Der romanische Schatz

Rathenow (rez) Der größte Schatz der St.-Marien-Andreas-Gemeinde ist ein romanischer Abendsmahlskelch mit dazu gehöriger Patene (Brotteller). Allein der im 13. Jahrhundert gefertigte Kelch wäre einem Kunsthändler des Jahres 1914 schon 50.000 Goldmark wert gewesen.

Heinz-Walter Knackmuß zeigt Kelch und Brotteller (Patene), die 1637 unter mysteriösen Umständen wieder ans Tageslicht kamen. Er bildet derzeit BUGA-Kirchenführer aus. Wer mitmachen will, kann sich unter 03385/5200224 melden.
© MOZ/Wernitz

Doch die Gemeinde wollte sich damals trotz großer Finanznot nicht von ihrem kostbaren Stück trennen. Als der Kelch im Herbst 2009 in einer Ausstellung in Magdeburg gezeigt wurde, belief sich die Versicherungssumme im Millionenbereich, so Heinz-Walter Knackmuß, Vorsitzender des Förderkreises zum Wiederaufbau der St.-Marien-Andreas-Kirche. Am Donnerstagabend wurden Kelch und Brotteller aus dem Tresor eines Rathenower Geldinstituts geholt, um ihre Geschichte interessierten Rathenowern zu erläutern.

Diese bislang 15 Frauen und Männer wollen im BUGA-Jahr 2015 Touristen durch die Kirche führen, wo natürlich die mystische Story der liturgischen Geräte nicht fehlen darf. Denn sie kamen 1637, so berichtet es die Überlieferung, unter höchst sonderbaren Umständen ans Tageslicht. Der damalige neue Superintendent der Kirche, Mathias Lüssow, soll in einem Traum von einem unsichtbaren Begleiter auf jenen Friedhof geführt worden sein, der sich damals nahe der Kirche befand. In der Tiefe eines Grabes habe er etwas Goldenes leuchten sehen, habe danach graben lassen und den Kelch und die Patene gefunden.

Wenngleich die Gemeinde keine passionierten Schatzsucher unter sich weiß, steht doch zu vermuten, dass der Kirchberg noch mehr Geheimnisse preisgeben könnte. Besonders geschichtsinteressierte Zeitgenossen kennen zudem die Legende von einem unterirdischen Gang.

Ein anderes Rätsel stellt das Templerkreuz dar, das seit altersher auf der Andreaskapelle prangt. Die originalgetreue Nachbildung stammt aus dem Jahr 2011. Wer einen Zufall ausschließt, vermutetet ein Zeichen bzw. einen Hinweis. Heinz-Walter Knackmuß denkt zwar nicht an Tempelritter oder Schätze, hält es aber für nicht ausgeschlossen, dass man im BUGA-Jahr den Boden der Kapelle mit entsprechendem Gerät nach einem darunter liegenden Hohlraum untersuchen könnte.

Märkische Oderzeitung vom 07. März 2014

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