Fahne, Stern und Kugel glänzen

Weiterer Schritt der Turmsanierung an Schönaer Kirche ist vollendet

SCHÖNA-KOLPIEN Beifall brandet am Fuß des Kirchturms von Schöna auf, als der Wurzener Restaurator und Metallbildner Thomas Müller die vergoldete Wetterfahne in den Wind dreht. Einwohner von Schöna-Kolpien erleben am Samstagmorgen diesen Augenblick. Der Turm erhielt eine neue Bekrönung, getreu dem historischen Vorbild von 1778. Mit einem Unterschied: Die Kugel beherbergt jetzt Zeitdokumente für die Nachwelt.

Es ist vollbracht. Restaurator Thomas Müller (r.) strahlt, als sich die handgeschmiedete und vergoldete Wetterfahne in den Wind dreht. Gerüstbauer Harry Zwoch hat sie zuvor mit ihm gemeinsam auf den Haltestab gesetzt.
Foto: Keilbach/bkh1
Marianne Dennert und Evelin Müller (vorn v. l.) stecken die Zeitdokumente in die Kupferhüllse.
Foto: Keilbach/bkh1

Auf einem Tisch hat Marianne Dennert vom Gemeindekirchenrat zuvor zurechtgelegt, was in der schmalen Kupferhülse Platz finden soll: Chroniken der Kirchengemeinde, der freiwilligen Feuerwehr sowie ein Abriss über die Geschichte des Doppeldorfes. Daneben liegen die Samstagsausgabe der "Lausitzer Rundschau" und ein Satz Euro-Münzen. Gemeinsam mit der Vorsitzenden des Gemeindekirchenrates, Evelin Müller, versenkt sie die Zeitdokumente in der Hülse. "Für mich ist das ein bewegender Moment", sagt Marianne Dennert, während der Wurzener Metalldrückermeister Christoph Müller das Behältnis verschließt. "Ich stelle mir vor, wie unsere Zeit wieder lebendig wird, wenn die nach uns lebenden Menschen später einmal die Hülse öffnen und unsere Dokumente in die Hand nehmen", gibt sie ihre Gedanken wieder. In der alten Kugel hatten die Vorfahren nichts hinterlassen, wie Evelin Müller mit Bedauern feststellt.

Die historischen Teile der Bekrönung, Stern, Wetterfahne und Kugel, werden künftig in der Kirche zu betrachten sein. Sie waren im Zuge der Sanierungsarbeiten an der Turmhaube abgenommen worden. Wetterfahne und Kugel weisen mehrere Einschusslöcher aus Kriegszeiten auf.

Die drei Bestandteile wurden von der auf derartige Restaurierungsarbeiten spezialisierten Metalldrückerei Müller in Wurzen originalgetreu aus Kupfer sowie Edelstahl gefertigt und vergoldet. Der Überzug aus dem Edelmetall biete zusätzlichen Schutz vor Verwitterung, so Christoph Müller. So könne die neue Bekrönung "mindestens 150 Jahre halten."

Das Aufsetzen der neuen Bekrönung markiert zugleich den Abschluss eines weiteren Schrittes der Kirchturmsanierung. In den vergangenen Monaten wurde laut Architekt Thomas Kuhn das stark zerstörte Fachwerk im Turminneren komplett saniert, Fachwerkhölzer dafür teilweise ausgetauscht. Zudem wurden das Mauerwerk instand gesetzt, der Innenputz sowie die Fußbodendielung erneuert. Die Turmhaube erhielt eine neue Holzschalung und darüber eine neue Kupferfalzdeckung.

"Im nächsten Jahr wird das Außenmauerwerk an Kirchenschiff und Turm instand gesetzt und anschließend verputzt", nennt der Architekt nächste Schritte. Im Inneren der Kirche sei die Teeküche fertigzustellen. Darüber hinaus erfolge die Restaurierung der ehemaligen Patronatslogen und der Emporenbrüstung, fügt Thomas Kuhn an. Dann wird der Umbau des vor zwölf Jahren noch einsturzgefährdeten Gotteshauses in Schöna zur Begegnungskirche beendet sein.

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Die Kosten des letzten Sanierungsabschnitts an der Kirche betragen laut Evelin Müller rund 290 000 Euro. Rund 180 000 Euro erhielt die Kirchengemeinde aus dem EU-Förderprogramm für integrierte ländliche Entwicklung. An der Finanzierung beteiligten sich auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Kirchenkreis Bad Liebenwerda, Kirchengemeinde Schöna-Kolpien sowie der "Förderverein für den Wiederaufbau der Kirche Schöna". bkh1

Birgit Keilbach / bkh1

Lausitzer Rundschau vom 25. November 2013

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