Kirchengeläut in Wartestellung

Melchow (MOZ) Dank großem Engagement und einigen Sponsorengeldern bekommt Melchow einen Glockenturm, eine Kirchenglocke wartet seit fünf Jahren auf ihren Einsatz. Noch ist der Termin der Einweihung nicht bekannt, aber die Vorfreude ist groß.

Fünf Jahre lang unbenutzt: die Melchower Glocke.
© Lothar Sarre

"Wenn im Turm die Glocken läuten, kann das vielerlei bedeuten", so heißt es in Erich Kästners Gedicht "Es läuten die Glocken", doch noch läutet sie nicht, die eine Glocke, die vor 5 Jahren als Geschenk aus Eberswalde nach Melchow kam. Seitdem ist der eigens gegründete Förderverein Glockenturm Melchow bemüht, dieser einen Turm zu geben, auf dass sie endlich zum Läuten kommt.

Die Kirche, ein umgebautes Stallgebäude, das die Gemeinde vom Bauer Kosse vor fast 100 Jahren übernahm, machte aus der Not eine Tugend. Der stark wachsenden Bevölkerung konnte mit dem schlichten Umbau ein Ort des religiösen Zusammenhalts gegeben werden. Für eine eigene Pfarrei war die kirchliche Gemeinde aber zu klein und wurde deshalb vom Pfarrer aus Grüntal mitbetreut. Das ist sie noch heute und dennoch gibt es schon immer das Bestreben nach einer Glocke in einem Glockenturm auf dem Kirchendach. Vermutlich hat das historische Gründe: der 1324 gegründete Ort befand sich zunächst auf dem Kirchberg am Luch, wo der heutige Friedhof ist. Die Bewohner waren arme Leute, die ihr Tagewerk unter großen Strapazen verrichteten. Als feindliche Reiter eines Tages in das Dorf zum Plündern einfielen, retteten die Melchower ihre Glocke vor den Wüstlingen, indem sie sie ins Moor trudelten. Was als Sage überliefert ist, kann mit historischen Quellen untermauert werden.

Noch im 14. Jh. wird das Dorf mit 13 Kossäten, Pfarrer und Kirche beschrieben, das vermutlich durch den Hussitenfeldzug im 15. Jahrhundert untergegangen ist. Mit der Neuansiedlung wuchs zugleich die Sehnsucht nach einer Glocke. Das Moor hat die einstige nicht wieder hergegeben. Der Förderverein, der aus kirchlich gebundenen und nicht gebundenen Mitgliedern besteht, hat sich vehement für die Beschaffung einer Glocke eingesetzt. Die noch größere Herausforderung aber war der Weg zum Turm. Ohne Förderer, Sponsoren und der überragenden Spendenfreudigkeit der Melchower Bürger wäre das Bauvorhaben nicht möglich gewesen. Eigentlich sollte die Einweihung am Reformationstag erfolgen, aber Lieferengpässe beim Stahl verzögern den Turmbau um ein paar Wochen. Zum Jahresausklang bewahrheitet sich aber die nächste Zeile aus Kästners Gedicht: "Erstens: dass ein Festtag ist. Dann: dass du geboren bist."

Der genaue Termin und Ablauf des Festgottesdienstes wird rechtzeitig bekannt gegeben.

Märkische Oderzeitung vom 16. Oktober 2013

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