Glockenläuten per Fernbedienung

Dobberzin (MOZ) Die Dobberziner haben wieder Zeit, geschenkte Zeit. Seit Sonntag schlägt die Turmuhr nach vielen Jahren des Schweigens wieder weithin hörbar die Stunde an. Auf Initiative des Dorfvereins erhielt die Kirche ein modernes elektronisches Läutewerk mit Zeitschaltuhr, finanziert aus Spenden.

Wolfgang Neudeck in der Dobberziner Dorfkirche
© MOZ

Es ist Musik in den Ohren der Dobberziner. Mit einem Knopfdruck in der Hosentasche setzte Wolfgang Neudeck wie von Zauberhand am 1. Advent das Turmuhrglockenläuten in Betrieb, die Fernbedienung ersetzt fortan das mühsame Ziehen am Glockenseil. Die Technik ist modern. Die Zeitanzeige ganz traditionell: mit Stundenschlag und weithin sichtbarer analoger Turmuhr mitten im Dorf. So haben es sich die Dobberziner gewünscht. In Zeiten von Smartphone und Funkwecker, Rastlosigkeit und Flüchtigkeit ist die Sehnsucht nach Vertrautheit und Beständigkeit, nach sichtbarer Zeit, nach Zeit zum Innehalten und Wahrnehmen groß. Der Glockenschlag der Turmuhr ist für viele das schönste Geschenk. Ein Geschenk, das sie sich selbst gemacht haben. Die Kirche hat ein modernes elektrisches Läutwerk und eine funktionsfähige Turmuhr mit vier neuen Zifferblättern. Ganz automatisch schlägt die Uhr nun stündlich von 8 Uhr morgens bis 20 Uhr am Advent und läutet um 12 Uhr zur Mittagszeit, um 18 Uhr zum Feierabend, sowie zu Gottesdiensten und Feiertagen. Ein kleiner Schaltkasten in einem Nebenraum der Kirche ist das eigentliche Herzstück der Uhr. Hier lässt sich das Schlag- und Läutewerk der Glocke vorprogrammieren. Sogar das Silvesterläuten ist bereits eingestellt.

Glocke Dobberzin
© Wolfgang Neudeck

Um Mitternacht begrüßt die Dobberziner Dorfglocke mit hellem Klang ganz zuverlässig das neue Jahr, ohne dass jemand in die Kirche eilen und am Seil ziehen muss.

Neben dem Uhr- und Läutewerk soll auch die zweite Kirchenglocke wieder hergestellt werden. Sie wurde im ersten Weltkrieg eingeschmolzen, um daraus Kanonen zu gießen. In einer Glockengießerei soll die Glocke für Dobberzin nach altem Vorbild wieder neu gegossen werden. "2011 haben wir mit dem Projekt begonnen und Spenden gesammelt", berichtet Wolfgang Neudeck. Er ist der Vorsitzende des rührigen Dobberziner Dorfvereins und "Drahtzieher" des ehrgeizigen Turmuhr-Stundenschlag-Glockenprojektes.

Neben Projektbeschreibungen, Konzepten und Planungen musste vor allem das nötige Geld beschafft werden. Fördermittelanträge und Bittbriefe wurden geschrieben, Spendensammlungen und Benefizkonzerte organisiert, das Vorhaben musste koordiniert und betreut werden. Es ist geschafft. Rund 14 000 Euro sind zusammengekommen. Davon sind 1800 Euro Eigenleistungen der Dorfbewohner. Rund ein Drittel der Kosten hat die Kirchengemeinde St. Annen übernommen. Immerhin 5100 Euro sind bei privaten Spendensammlungen im Dorf zusammengekommen. Firmen aus dem Dorf und Umgebung, wie die Agrar GmbH und die Metallbaufirma IAB Pinnow haben das Spendenkonto gefüllt. Die Dobberziner Firma TAE hat die gesamte Elektroverkabelung gesponsert. Die Angermünder Stadtsänger gaben ein Benefizkonzert zugunsten des Turmuhrprojektes in der Kirche. Die Bürgerstiftung der Sparkasse Uckermark, die Stiftung Maßwerk und der Förderverein Alte Kirchen Berlin-Brandenburg haben Fördermittel bereit gestellt. "Es ist ein Gemeinschaftswerk, an dem ganz viele Unterstützer und Helfer beteiligt sind", dankte Wolfgang Neudeck im Namen aller Dobberziner.

Das erste Glockenläuten war für die Dobberziner ein bewegender Moment. Der Dorfverein nutzte dafür das traditionelle Adventssingen in der Kirche am 1. Advent. Stimmungsvoller hätte die Weihnachtszeit nicht eingeläutet werden können. Auf die zweite Glocke müssen die Dobberziner jedoch noch etwas warten. Dafür reicht das Geld nicht mehr. Das elektronische Zeitschaltwerk ist jedoch schon für zwei Glocken ausgelegt. Doch der bisherige Erfolg des Projektes macht zuversichtlich und geduldig, dass auch weiter Spenden gesammelt werden.

Nun sollen noch die Bäume um die Kirche etwas beschnitten werden, damit die Uhr überall zu sehen ist. Die Genehmigung liegt vor. "Wir suchen dafür jedoch noch eine Hubbühne, die man uns günstig zur Verfügung stellt", meint Wolfgang Neudeck. Auch das wird sich finden.

Märkische Oderzeitung vom 02. Dezember 2013

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