Sanierungspläne für Gosens Dorfkirche

Gosen (MOZ) Das Weihnachtsfest hat es an den Tag gebracht: Die Orgel in der Gosener Dorfkirche muss dringend saniert werden. Dabei besteht ohnehin Handlungsbedarf in dem Gotteshaus, vor allem im Kirchturm. Wenn am 4. Mai das 100. Weihejubiläum gefeiert wird, soll mehr Klarheit herrschen, wie es weitergeht.

Imposantes Gotteshaus: Blick von der Südseite auf die 1914 geweihte Dorfkirche. Sie steht seit Jahren unter Denkmalschutz.
© MOZ/Eggers

Er ist nur zwei oder drei Millimeter groß, aber er setzt der Gosener Kirche mächtig zu: der sogenannte gemeine Nagekäfer. "Er geht ins Kernholz, und das beschädigt die Statik", erläutert Thomas Schölzchen, der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins für die Dorfkirche, der sich seit Jahren um eine umfassende Sanierung des fast 100 Jahre alten Gotteshauses bemüht.

Mit einem dreiteiligen Holzschutzgutachten liegt jetzt eine detaillierte Ausarbeitung zu den Schäden in der Kirche vor. Dass auch an der Orgel Handlungsbedarf besteht, war Schölzchen und seinen Mitstreitern bekannt; als vor Jahren ein Elektromotor eingesetzt wurde und den mechanischen Antrieb ersetzte, wurde auch schon etwas gegen die Holzfäule getan. "Es hat aber nicht lange gehalten."

Wer glaubt, eine Orgel sei im Wesentlichen aus Metall, ist auf dem Holzweg - nicht nur das gesamte Gehäuse, sondern auch manche Pfeifen sind aus Holz. Zu Weihnachten nun hat sich gezeigt, dass die bisherigen Einschränkungen auf der Orgel sich stark ausgeweitet haben - ein komplettes Register ist ausgefallen. Dieser ganz frische Befund begründet einen neuen Handlungsbedarf - denn die Orgel ist wichtig für das Kulturprogramm in der Kirche, das wiederum Spenden für die Sanierung bringt. Und es trägt wesentlich dazu bei, dass die Kirche Mittelpunkt des örtlichen Lebens wird.

Bisher ist vorgesehen, auf der Grundlage des Holzschutzgutachtens durch einen Architekten eine Ausschreibung vorzubereiten, die ergeben soll, ob der Kirchturm komplett oder nur zum Teil saniert wird. 2006 kam die Wetterfahne von dem Turm - Folge eines Sturmschadens. Am Turm müssten die Schiefereindeckung erneuert werden, die letztmalige Anfang der 1980er-Jahre saniert wurde. Die Folge des jetzigen Zustandes ist, dass bei Regen Wasser eindringt, wenn auch nicht in großen Mengen, und die Feuchtigkeit setzt innen den Holzbalken zu. Teile von ihnen müssen ausgewechselt oder erneuert werden. Wie marode manche Stellen sind, zeigen Fotos, auf denen ein Stechbeiteil einfach ins Holz gesteckt wurde. "Die Standsicherheit ist aber nicht gefährdet", beruhigt Schölzchen.

Nach Absprache mit dem Kirchenbauamt hofft der Fördervereinsvorsitzende, dass der bürokratische Vorlauf einer Sanierungsmaßnahme bis zum Weihejubiläum im Mai durch ist und sich dann abzeichnet, ob mit oder ohne Gerüst gearbeitet wird. Wenn ja, wäre das ein großer Kostenblock und würde dafür sprechen, auch gleich alle Arbeiten zu erledigen, für die eine Rüstung benötigt wird. Alles steht und fällt natürlich mit den Finanzen. Rund 30 000 Euro, schätzt Schölzchen, können dieses Jahr auf der Grundlage von Spenden, von Zuwendungen der Kommune und der Landeskirche ausgegeben werden. Wie weit man damit kommt - das muss eben die Ausschreibung zeigen. Die Gesamtsanierung wird sich noch über viele Jahre hinziehen, denn ihre Kosten schätzt Schölzchen auf 500 000 Euro.

Joachim Eggers

Märkische Oderzeitung vom 05. Januar 2014

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