Der Turm der Medewitzer Dorfkirche wird saniert

Die Glocken müssen vorerst schweigen

Seit zwei Monaten ist das regelmäßige Läuten in der Dorfkirche zu Medewitz eingestellt. Feierliche Anlässe bilden die Ausnahme. Die Glocken schlagen nämlich gegen das marode Gebälk des Turms.

Medewitz. Und der steht ohnehin schief. Vor einiger Zeit haben Kameraden der freiwilligen Feuerwehr die Gefache, aus denen zuweilen schon der Putz rieselt, notdürftig mit Bohlen gesichert.

"Es besteht jetzt wirklich Gefahr, dass einem etwas auf den Kopf fällt", sagt Heinz Kempin und erinnert - pünktlich zum Herbstanfang - an die jüngsten Stürme im Hohen Fläming. Der Maurer gehört künftig zum Gemeindekirchenrat, der sich seit Jahren um die Sanierung des Gotteshauses müht. Der Bedarf geht offensichtlich über den Turm hinaus und ist in den vergangenen zwei Jahren ermittelt worden. "Rund 170 000 Euro werden nötig sein", berichtet Jörg Spatzier. Er ist Bauausschussvorsitzender der zuständigen Evangelischen Gemeinde Wiesenburg, zu der außerdem Jeserig/Fläming, Reetz/Reetzerhütten, Reppinichen, Schlamau/Schmerwitz und Wiesenburg gehören.

Das Dach ist undicht. Die Deckung mit Betonsteinen lässt ahnen, was Flecken auf dem Teppich im Innern bestätigen. Bei Starkregen oder Schneelast tropft es von oben in das ansonsten attraktive Kirchenschiff, das es zu schützen gilt. Geht es nach den Fachleuten, die das Gebäude in Augenschein genommen haben, müssen zudem die auf dem Mauerwerk nicht richtig gelagerten Balken erneuert werden.

Seit sich vor drei Jahren die Notwendigkeit abgezeichnet hat, wird um die Beschaffung des nötigen Geldes gerungen. Die örtliche Kirchengemeinde hat 20 000 Euro im Etat eingestellt, sagt Finanzchef Uwe Jakubowski. Ein Förderkreis um Matthias Wilke hat seither Spenden von mehr als 5000 Euro eingeworben. "Das Ergebnis beweist, dass die Kirche dem ganzen Dorf und nicht nur den etwa 150 Gläubigen etwas wert ist", sagt er und erinnert außerdem an das Benefizkonzert mit dem Brücker Gospelchor in Reetz sowie weitere Spenden-Zusagen. Jetzt aber konnte mit Frank-Walter Steinmeier (SPD) freilich ein prominenter Partner gewonnen werden. Der entscheidende Tipp kam von Dagmar Aehlich von der Unteren Denkmalbehörde der Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark. Aus dem sogenannten D-5-Programm der Bundesregierung könnten bei der nun zugesagten Unterstützung des Wahlkreisabgeordneten 50 Prozent der Kosten gedeckt werden. Fehlt also aktuell ein Betrag von rund 50 000 Euro. Über dessen zumindest anteilige Bereitstellung soll das Konsistorium in den nächsten Tagen entscheiden.

Gibt es die Zusage, könnten noch in diesem Jahr die Statik-Gutachten erstellt und Holz-Untersuchungen vorgenommen werden. Wenn der Hammerklang dann im nächsten Jahr vorübergehend das Schlagen der Glocken ersetzen würde, wären Heinz Kempin, Matthias Wilke, Jörg Spatzier und Uwe Jakubowski jedenfalls schon zufrieden.

Von René Gaffron

Märkische Allgemeine vom 19. September 2013

   Zur Artikelübersicht