Glockengeläut über Melchow

Melchow (bey) Es ist vollbracht: Nach mehr als fünfhundert Jahren läutet nun wieder eine Kirchenglocke über Melchow. Bei einem feierlichen Gottesdienst wurde am Sonntagnachmittag die Glocke im neuen Turm eingeweiht.

Der Blick von unten zeigt die Konstruktion des neuen Glockenturmes von Melchow, die Wilhelm Hanning vom Gemeindekirchenrat erläutert.
© Wolfgang Rakitin

"Ich empfinde große Freude, bin aber auch erleichtert, dass dieses lang ersehnte Projekt nun Wirklichkeit wurde", sagte Pfarrer Christoph Strauß während des Festgottesdienstes. Viele Einheimische, aber auch Gäste aus Nachbardörfern und Gemeinden sowie Vertreter von Behörden, Bauausführende, Förderer und Spender waren nach Melchow gekommen.

"Ich fühle mich wie neugeboren, es ist ein wunderbares Gefühl, diesen herrlichen Klang zu hören", sagte Vera Wolff, die seit 57 Jahren in dem Dorf lebt und wie viele andere den großen Wunsch nach einem eigenen Glockenturm hatte.

Den Anstoß für das ehrgeizige Vorhaben gaben Einheimische. Sie fanden vor mehr als vier Jahren in Pfarrer Frank Städler, der inzwischen einer anderen Gemeinde vorsteht, einen begeisterten Partner. "Bei allem Zweifeln war mir allerdings von Anfang an klar, wir brauchen unser Licht auf keinen Fall unter den Scheffel zu stellen und können ein solches Projekt auf die Beine stellen", erinnerte er am Sonntag noch einmal an den Beginn einer langen Vorbereitungszeit.

Zur Umsetzung wurde schließlich der Förderverein Glockenturm gegründet, dessen Mitglieder nicht nur auf erfolgreiche Spendensuche gingen, sondern auch unzählige Gespräche mit Behörden führten. Als Sieger des initiierten Wettbewerbes ging das Büro Sauer Architekten aus Berlin hervor. Die Fachleute entwarfen den etwa acht Meter hohen Baukörper, der aus einer besonderen Stahlkonstruktion besteht. "Der sogenannte Cortenstahl verfügt über einen hohen Kupferanteil und wird sich in ungefähr drei Monaten dunkelbraun-rot verfärbt haben", kündigt der Architekt Hannes Sauer an. Diese spezielle Rostschicht schützt das Material vor weiterer Korrosion.

Rund 70000 Euro kostete der Bau des Glockenturms. "Der größte Teil des Geldes kommt aus dem Kirchenkreis, die Gemeinde Melchow spendierte beispielsweise 15000 Euro", berichtet der Vorsitzende des Fördervereins, Frank Waschkowski. In den kommenden Jahren muss die Kirche aber ein Darlehen zurückzahlen.

Melchows Bürgermeister Wolfgang Lindt äußerte während des Festgottesdienstes den Wunsch, "dass das Glockengeläut dazu beiträgt, den Zusammenhalt der Bürger zu stärken."

Wie berichtet, wurde vermutlich beim Hussiten-Feldzug der alte Dorfkern zerstört. Als in den 1920/30er-Jahren ein Stall zur neuen Kirche umgebaut wurde, fehlte Geld für Turm und Glocke. 2009 konnte die Melchower Kirchengemeinde die Wartburgheim-Glocke aus Eberswalde erwerben. Die wurde dann auf ein Gestell in die Kirche "gesetzt".

Märkische Oderzeitung vom 13. Januar 2014

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