Erste Schritte zum "Kulturdom Gubin"

Denkmalamt der Wojewodschaft Lubuskie ebnet Weg für nächste Wiederaufbau-Etappe in Stadt- und Hauptkirche

GUBEN/GUBIN Keine Scheu vor großen Aufgaben haben die Akteure beim Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche Gubin zu einem europäischen Kommunikations- und Kulturzentrum. Auf dem Weg zum "Kulturdom Gubin" schlagen sie ein hohes Tempo an: Noch vor Weihnachten hat das Denkmalamt der Wojewodschaft Lubuskie (Lebuser Land) Gubins Bürgermeister Bartlomiej Bartczak die denkmalrechtliche Erlaubnis mit den ersten Parametern zur Gestaltung des Kirchenschiffs überreicht.

Ausschnitt aus dem Deckblatt des Kalenders 2014 , mit dem sich der Förderverein zum Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche auf besondere Weise bei Förderern des Projekts bedanken wird.
Foto: pr

Anna Dziadek, Leiterin der Bauhütte "Fara Gubinska" (Kirche Gubin), spricht von einem Geschenk. "Ohne die Erlaubnis können wir hier nichts machen", sagt sie mit Blick auf die Pläne zur Gestaltung des Kirchenschiffs. Hier soll der Sieger-Entwurf aus dem Architekturwettbewerb 2013 umgesetzt werden ein nach bisherigen Schätzungen etwa zehn Millionen Euro schweres Projekt, das die ehemalige Stadt- und Hauptkirche umzuwandeln verspricht in ein "Dom Kultury Gubin", einen Kulturdom Gubin. Das deutsch-polnische Architekturbüro Heinle, Wischer und Partner schlägt vor, das Kirchendach nach historischem Vorbild wiederzuerrichten, allerdings nicht mit historischen Dachziegeln auf klassischer Konstruktion, sondern mit einem völlig neuartigen, lichtdurchlässigen Material aus der Nanotechnologie-Schmiede.

Schon in wenigen Monaten sollen die ersten Materialproben die Kirchenschiff-Baustelle erreichen und fragmentarisch in einzelnen Fenstern installiert werden, um ihre Wirkung in der Praxis zu begutachten. Computeranimationen gibt es bereits, aber: "Für mich ist interessant zu beobachten, wie lichtdurchlässig das Material wirklich ist und welche Effekte es gibt zu verschiedenen Tageszeiten. So können wir uns einen ersten Eindruck verschaffen, wie das Ensemble nach der Sanierung aussehen und wirken wird", sagt Barbara Bielinic-Kopec, Leiterin der obersten Denkmalschutzbehörde der Wojewodschaft Lubuskie.

Sie war noch am 23. Dezember 2013 von Zielona Gora, dem Sitz des Denkmalamtes Lubuskie, ins Gubiner Rathaus gefahren, um dem Bürgermeister der Stadt Gubin die erste denkmalrechtliche Genehmigung für das Sanierungsprojekt zu übergeben. Diese enthält die ersten technischen Parameter, die bei der Umsetzung des Projektes eingehalten werden müssen. Das ist die Grundlage für die Vorbereitung des Projektantrages bei der Euroregion Spree-Neiße-Bobr und der Bauplanung für die weiteren Sanierungsarbeiten.

"Es geht um die Verbindung von Historie und Moderne. Die Stadt- und Hauptkirche soll sich von ihren Abmessungen her nicht verändern und auch nach der Sanierung noch an ihre Zeit als spätgotische Backsteinkirche aus der Zeit der Hanse erinnern", sagt die oberste Denkmalschützerin der Wojewodschaft Lubuskie.

Sie begleitet den Wiederaufbau der ehemaligen Gubener Stadt- und Hauptkirche von Anbeginn, erinnert sich noch gut an den Tag als eine Gruppe junger Leute aus Gubin zu ihr kam und für das Projekt eintrat. "Ich war überrascht, aber guten Mutes", sagt sie. In der Wojewodschaft Lubuskie gebe es kein vergleichbares Projekt dieser Größe und Ausstrahlung und mit der Besonderheit, dass der Wiederaufbau bzw. Umbau zu einem Kulturdom in grenzüberschreitender deutsch-polnischer Zusammenarbeit erfolgt.

Das inzwischen erreichte und weithin sichtbare Ergebnis seit 2005 sind mehr als drei Millionen Euro investiert worden, darunter 1,4 Millionen Euro für die Sanierung des Kirchturms überzeugt die Leiterin des Denkmalamtes Lubuskie absolut. Den Architekturwettbewerb 2013 zur Gestaltung des Kirchenschiffs hat sie mit Spannung verfolgt. Der Siegerentwurf verlangt nun den Akteuren einiges ab.

"Wichtig ist nicht nur, wie das lichtdurchlässige Dach aussieht, sondern wie das gesamte Gebäudeensemble am Ende wirkt, wie sich historische Bausubstanz und Moderne vertragen und miteinander harmonieren", erklärt Barbara Bielinic-Kopec. Das gelte Innen wie Außen.

Und dafür gibt es noch schier unendlich viel zu prüfen und festzulegen. So sollen zum Beispiel historische Fundstücke integriert werden, ähnlich wie schon bei der Sanierung des Kirchturms geschehen. Barbara Bielinic-Kopec und Anna Dziadek zufolge soll das auf verschiedenen Wegen umgesetzt werden.

So ist geplant, ähnlich wie in der Kirche in Müncheberg im Kirchenschiff eine begehbare, mehrgeschossige "Box" mit Ausstellungsräumen, einem Saal und Toiletten im Inneren des Kirchenschiffs zu errichten. Die "Box" soll auf eigenen Füßen (Punktfundamenten) stehen, ohne den Kirchenboden zu zerstören. Denkbar sind teilweise durchsichtige Bodenplatten, durch die in drei Meter Tiefe auf die Reste der ursprünglichen römischen Kirche geschaut werden kann. "Bei der Sanierung des Fußbodens können wir auch den Grundriss der römischen Kirche optisch sichtbar machen", nennt Anna Dziadek eine weitere Idee.

Davor allerdings ist ein Projektantrag gestellt, mit dem Fördermittel aus der neuen EU-Förderperiode 2014 bis 2020 (Interreg V) eingeworben werden sollen. Diesen Part wird das preisgekrönte Architekturbüro übernehmen. Am 14. Januar werden sich die Preisträger beim Gubiner Bürgermeister, Bartlomiej Bartczak, vorstellen. Am 24. Januar stehen sie in Guben interessierten Bürgern und Förderern Rede und Antwort zur ihren Entwürfen. "Es ist ein ungewöhnlicher, ja nahezu genialer Entwurf", sagt Florian Mausbach, ehemaliger Präsident des Bundesbauamtes und Mitglied der achtköpfigen deutsch-polnischen Jury im Architektenwettbewerb Kirche Gubin. Er ist optimistisch, dass die Umsetzung gelingt. . Bis Juni 2014 soll aus dem bisherigen Entwurfsplan ein konkreter Bauplan werden. Mit zehn bis 15 Jahren Bauzeit ist aus Expertensicht zu rechnen.

Zum Thema:

Die Gäste des Neujahrsempfangs der Städte Guben und Gubin am 24. Januar in der Alten Färberei in Guben erwartet in diesem Jahr ein besonderes Erlebnis: Im Anschluss an den offiziellen Teil werden der ehemalige Präsident des Bundesbauamtes, Florian Mausbach sowie die Sieger des Architekten-Wettbewerbes zum Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche Gubin als deutsch-polnische Begegnungsstätte ihr Projekt "Kulturdom Gubin" vorstellen. Unter den elf eingereichten Entwürfen hatte der Vorschlag des deutsch-polnischen Architekturbüros Heinle, Wischer und Partner mit Büros in Berlin, Stuttgart, Dresden und Wroclaw (Breslau) das Rennen gemacht. Der Entwurf sieht vor, der Kirche ein Dach aus Licht zu geben, ohne Besucher unter freiem Himmel stehen zu lassen.

Beate Möschl

Lausitzer Rundschau vom 08. Januar 2014

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