80 Prozent der Balken beschädigt

Wollenberg (MOZ) Die Feldsteinkirche Wollenberg ist zwar nicht akut gefährdet, aber dennoch muss etwas getan werden. Andreas Nisse, Geschäftsführer des Ingenieurbüros für Baustatik und Sanierungsplanung (ibs) in Hoppegarten, stellte am Donnerstagabend den Mitgliedern des Fördervereins das Sanierungskonzept vor. Die zweite Mitgliederversammlung des Vereins, der sich auf die Fahne geschrieben hat, das Gotteshaus als kirchliches und kulturelles Zentrum zu erhalten, traf sich in der Kirche. Mit dabei Pfarrer Johannes Reimer, der neben Oderberg auch den Kirchensprengel Hoher Barnim betreut.

Andreas Nisse (r.) vom ibs Hoppegarten stellt in der Wollenberger Kirche das Sanierungskonzept vor.
© MOZ/Steffen Göttmann

Die Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert sei 1738, 1790 und 1900 umgebaut worden, berichtete Nisse. 1790 sei der Turm aufgesetzt worden. "Die Kirche weist verfugte und verputzte Bereiche auf, man kann den Bau erleben, wenn man herumgeht", schwärmte Nisse, der von der Aufgabe begeistert ist, das Gotteshaus zu sanieren. Die Hälfte der Sanierungsaufträge, die ibs bearbeitet, seien Kirchen. Dass an dem Haus immer wieder etwas gemacht wurde, beweisen die unterschiedlichen Farben der Biberschwänze. "Das Dach ist relativ dicht", erklärte Nisse. Daher sei der Innenraum des Kirchenschiffs im Wesentlichen in Ordnung. Die Decke weise nur einen Wasserfleck auf. Das Gebäude sei immer wieder gesichert, aber nicht saniert worden. Das Problem aber liegt ganz woanders: 80 Prozent der Deckenbalkenköpfe seien beschädigt, erklärte Nisse. Wegen der schadhaften Balken schiebt das Dach nach außen und belaste die Mauern. Dies erzeugt Risse.

Feldsteinkirchen seien zweischalig gebaut. Die Lücke zwischen innerer und äußerer Mauer sei ausgefüllt. Gerät Feuchtigkeit in die Füllung und dehnt sie sich bei Minustemperaturen aus, reißt das Mauerwerk. Daher müsse verhindert werden, dass Feuchtigkeit eindringt.

Das Dach müsse auf beiden Seiten aufgenommen werden, so Nisse. Die beschädigten Balken werden aber nicht komplett ersetzt, sondern lediglich die Balkenköpfe. Ferner müsse die Mauerkrone erneuert werden. Diese sei zwar schon mal gemacht worden, aber nicht richtig, befand er. Zudem sei bei den Dachbalken Hausschwamm festgestellt worden, sodass sie und auch das Gesims erneuert werden müssen, auf dem die Balken aufliegen. Ebenfalls stark beschädigt sei der Fachwerk-Turm der Kirche. Wasser dringt ein. Das Holz zerbröselt von außen.

Die Gesamtkosten gab Nisse mit 318 000 Euro an. Er schlug zwei Bauabschnitte vor, damit die Summe nicht zu hoch ist. Der seit einem halben Jahr bestehende Förderverein hat bislang 3600 Euro gesammelt. Gebaut werden kann nur, wenn die Finanzierung geklärt ist, sagte Pfarrer Reimer. Vorher werde das Bauamt der Landeskirche den Bau nicht genehmigen. Denn die Kirche ist Eigentümerin des Gotteshauses. Wann der Bau beginnen kann, steht noch nicht fest.

Märkische Oderzeitung vom 28. September 2013

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