Kirchruine bekommt Dach aus Licht

Gubiner küren Sieger im Architekturwettbewerb / Projekt kostet zehn Millionen Euro

GUBIN/GUBEN Der Aufbau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten ehemaligen Stadt- und Hauptkirche Guben geht weiter. Gestern wurde der Sieger im Architekturwettbewerb zur Gestaltung des Kirchenschiffes gekürt. Durchgesetzt hat sich ein deutsch-polnisches Gemeinschaftbüro aus Warschau. Die Idee: Die Kirchruine bekommt ein lichtdurchlässiges Dach.

Juryvorsitzender Jacek Owczarek (2.v.l.) kürt den Siegerentwurf, der im Hintergrund zu sehen ist.
Foto: FOTO-Werner/rww1

"Es ist ein ungewöhnlicher, ja nahezu genialer Entwurf", sagt Florian Mausbach. Mit dieser Einschätzung steht der ehemalige Präsident des Bundesbauamtes nicht allein. Zwanzig Mitglieder einer deutsch-polnischen Wettbewerbsjury, zu der neben Mausbach weitere namhafte Experten gehören, haben einstimmig für den Entwurf des Warschauer Architekturbüros Heinle, Wischer und Partner gestimmt. Mit einem ganz neu entwickelten Material der Nanotechnologie, das lichtdurchlässig ist, soll die Ruine des Kirchenschiffes der ehemaligen Stadt- und Hauptkirche Guben gedeckt werden.

"Es ist weder Glas noch Kunststoff", erklärt auch Anna Dziadek, Leiterin der Bauhütte Kirche Gubin. Sie ist Mitorganisatorin des Wettbewerbes, den die Stadt Gubin Ende April dieses Jahres ausgelobt hat. Mit ihrer Idee konnten sich die Warschauer Architekten gegen elf weitere Wettbewerbsteilnehmer durchsetzen. Bei der Siegerehrung in der Galerie des ehemaligen Rathauses sind sie jedoch nicht anwesend.

"Mit diesem Entwurf gelingt der Kunstgriff, den mahnenden Charakter der Kriegsruine zu bewahren", lobt auch Rolf Kuhn, Jurymitglied und ehemals Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung (IBA) "Fürst-Pückler-Land", die zwischen 2000 und 2010 in der Lausitz stattfand. Nichts vom historischen Bestand der ehemaligen Kirche gehe durch die Sanierung verloren. "Der Wiederaufbau ist gleichzeitig ein zukunftsweisendes Symbol dafür, dass die Zerstörung und Trennung Europas überwunden ist", so Mausbach.

Einen konkreten Zeitplan für den Wiederaufbau der spätgotischen Backsteinkirche gibt es noch nicht. Mit zehn bis 15 Jahren rechnen Experten. Bis Juni kommenden Jahres soll aus dem bisherigen Entwurfs- ein konkreter Bauplan werden. Die Kosten für die Umsetzung des Mammut- Projektes werden auf zehn Millionen Euro geschätzt. Aus welchen Töpfen das Geld fließen soll, ist ebenfalls noch unklar.

Der Gubiner Bürgermeister Bartlomiej Bartczak ist aber optimistisch. "Ich bin sicher, dass wir die Mittel dafür bekommen werden", sagt er während der Preisverleihung. Zustimmung bekommt er von Barbara Bielinis-Kopec, der Leiterin der Lubusker Denkmalschutzbehörde. Sie hofft, dass die Umsetzung bald beginnen kann.

"Als wir vor acht Jahren damit anfingen, hielten uns viele für verrückt", betont Günter Quiel, Vorsitzender des Fördervereins zum Wiederaufbau der ehemaligen Stadt- und Hauptkirche. Mehr als 2500 Tonnen Schutt und Geröll wurden bereits aus dem Innenhof der Kirche geräumt. Die Hülle des 67 Meter hohen Kirchtumes ist bereits saniert und teilweise zugänglich. Aus der ehemaligen Kirche, die der Stadt Gubin gehört, soll eine europäischen Kultur- und Begegnungszentrum werden.

Silke Halpick

Lausitzer Rundschau vom 24. September 2013

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