Henriette schmückt sich mit einer goldenen Krone

Annahütter Kirchturm nach aufwändiger Sanierung neu bekrönt

ANNAHÜTTE Die Spitze der Henriettenkirche in Annahütte ist in 37 Metern Höhe am Mittwoch neu bekrönt worden. Mit restaurierter und frisch vergoldeter Kugel, Wetterfahne und Strahlenkreuz, die seit 108 Jahren Wind und Wetter standhalten mussten.

Die neue Kirchturmspitze ist aufgesetzt, bestehend aus Kugel, Wetterfahne und Strahlenkreuz alles frisch vergoldet und für die nächsten 100 Jahre restauriert.
Foto: Steffen Rasche/str1

Als Restaurator Bernd Kirchner nach über siebenstündigem Tagwerk die goldene Kugel samt Wetterfahne und Strahlenkreuz am Mittwoch auf die Kirchturmspitze setzt, reißt über Annahütte sogar der wolkenverhangene graue Novemberhimmel auf. Der ruppige Wind lässt spürbar nach und der Himmel zeigt sich in schönstem Blau. Friedhelm Noack und Jörn Erbert vom Förderverein genießen den Augenblick und sind fasziniert vom güldenen Anblick. "Unsere Kirche gehört ins Dorf und wir wollen sie erhalten", sagt Friedhelm Noack zufrieden. Er spricht dabei den 19 Mitgliedern des Fördervereins, die vor 15 Jahren angetreten sind, damit die Kirche nicht verfällt, aus dem Herzen. Mit der Bekrönung endet die fünfmonatige aufwendige Sanierung des Turmes der Henriettenkirche. Restarbeiten sollen noch bis zum Winter erledigt sein. Henriette ist damit wieder dicht, sämtliche Dach- und Mauerwerksschäden behoben, sodass keine Feuchtigkeit mehr die kostbare Wandausmalung im Innern beschädigen kann.

Den Inhalt der kupfernen Schatulle, die im Bauch der Kugel verschwindet, hat Vereinsvorsitzender Friedhelm Noack zusammengepackt. Münzen aus der Kaiserzeit, Dokumente zum Kirchbau aus dem Jahre 1905, eine Dokumentation zur Entwicklung von Annahütte von 1905 bis 2013, Euro-Geldstücke und die aktuelle Ausgabe der Lausitzer RUNDSCHAU gehören dazu.

Der neue Glanz des Annahütter Kirchturmes gefällt auch Annemarie Glagow und Marlitt Vogel. Die beiden Frauen haben unter ihren Regenschirmen Position bezogen, um jeden Handgriff genau zu verfolgen. Den feierlichen Akt wollten die Zwei auf keinen Fall verpassen. "Annahütte hat sich rausgemacht. Als ich vor 15 Jahren hergezogen bin, war alles noch grau in grau", spart Marlitt Vogel nicht mit Lob.

Vereinschef Friedhelm Noack (l.) und Restaurator Bernd Kirchner befüllen die kupferne Hülse mit historischen Münzen, Plänen, Dokumenten und der aktuellen Ausgabe der Lausitzer Rundschau.
Foto: str1

Der Kirchturm ist für Annahütte in den vergangenen Monaten ohnehin zum Symbol des Zusammenhalts geworden. Für die Rettung der Kirche als kulturelles Zentrum des Schipkauer Ortsteiles sind zahlreiche Kräfte mobilisiert worden. Dazu gehörte auch eine spontane Spendensammlung, die über 1000 Euro erbrachte. Schipkau als Eigentümerin hat erfolgreich in den europäischen Fördertopf der ländlichen Entwicklung gegriffen und zudem aus dem Gemeindehaushalt einen Zuschuss lockergemacht. Damit konnten die Baukosten in Höhe von rund 80 000 Euro gemeinsam ge stemmt werden.

Im neuen Jahr will der Förderverein unbedingt die Farbschäden im Kircheninneren in den Griff bekommen. Die eindringende Feuchtigkeit hat große Wasserflecken hinterlassen und aufblühende Salze die Kirchenmalerei beschädigt. Repariert werden muss auch die Orgel, weil der herabbröckelnde Putz in die Pfeifen gerieselt ist. Viel Arbeit also auch nach der großen Sanierung für die Mitglieder des Vereins.

Sobald die Gerüste fallen, will Friedhelm Noack auch die alte Kirchturmuhr wieder in Gang setzen. Das viertelstündliche Läuten hat den Annahüttern in der Bauzeit gefehlt. Und am ersten Adventssonntag stehen nach der Sanierung erstmals wieder die Pforten offen. Der Volkschor Schipkau lädt dann zum Adventssingen ein.

Andrea Budich

Lausitzer Rundschau vom 07. November 2013

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