Stahlkonstruktion schwebt ein

Melchow (MOZ) Einen historischen Tag erlebte Melchow am Dienstag. Die Kirche des Ortes erhielt einen Glockenturm. In einer mehrstündigen Prozedur ist die dreieinhalb Tonnen schwere Stahlkonstruktion auf das Kirchendach gehievt worden.

Der stählerne Glockenturm schwebt über dem Melchower Kirchendach.
© MOZ/Sergej Scheibe

Ein Kranausleger ragt hoch in den Himmel. Gegen zehn Uhr ist der stählerne Glockenturm am Haken, um 10.17 Uhr schwebt er über dem Dach der Melchower Kirche. Für den Turm ist das Ziegeldach des langgestreckten Baus in der Nähe zum Straßengiebel geöffnet worden. Ganz langsam wird der Turm genau über die Öffnung gebracht. Mit Hilfe von Seilen wird die Stahlkonstruktion in die richtige Position gelenkt. Um 10.24 Uhr ist sie soweit abgelassen, dass sie noch etwa einen halben Meter kaum merklich über dem Dach schaukelt. Um 10.39 Uhr es geschafft. Die Fachleute der Eberswalder Schlosserei Witte haben ruhig und konzentriert diese schwierige Aufgaben bewältigt.

Der Glockenturm steht jetzt auf der eigens dafür angefertigten Betondecke. Dort liegt bereits die Glocke, die in der nächsten Woche aufgehängt und an eine Uhr angeschlossen werden soll.

Die Betondecke und der Glockenturm aus Cortenstahl scheinen derzeit das Solideste des Gebäudes zu sein. Dieser Stahl bildet eine spezielle Rostschicht, die das Material vor weiterer Korrosion schützt. Die Kirche ist ein ehemaliges Stallgebäude aus Feld- und Backsteinen, das um 1931 von dem Kleinbauern Hermann Kosse für den Ausbau als Bethaus zur Verfügung gestellt wurde. Seit die Hussiten 1432 Melchow und die Kirche zerstört hatten, gab es in Melchow keinen Kirchturm mehr.

Mit dem Aufbau des Glockenturms auf das einstige Stallgebäude sieht der Vorsitzende des Fördervereins Glockenturm Melchow Eberhard Wolf zwar den Vereinszweck erfüllt, kann sich aber gut vorstellen, dass sich der Verein auch weiterhin um die Sanierung der Melchower Kirche kümmert. Etwa 170 Einwohner haben Geld gespendet, ist er erfreut. Dadurch konnte von der Vereinsseite mit 25 bis 30 Prozent zu den Gesamtkosten von rund 70 000 Euro beigetragen werden. Von der Gemeinde Melchow kommen 15 000 Euro.

Märkische Oderzeitung vom 11. Dezember 2013

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