Stütze für das Kirchengewölbe

Inga Dreyer

Wriezen (MOZ) Kaum ist das Dach der Apsis vollständig bedeckt, geht es bei der Wriezener Marienkirche mit großen Schritten weiter. Beim nächsten Bauabschnitt werden das Dach des Gemeindesaals gestützt, Risse geflickt und ein großer Mauerbogen im Innenhof der Kirche eingezogen.

Sperriges Bauteil: Sven Schumann von der Firma Reiwand und Lobenstein zieht das Stahlelement über eine Seilwinde nach oben. Frank Weicht nimmt es entgegen.
© MOZ/Inga Dreyer

Ein scharrendes Geräusch ist im Gemeindesaal der Wriezener Marienkirche zu hören. Es kommt von oben, aus dem Inneren der Gewölbedecke. Kein Tier und auch kein Gespenst haben sich dort eingenistet. Stattdessen tummeln sich Mitarbeiter der Firma Reiwand und Lobenstein im Hohlraum zwischen Gewölbe und Dach. Aus Einzelteilen stecken sie dort einen Stahlträger zusammen, der das Gewicht des Daches abfangen soll. Momentan drücke es auf die Gewölbedecke, erzählt Friedhelm Zapf, der die Sanierung für die Kirche organisiert.

Was für Folgen der Druck des Daches hat, ist unschwer zu erkennen. Die hell gestrichene Decke des Gemeindesaals durchzieht ein großer dunkler Riss. Auch an den Außenmauern zeigen sich breite Öffnungen.

Der Stahlträger soll das Gewicht des Daches künftig auf die Außenmauern verteilen. Sobald er montiert ist, werden die Risse mit Spezialbeton verfüllt. Verpresst, wie es in der Fachsprache heißt.

An einer Seilwinde am Gerüst um den Chorraum ziehen die Arbeiter ein mehrere Meter langes Trägerelement hoch. Frank Weicht steht oben und versucht, es zu erwischen. "Meine Arme sind zu kurz", ruft er. Schließlich glückt es. Kolonnenführer Marcel Rettberg wartet am Fenster oberhalb des Gewölbes . Dort schieben sie den Träger hinein.

Maximal zwei Wochen soll es dauern, bis die Risse verpresst sind und der Kirchenraum wieder nutzbar ist, erzählt Friedhelm Zapf. Solange zieht die Gemeinde in die hinteren Räume, die Winterkirche.

Der Bauabschnitt hat sich damit aber noch nicht erledigt. In der kommenden Woche wird das Gerüst aus dem Innenraum des Chores in die Mitte des Kirchenschiffes versetzt. Denn dort wird ein sogenannter Jochbogen eingezogen. Er soll quer über den Innenhof führen und die beiden gegenüberliegenden Wände stützen. Denn diese neigen sich immer weiter nach innen.

Das Chordach, die Sanierung und der Jochbogen kosten zusammen etwa 252000 Euro. 55 Prozent davon werden aus Städtebaufördermitteln bestritten, die die Stadt Wriezen zu Verfügung gestellt hat. 30000 Euro kommen vom Konsistorium, 50000 vom Kirchenkreis, 100000 von der Stadt. Den Rest haben Kirchengemeinde und Förderverein aufgetrieben. Wenn die Steine rechtzeitig geliefert werden und auch sonst alles klappt, wird der Bogen schon Ende Mai stehen, berichtet Friedhelm Zapf.

Märkische Oderzeitung vom 14. März 2014

   Zur Artikelübersicht