Größte Spendenaktion der Uckermark

Prenzlau (MOZ) Die wohl größte Spendenaktion in der Geschichte der Uckermark ist in Prenzlau gestartet. Dort will ein Verein die riesigen Gewölbe der Marienkirche wiederaufbauen. Die Mitglieder müssen dafür fast zwei Millionen Euro sammeln. Ein gewaltiges Vorhaben.

Gewölbe in St. Marien Prenzlau
© Oliver Schwers
 
Spendensteine für Gewölbe St. Marien Prenzlau
© Oliver Schwers

Etwas skeptisch blickte Kulturministerin Sabine Kunst schon in die Runde, als sie in der großen Kirchenhalle von St. Marien stand. Immerhin ist es nicht alltäglich, dass ein gemeinnütziger Verein mit überschaubarer Mitgliederzahl mal eben zwei Millionen Euro auftreiben will. Und das auch noch in der Uckermark. Angesichts der enormen Summe verstummen nicht nur skeptische Stimmen.

Ganz anders Reinhart Müller-Zetzsche. Der Superintendent des Kirchenkreises Uckermark bleibt seinem Optimismus treu. "Es hat Jahrzehnte gedauert, bevor die Kirche aufgebaut war - da kann es auch Jahre dauern, bis das Gewölbe wieder drin ist", sagt er zur Ministerin. Dabei sind es nicht Reparaturarbeiten an einer kleinen Dorfkirche, sondern die Kompletterrichtung der Gewölbe in einem der imposantesten Bauwerke Brandenburgs.

Der Superintendent könnte heute aus seiner Kirchenkasse den Millionenaufwand gar nicht bezahlen. Allein die Unterhaltung des denkmalgeschützten Bauwerks bereitet immer wieder Herausforderungen. Deshalb hat sich der höchst engagierte und selbstbewusst auftretende Bürgerverein Wir für Prenzlau der Sache angenommen. Selbstbewusst deshalb, weil dessen Mitglieder bereits eine ebenso spektakuläre Aktion an St. Marien erfolgreiche zu Ende brachten: das Glockengeläut.

Die durch Kriegseinwirkung beim Stadtbrand von 1945 eingestürzten Gewölbe sind natürlich ein andere Dimension. "Ein hehres Ziel", bekennt Olaf Beckert vom Bürgerverein. Und ein langes geplantes. Denn was die Mitglieder vorhaben, ist im Grunde die Vollendung eines bereits zu DDR-Zeit gefassten Beschlusses. Schon damals sollten die eindrucksvollen Deckenabschlüsse von St. Marien wiedererrichtet werden. Angeblich hat sogar schon das dafür notwendige Innengerüst existiert. Zur Ausführung kam es dann aber nicht mehr. Nun sollen Mittelschiff und beide Seitenschiffe wieder das so typische gotische Gewölbe erhalten.

Jetzt blicken Besucher frei in das ebenfalls nicht uninteressant wirkende Dachgestühl hinauf. Denn anstelle der Holzbalken sichern Stahlträger die Konstruktion. Das hat einen praktischen Nebeneffekt. Man kann das darunter befindliche Gewölbe bequem in Abschnitten aufbauen, weil die Statik das zulässt. Nach dem Willen des Vereins könnte damit das erste Joch in gut drei Jahren an seinem Platz sein. Und wenn ein Anfang gemacht ist, fließen die Spenden meist schneller.

Den Start zu der vermutlich spektakulärsten Sammelaktion in der Geschichte der Uckermark haben Olaf Beckert und Reinhart Müller-Zetzsche im Beisein der Kulturministerin gemacht. 500 rotbraune Spendensteine stehen mittlerweile zur Verfügung. Sie werden für einen Preis von je 30 Euro an hilfsbereite Unterstützer abgegeben. Durch den Verkauf sichert sich der Verein den Aufbau des Innengerüstes.

Mit einem virtuellen Gewölbe im Internet kann später jeder Spender erkennen, an welcher Stelle seine Finanzspritze verbaut worden ist.

Ein Gewölbe für die Marienkirche: Unter diesem Motto sammelt der Bürger- und Förderverein Spenden. Ein kleines Informationsblatt wurde dazu herausgegeben. Weitere Internetinformationen sind in Vorbereitung. Spenden unter dem Zwecktitel "Wölbung Marienkirche" auf Konto Wir-für-Prenzlau unter der Nummer 342 4039950 bei der Sparkasse Uckermark, BLZ 170 560 60. Der Verein sitzt in der Schwedter Straße 68 in 17291 Prenzlau.

Märkische Oderzeitung vom 03. Dezember 2013

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