holzschutzgutachten für den Förderverein an. Als er eine der losen Dielen auf dem Dachboden des Gotteshauses anhob, stutzte er. Was er dann aus dem staubgefüllten Hohlraum zur Kirchendecke hervorholte, versetzte ihn in Staunen: eine silberne Kanne mit der Inschrift „Zum Andenken von Particulier F. Börger Prenzlau 9. April 1854“.

So wie der junge Prenzlauer kam auch Jürgen Stier, Kantor im Ruhestand der Sabinenkirche, anfangs aus dem Staunen nicht mehr heraus. „Das war vor genau 160 Jahren. Wir wissen nicht, wofür die Kanne genutzt wurde. Vielleicht war es eine Abendmahlskanne oder eine Taufkanne? Man kann auch sagen es ist eine ‚vasa sacra‘“, lächelt er. Damit bezeichnen Silberschmiede unter anderem meist aus Edelmetall gefertigte Kannen für den Abendmahlwein oder das Taufwasser.

Wie die Kanne dahin gekommen ist, darüber gibt es nur Vermutungen. Möglicherweise wurde sie zum Kriegsende 1945 verborgen. „Damals haben viele Prenzlauer ihr Eigentum versteckt, bevor sie die Stadt verlassen mussten“, sinniert Jürgen Stier.

Name wirft Fragen auf

Viele Fragen beschäftigen mittlerweile die ganze Kirchengemeinde. Vor allem aber fragen sie sich, wer F. Börger war. Jürgen Theil, Vorsitzender des Uckermärkischen Geschichtsverein zu Prenzlau, sucht in den Bürgerbüchern. Doch wurde er nicht mit Gewissheit fündig. Der Familienname Börger taucht in den Bürgerbüchern der Stadt 1813, 1813 und 1842 mehrfach auf. „Leider nie in Verbindung mit einem Vornamen, der mit F beginnt.“ Im Stadtarchiv fand Evelyne Brauchler einen Hinweis auf einen Lebensmittelhändler Christoph Friedrich Börger. Im Bürgerbuch von 1814 wird er mit einem Alter von 32 Jahren genannt. Das Prenzlauer Adressbuch von 1866 listet in der Neustadt 760/61, einen Rentier Börger auf. „Leider ohne Vornamen“, bedauert die Archivarin. Doch die Adresse in Nachbarschaft der Sabinenkirche, der Pfarrkirche der Neustadt, und der Hinweis auf Rentier erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um dieselbe Person handeln könnte, die die Kanne stiftete. Denn als Rentier wurden damals Leute bezeichnet, die von Mieten, Zuwendungen o. ä. Einkünften lebten. Und „Particulier“ bezeichnet, so die Deutsche Enzyklopädie im Internet, im Französischen eine wohlhabende private Person, die vom Eigentum oder dessen Erträgen leben kann.

Nordkurier vom 08. April 2014

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