In Radewege rücken die Schädlingsbekämpfer an

Holzwürmer fressen Kirche auf

Das Radeweger Gotteshaus steht kommende Woche für die Rettung aller Erbstücke, die vom Nagekäfer befallen sind, offen. In der Kirche macht sich nämlich gerade der Holzwurm über die wertvollen Einbauten her. Eine Spezialfirma soll nun dagegen vorgehen. Vom 7. bis 10. April haben auch Interessierte die Möglichkeit ihre Möbel zum "Entwurmen" zu bringen.

Da ist der Wurm drin: Gerda Arndt zeigt auf eine Rückenlehne. Das Kirchengestühl wird den Radewegern regelrecht weggefressen.
Quelle: J. Steiner

Radewege. Was haben Omas angenagte Kommode, die wurmstichige Standuhr und ein bröckelnder Schaukelstuhl in einer Kirche zu suchen? Das Radeweger Gotteshaus ist kommende Woche die Rettung für alle Erbstücke, die vom Gemeinen Nagekäfer befallen sind. Anobium punctatum, der wegen seiner nimmersatten Larven Holzwurm genannt wird, macht sich nämlich gerade über die wertvollen Einbauten her.

"Wir müssen handeln, sonst ist alles verloren", erklärt Gerda Arndt vom Gemeindekirchenrat den Ernst der Lage. Deshalb rückt eine Spezialfirma an, um die letztmalig 1895 großteils restaurierte Dorfkirche auszuräuchern. Das passiert vom 7. bis zum 10. April. Weil die Schädlingsbekämpfer der Groli GmbH aus Dresden einmal bei der Arbeit sind, macht die Kirchengemeinde Privatleuten ein einmaliges Angebot. Sie können befallene Einzelstücke einfach dazu stellen. "Im Gegenzug wären wir für eine kleine Spende dankbar", sagt Gemeindekirchenratsvorsitzender Dietrich Schwalbe. Interessenten sollten sich aber bald melden, denn die Radeweger besitzen keine Kathedrale.

Was der Holzwurm in der Kirche anrichtet, sieht selbst der Laie. Gerda Arndt zeigt auf Fraßgänge im Gestühl. Die Larven beißen sich durch die Renaissance-Kanzel und schrecken selbst vor der Orgel, der Opus 1 des berühmten Orgelbaumeisters Alexander Schuke, nicht zurück. Diese hatte der Förderverein "Kirchdach" 2004 für viel Geld restaurieren und auf die Empore zurücksetzen lassen. Überall im verbauten Holz hinterlassen die Larven ihre Spuren, die an dem herausquellenden Holzmehl zu erkennen sind. Nur ein neuzeitlicher Kerzenständer aus Eiche, der seinen Platz neben dem Altar hat, blieb bislang verschont. Frei von Holzwürmern ist auch der Dachstuhl, dessen Hölzer immerhin aus dem 15. Jahrhundert stammen.

In Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde werden die Schädlingsbekämpfer die Radeweger Kirche luftdicht verschließen und zwar von innen. Eine aufwändige Verhüllung des Gebäudes von außen ist nicht nötig. Wenn die letzte Spalte verschlossen ist, wird die Fachfirma mit der Begasung des Innenraums beginnen. Zum Einsatz kommt Sulfuryldifluorid. Hinter dem chemischen Namen verbirgt sich ein farb- und geruchloses Gas, das sich seit über 50 Jahren bei der Bekämpfung von Holzschädlingen bewährt hat.

Die historische Ausstattung der Kirche nimmt von der Aktion keinen Schaden. Das Mittel hinterlässt keine giftigen Oberflächenrückstände. Das Gas kommt auch bei einer parallel stattfindenen Schädlingsbekämpfung in der Göttiner Kirche zum Einsatz. Spätestens zu den Osterfestlichkeiten ist das derzeit geschlossene Radeweger Gotteshaus wieder für die Öffentlichkeit nutzbar.

Von Frank Bürstenbinder

Märkische Allgemeine vom 02. April 2014

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