Kirchturm zu versteigern

Joachimsthal (MOZ) Die Schinkelkirche in Joachimsthal muss saniert werden. Wie so oft fehlen dafür aber die nötigen finanziellen Mittel. Der Förderverein hat sich deshalb eine ganz besondere Aktion ausgedacht: Die Sanierung der Kirche wird versteigert.

2,80 Euro pro Ziegel: Pfarrerin Beatrix Spreng versteigert gemeinsam mit vielen Freiwilligen die Sanierung ihrer Kirche.
© MOZ/Caroline Reul

2,80 Euro für einen Dachziegel, 28 Euro für ein ganzes Paket, 50 Euro für das Bleifeld einer Fensterscheibe, 11 900 Euro für ein gesamtes Fenster, 46 000 Euro für einen Turm - das sind nur einige Beispiele, mit welchen Beträgen die Sanierung der Schinkelkirche in Joachimsthal finanziert werden kann.

Ein Projekt, das vom Förderverein Schinkelkirche Joachimsthal initiiert wurde, soll am Sonnabend auf dem Schinkelfest erstmals groß zelebriert werden. "Wir versteigern die Sanierung unserer Kirche", sagt Pfarrerin Beatrix Spreng und erklärt, was darunter zu verstehen ist.

"Es wird in der Kirche einen großen Aufsteller geben, der die Preise aufführt, sodass jeder schauen kann, welche "Teile' des Gebäudes zu erstehen sind. Wer etwas spendet, wird seinen Namen dann auf der entsprechenden Stelle eines Plans der Kirche finden," Dieser wird dauerhaft im Gotteshaus ausgehängt sein.

Die Idee für die Versteigerung entstand, als von einer Firma ein Paket der Original-Dachziegel gespendet wurde. "Das haben wir dann in der Kirche platziert. Nebenan haben wir eine leere Palette aufgestellt. Die Besucher sind seitdem aufgefordert, einen oder mehrere der Ziegel zu erstehen. Wenn sie das getan haben, dürfen sie die Ziegel auf die andere Palette umstapeln", erläutert Beatrix Spreng. Je mehr der zweite Stapel wächst, desto mehr Geld ist also gespendet worden. Die Aktion laufe gut und mache Hoffnung auf weitere Erfolge des Festes am Sonnabend. Neben der Versteigerung wird es ein Programm geben, das unter anderem die Bands von "Baff - Bands auf festen Füßen", der Waldkindergarten und der Bernettsche Männerchor gestalten. Architekt Stuhlemmer wird zudem über Schinkel und die Charakteristika der Kirche in Joachimsthal sprechen.

Vorrangig, so erklärt die Pfarrerin, gehe es erst einmal um die Instandsetzung des Daches und der Außenfassade. Die Sanierung des Daches, in dem der Schwamm sitzt, war bereits vor einigen Jahren schon einmal in Angriff genommen worden, konnte aber wegen finanzieller Engpässe nicht beendet werden. Weiterhin muss das Dach neu gedeckt werden.

"Natürlich träumen wir darüber hinaus", gesteht Beatrix Spreng. "Wir wollen, dass die Kirche auf lange Sicht ihren ursprünglichen "Schinkel-Charakter' wiedererhält." Dafür gibt es auch schon Pläne, die im Längsschiff des Gotteshauses zu betrachten sind. Sie zeigen, dass die Kirche in einigen Teilen in den Zustand zurückversetzt werden soll, in dem sie Karl-Friedrich Schinkel einst gebaut hatte. Mit einem umfassenden Umbau in den 1960er-Jahren nach DDR-Standards war viel von diesem verloren gegangen.

So soll künftig die alte Empore, die einmal rings um den Innenraum lief, erneuert werden. Die Winterkirche, die sich heute hinter einer großen Holzfassade verbirgt, soll dann nur noch durch eine Glaswand von den übrigen Räumlichkeiten abgetrennt sein. "Aber ist noch nicht mal ein Thema von übermorgen", sagt die Pfarrerin.

Wichtig findet sie bei all dem auch, dass ihre Kirche immer mit Leben gefüllt ist. "Sonst bräuchte man das alles gar nicht erst anfangen", sagt sie. Neben den Bands von Baff und den Tänzerinnen, die hier proben, will sie künftig auch mehr Bildung stattfinden lassen. "Schinkel lebte zu einer Zeit, in der die Menschen begannen, sich von der Monarchie zu lösen und Gedanken frei zu äußern. Davon soll in dieser Kirche berichtet werden."

Das Schinkelfest wird am Sonnabend ab 14 Uhr in der Kirche Joachimsthal gefeiert.

Märkische Oderzeitung vom 19. September 2013

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