Gebälk über dem Chor von St. Marien fertig

Wriezen (MOZ) Der Dachstuhl für den Chorraum der Wriezener Marienkirche ist fertig. Heute nimmt ihn der Prüfstatiker ab. Sollte das Wetter es zulassen, wird das Dach noch bis zum Wintereinbruch eingedeckt und bekrönt.

Wichtige Vorarbeit: Thomas Meister von der Zimmereifirma Schiechen und Grüber legt den Zollstock dreimal an, bevor er die Säge ansetzt.
© Sören Tetzlaff
Die letzten Nägel: Rittlings auf dem First des Dachstuhls sitzend, vollendet Zimmerer Thomas Meister sein Werk.
© Sören Tetzlaff

Unwillkürlich heben die Wriezener auf dem Markt die Köpfe: Hammerschläge hallen über den Platz, ein Zimmermann sitzt rittlings auf dem hölzernen First des Dachstuhls über dem Chorraum der Marienkirche. Thomas Meister von der Firma Schiechen und Grüber aus Bergholz-Rehbrücke ist der verwegene Mann in der schwarzen Kluft, der dort die letzten Nägel in die Dachbalken schlägt. Eigentlich ein symbolischer Akt für den Bauherren zum Richtfest. Doch Ingo Mannigel, der Vorsitzende des Fördervereins Marienkirche Wriezen, schüttelt den Kopf: "Wir verzichten auf ein extra Richtfest, stattdessen wollen wir gern eine kleine Bekrönungsfeier machen, wenn das Dach dicht ist. Denn das ist für uns das Wichtigste."

Seit vielen Jahren schon kämpft der Förderverein für die Sanierung des im Krieg stark zerstörten Kirchenschiffs. In einem ersten Bauabschnitt ging es nur um die Sicherung des Bauwerks, die Beseitigung von Schutt, um die Ruine zunächst sicher und begehbar zu machen. Nur die Mauern stehen noch, fast das gesamte Dach fehlt. Nur das südliche Seitenschiff trägt über den alten Gewölben ein Notdach und dient als Kapelle. An der östlichen Wand des Turms, der zum Kriegsende seine barocke Haube verlor, sind noch die Umrisse der Dächer des Kirchenschiffs zu sehen, das im Laufe der Jahrhunderte unterschiedlich hoch war. Messungen und Tests mit Gipsflächen über Rissen ergaben außerdem, dass sich die Pfeiler mit den Wänden ganz langsam nach innen neigen. Soll das Schiff eine Chance haben, muss dies so schnell wie möglich aufgehalten werden.

Jetzt sieht sich der Förderverein vor einem wichtigen Teilerfolg seiner Bemühungen. Im zweiten Bauabschnitt wird der halbrunde Anbau des Chorraums, auch Apsis genannt, an der Ostseite des Kirchenschiffs überdacht. Geplant ist weiterhin, mit einem stählernen Bogen die Pfeiler der Seitenwände des Kirchenschiffes zu verbinden, um sie buchstäblich auf Distanz zu halten.

Den Dachstuhl, der nun vollendet ist, gerade und waagerecht auf die Mauerkronen zu konstruieren, stellte sich als kompliziert heraus. "Die Mauern mussten zunächst befestigt werden und wiesen erhebliche Niveauunterschiede auf", berichtet der Koordinator der Sanierung, der ehemalige Bad Freienwalder Landrat Friedhelm Zapf. Thomas Meister hat deshalb lieber dreimal gemessen, bevor er die Balken zusägte. Zuvor hatten schon die Gerüstbauer der Firma Reiwand und Lobenstein aus Fahrland die Apsis eingerüstet und einen Dachdeckerfangschutz installiert.

Dass die Viertelmillion Euro Fördermittel für den zweiten Bauabschnitt kofinanziert werden konnte, ist Ergebnis zahlreicher Spenden bei Benefizkonzerten und anderen Aktionen und Zuschüssen von 30 000 Euro aus dem Konsistorium, 50 000 Euro aus dem Kirchenkreis Oderbruch und 10 000 Euro von der Stadt. "Es gibt schließlich nur noch 55 Prozent Fördermittel für eine Maßnahme, wenn der Eigenanteil aufgebracht wird", informiert Ingo Mannigel. Damit steht auch die Finanzierung für die Vorhaben im nächsten Jahr. Räume sollen isoliert werden, in einem Fundus für gebrauchte Kirchenbauteile sollen Fenster für den Chorraum besorgt werden.

Das Mitglied des Gemeindekirchenrates will heute mit den Dachdeckern nach der Statik-Abnahme das weitere Vorgehen besprechen. Wenn das Dach dicht und von einer Wetterfahne mit Kugel bekrönt ist, erhoffen sich Ingo Mannigel und der Koordinator Friedhelm Zapf eine große Symbolwirkung von der Kirche. "Die Wriezener können sehen, dass hier wieder ein Kirchenraum entsteht, dass es hier wieder ein aktiveres Kirchenleben für das Oderbruch geben wird", sagt Ingo Mannigel. Wichtig sei das auch mit Blick auf nicht enden wollende Diskussionen über die fortschreitende Verödung des Geschäftslebens auf der Wilhelmstraße und dem Markt. Das Dach sei ein wichtiges Zeichen der Hoffnung für Wriezen.

Märkische Oderzeitung vom 20. November 2013

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