Die Pessiner Kirche hat ihre Stuckdecke zurückerhalten

Die Engelein schauen wieder von oben zu

So nah werden Pfarrer Michael Jurk und Fördervereinschef Andreas Flender den Engeln an der Decke des Pessiner Kirchenschiffs wohl nie wieder kommen. Dank einer riesigen Plattform, die derzeit im Inneren fast das gesamte Kirchenschiff überspannt, nahmen sie am Donnerstag noch einmal das Wappen derer von Bredow aus nächster Nähe in Augenschein.

Pessin. Es entstand seit September unter den geschickten Händen von Stuckateur Marcel Neumann von der Firma Rost wieder völlig neu.

Das Wappen ist Teil der wiederhergestellten Stuckdecke, die bis 1955 existierte. Danach wurde eine Holzkassettenverkleidung angebracht. Zuvor hatte man die Reste des alten Wappens von 1739, das im Krieg bei starkem Beschuss zerstört worden war, abgebaut. Sie sollten entsorgt werden. Die Pessinerin Christel Kabot verhinderte dies, lagerte die Bruchstücke ein - unteranderem drei Engelsköpfe, fünf Beine, mehrere Arme.

Diese dienten nun als Grundstock fürs neue Wappen - und als Vorbild für fehlende Teile. So kopierte Marcel Neumann davon unter anderem den fehlenden Kopf fürs Wappen und stellte die vier Köpfe für jene Engel her, die nun die Ecken des Kirchenschiffs zieren. Andere Elemente fertigte er anhand eines alten Fotos von 1900. Doch nicht alle Details konnte man darauf erkennen. Viel Recherche war laut Restauratorin Annett Schulz nötig: "Es war wie ein Puzzle. So galt es ein Vergleichswappen dieses Familienzweiges der Bredows zu finden, das noch nicht restauriert worden ist." In den Kirchen Kleßen und Görne wurde man fündig. In Abstimmung mit der Denkmalpflege wurde dann das endgültige Aussehen des Wappens festgelegt.

In der nächsten Woche werden noch Decke und Wände gestrichen, Mitte der Woche kommt das Gerüst weg. Damit ist dann auch die Sanierung der Kirche im Wesentlichen abgeschlossen. Rund 60000 Euro hat allein die Innensanierung gekostet. Geld, das fast komplett über private Stiftungen und Privatleute aufgebracht worden ist. Auch die Stiftungen von Friede Springer und Günter Jauch beteiligten sich, wie Andreas Flender sagt. "Die Verlegerin ist von der Stuckgeschichte fasziniert." Jetzt muss noch der Altar restauriert werden, für den aber auch Geld in Aussicht steht.

"Wir sind glücklich, dass wie in so kurzer Zeit so viel erreicht haben", sagt Andreas Flender. Im Jahre 2009 hatte der Förderverein Dorfkirche mit den Arbeiten begonnen, musste mehrfach den Schwamm bekämpfen. Die jetzt erfolgte Innenraumsanierung war in diesem Umfang eigentlich noch gar nicht geplant. "Es sollte aus finanziellen Gründen nur eine glatte Decke hergestellt werden", so Flender. Dann aber fand er doch noch Geldgeber. Sogar eine Nachfahrin der Bredows meldete sich.

Der Weihnachtsgottesdienst aber wird noch nicht unter der neuen Stuckdecke stattfinden können, sondern in der Gaststätte "Pessiner Luch", sagt Pfarrer Michael Jurk. Genau genommen ist er der Auslöser für die erfolgte Kirchensanierung. Damals schlug er vor, angesichts des schlechten Zustandes der Kirche ein Absperrband rundherum zu ziehen. Denn eine Sanierung schien utopisch. Heute spricht Jurk schmunzelnd von taktischem Kalkül, das aufgegangen ist. Denn zum Glück wollten sich die Pessiner damit nicht abfinden.

Von Andreas Kaatz

Märkische Allgemeine vom 12. Dezember 2013

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